Exit Music
Shugo Tokumaru – Exit
Shugo Tokumaru – Exit

Shugo Tokumaru – Exit

8.5

Genre: , ,
Label: P-Vine Records

Erstellt am: 07.11.2008
Autor:
Erstellt am: 07.11.2008   Autor:

Neuerscheinungen

Arkadien

Der japanische Multiinstrumentalist gewährt uns Einblick in prächtige Traumwelten. Kreativer und lebhafter wird es dieses Jahr nur noch schwerlich.


Über hundert Instrumente (in weiter gefasstem Sinne) sollen sich bei ihm im Schlafzimmer finden, sagt man … und gut die Hälfte davon auf “Exit“ zu hören sein. Anhand der ungebrochenen Verspieltheit und dem immensen Ideenreichtum, mit dem der 28-jährige Shugo Tokumaru diese Instrumente einsetzt, drängt sich flugs das Bild eines Kindes auf, das seltsame Spielzeuge aller Art entdeckt und während dem Zeitvertrieb damit immer mehr in Fantasiewelten abgleitet.

Zu herkömmlichen Klangerzeugern wie Gitarre, Flöte, Akkordeon und Schlagzeug gesellen sich traditionelle japanische Instrumente, Haushaltsgeräte und Alltagsgeräusche. Shugo Tokumarus liebstes all jener Spielzeuge dürfte das Notebook sein. Damit errichtet er Klanghochhäuser und weist mittels eifriger Effekt-Spielerei Wege in fremde Wunderländer. Resultat all dessen sind die exzentrischen Indie/Prog-Folk-Arrangements, die in letzter Zeit nur auf Sufjan Stevens Grosswerk “Illinois“ so zu finden waren. Oder so ähnlich, denn Shugo Tokumaru scheint den eingeschlagenen Weg jeweils noch einige Schritte weiter zu tun. Weiter in Richtung Jugend und Verspieltheit.

“Exit“ ist ein Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen. Das kündigt sich bereits bei den englischen Songtiteln an. “Pra-Shuu“ im aufgeregten Opener “Parachute“ bleibt dann allerdings das einzige gesungene Wort, das man als englisch identifizieren könnte. Davon abgesehen bleibt die melodische Sprache Nippons zu bestaunen. Und die Musik selbst? Die zitiert genauso westlichen 60er-Jahre-Pop und -Psychedelica wie traditionellen und modernen Folk. Genauso die schrulligen Melodien japanischer Popmusik wie auch, etwas seltener, traditionelle Musik aus dem Land der aufgehenden Sonne.

Als einen seiner wichtigsten Einflüsse nennt Tokumaru die Liverpooler Pilzköpfe. Am deutlichsten wird seine Liebe zu den Beatles in “Button“, das recht stark an deren “Sexy Sadie“ erinnert. Ein allfälliger Plagiatsvorwurf erübrigt sich alsbald man sich das vor guten Einfallen sprühende Stück zu Gemüte führt. Manchmal nimmt auch typischste amerikanische Musik Überhand – “Sanganichi“ ist Country-Blues, modern und nostalgisch zugleich. Der höchste Höhepunkt folgt gegen Ende des Albums. ”La La Radio”, eine spielerische Barock-Pop-Hommage, versammelt allein so viele Ideen wie sich auf ganzen Alben anderer Musiker finden und wirkt trotzdem wie aus einem Guss.

Die Experimentierfreudigkeit Tokumarus bringt ein aufregendes Hörerlebnis hervor, selbst nach mehreren Durchgängen vermag fast jedes der Stücke noch zu überraschen und für spontane Begeisterungsstürme zu sorgen. ”Exit” ist Musik in ihrer vollsten Lebendigkeit, in Klänge gefasste Freiheit und jugendliche Frische, kurz: eine Riesenfreude!

Seit  2. September 2008 als Import auf cede.ch erhältlich

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Green Rain
> Sanganichi
> La-La-Radio

Diskographie:
> Night Piece (2004)
> L.S.T. (2005)
> Exit (2007/2008)

Ähnliche Künstler:
> Takako Minekawa
> Sufjan Stevens
> PWRFL Power

Inspiration
> Lindsey Buckingham
> The Beatles
> Beach Boys