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Shakedown – Spellbound
Shakedown – Spellbound

Shakedown – Spellbound

8.5

Genre: ,
Label: Panorama

Erstellt am: 28.04.2006
Autor:
Erstellt am: 28.04.2006   Autor:

Schweizerisches

Unterkühltes Triphoppeln mit Stil

Zwei erfahrene Elektroniktüftler aus Lausanne produzieren elektronische Musik internationalen Formates.

Kommen wir für einmal ohne Rhetorik unumwunden zur Sache: Dem geneigten musikinteressierten Leser sei anzuzeigendes Album besten Gewissens zum Kaufe angemahnt.
Die Lausanner Brüder Mandrax – als DJ dank ausgezeichneter Arbeit längst etabliert – und Seb K – ein Spezialist für elektronische Klangtüfteleien erster Güte und bar jeglicher Schubladisierung – bringen ein halbes Jahrzehnt nach dem erfolgreichen Debut ein zweites Album auf den Markt, das einerseits poppiger, andererseits dunkler, zur Hauptsache aber ausgezeichnet ausgefallen ist.
Die Koordinaten der Musikwelt Shakedowns sind schnell definiert: Raffinierte Electrobeats mischen sich effektvoll mit eingängigen Melodien, haarscharf am Downbeat zugunsten House-orientierter Muster vorbeischrammend. Spellbound will tanzen machen (‚That Way’), lässt hingegen in Trip Hop-Manier keck Vokalqualitäten aufblitzen (‚Fantasy’): Das coole ‚Emerald Eyes’ liesse sich ohne Not Massive Attack zutrauen, ‚Fantasy’ orientiert sich in seinem – mit Verlaub – Sexappeal im wahrsten Sinne des Wortes spürbar an Goldfrapp. Wer sich ‚That Way’ anhört, wird den Einfluss von Archive nicht negieren können, ‚Bigger Picture’ erinnert den Hörer in der Atmosphäre angenehm an Bang Gang und die ebenso grossartigen wie unterschätzten Cranes (besonders die getragene, sich Zeit lassende Stimme Terra Devas im gleichermassen berührenden und verspielten ‚Extraordinary’). Einige Sequenzen lassen entfernt an Portishead denken.
Die beiden erfahrenen Schweizer Artisten des technischen Klangs haben ein erfreulich unaufgeregtes Werk technisch perfekt produziert, das seine schwächsten Momente im letzten Stück birgt: Im achtminütigen ‚Love Game’ werden die drei hervorragenden ersten Minuten nach einer fast einminütigen (!) Pause überflüssigerweise noch vier Minuten ausgereizt. Diese Zeit fordert ein kritischer Konsument für ein neues Stück ein, was bei einer Gesamtdauer des Release von knapp 52 Minuten bei den Künstlern durchaus nicht auf Unverständnis stossen sollte. ‚Ride’, in der Tat klug instrumentiert, zeigt ideal, wie viel Substanz eine musikalische Idee birgt. Wie ‚Ride’ episch ausgreifend, beweist ‚Spellbound’ nachdrücklich, weshalb Songs von Shakedown in Filmen verwendet worden sind.
Mit wenigen Abstrichen darf man von Spellbound als einem wahrlich geglückten Stück zeitgenössischer elektronischer Tanzmusik sprechen. Selbst wenn man mit einigem Recht einwenden mag, dass der Zitate fast zu viele seien, dass man eine konsequente eigene, innovative Line vermisse: Warum soll ein gutes Zitat verdriessen? Nein, nein, es ist unzweifelhaft: Die beiden Romands ziehen einen mit Technik, Spielfreude und Ideen in ihren Bann. Das Ergebnis dieses feinen Schaffens sollte mit einem Kauf gewürdigt werden.

Unsere Ansicht: unbedingt selbst hören und selbst urteilen. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit.

Seit 17. März 2006 im Handel.

Anspieltipps: Fantasy, Emerald Eyes, Lonely Road
Trackliste: 1) Fantasy; 2) Bigger Picture; 3) Ride; 4) Lonely Road; 5) Spellbound; 6) Extraordinary; 7) Walk Alone; 8) Emerald Eyes; 9) That Way; 10) Love Game
similar artists: Goldfrapp, Massive Attack, Cranes, Bang Gang, Röyksopp

Bio:
Shakedown wurde 1999 von den Brüdern Mandrax und Seb K in Lausanne gegründet. Mandrax hat sich seit Mitte der 80er Jahre als DJ, Label-Gründer und Mischer einen ausgezeichneten Ruf in Europa und New York, wo er zeitweilig lebte, erarbeitet, besonders in der House-Szene. Nicht zuletzt St. Germain beruft sich auf ihn.
Der bis dato eher experimental im Drum’n’Bass-Bereich tätige studierte Toningenieur Seb K hat schon einige erfolgreiche Maxi-Singles veröffentlicht.
Der gemeinsame Durchbruch gelang dem Brüderpaar mit der Single ‚At Night’ (2002). Remixes des Duos haben illustre Zeitgenossen wie Mirwais, Mousse T, Les Rhythmes Digitales, Röyksopp beansprucht; produziert haben Mandrax und Seb K unter anderem die anarchistischen Rinôçerôse.
Diskographie:
> You Think You Know (2001)
> Spellbound (2006)