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Seachange – On Fire, With Love (2006)
Seachange – On Fire, With Love (2006)

Seachange – On Fire, With Love (2006)

9.0

Genre: , , ,
Label: Glitterhouse

Erstellt am: 05.07.2006
Autor:
Erstellt am: 05.07.2006   Autor:

Neuerscheinungen

Keep the flame burning

Trotz des Titels – Seachange sind weniger wutentbrannt als auf ihrem Debüt. Aber keinesfalls schlechter. Eher noch besser.

„Ui, das sind ganz Spezielle. Die haben sogar eine Geige.“ Die Geige ist immer ein Argument. Da wird selbst der seichteste Punk-Pop innovativ. Aber bei Seachange ist das anders. Leute, die mindestens einmal in ihrem Leben „Lay Of The Land“ gehört haben, wissen es besser. Ein Monument aus den goldenen Tagen des Indie-Rock – ein Fremdkörper in unserer Zeit.
Mit einer sägenden Geige kann man sich auch ins eigene Fleisch schneiden. Die Musiker aus Nottingham sind sich dessen bewusst. Charakteristikum Nr. 1 wird in den Hintergrund gerückt, um in den entscheidenden Momenten noch effektvoller eingesetzt werden zu können. Ein weiterer denkbarer Grund dieser Zurückhaltung ist, dass die Violinistin in der Entstehungsphase von „On Fire, With Love“ ein anderes Kind auf den Markt…eh die Welt brachte.

Das neue Seachange-Album klingt nicht mehr so kaputt wie der Vorgänger. Trotzdem, „Annie, Tacoma“ lehnt sich kratzbürstig und mit einigem Getöse gegen die gutsituierte Popmusik auf. Die anfängliche Distortion bei „Battleground“ kann aber nur wenig vertuschen. Das Lied ist nämlich vor allem eines: Ein astreiner Popsong. Mit Strophen, Refrain und solchen Sachen. Und da steht er nicht alleine. Auch die akkustische Gitarre wird vergleichsweise häufig in den Arm genommen. Sie verleiht den Klängen einen folkigen Kolorit („Midsummer Fires“).

Eine weitere Stärke der Briten ist die Kongenialität von Sprechgesang und Beat, die in einem kickenden Effekt ihren Ausdruck findet („No Backward Glances“, „The Key“ oder „In“). Die Briten können eben nicht nur traurig sondern auch cool sein. Oder beides gleichzeitig.

Machen wir’s wie die Analysten der Börse. Einfach mal eben gut bewerten, so wie’s all die Anderen tun. Aber was wären wir auch für Deppen, dieses grossartige Werk zu missbilligen oder zu ignorieren. Im deutschsprachigen Raum sind sie Kritikerlieblinge – völlig zu Recht!

Seit 2. Juni 2006 im Handel.

Anspieltipps: Battleground; No Backward Glances; The Key; Midsummer Fires; In
Trackliste: 1) Annie, Tacoma; 2) Battleground; 3) No Backward Glances; 4) Anti-Story; 5) The Key; 6) Shooting Arrows; 7) Youth And Art; 8) Christmas Letters; 9) Midsummer Fires; 10) Punch And Judy; 11) In
similar artists: Idlewild, The Wedding Present, Cinerama, LaSalle, Sebadoh, Sharon Stoned, The Go-Betweens, …And You Will Know Us By The Trail Of Dead, Swell, Sonic Youth, Fugazi

 

Bio:
Ehemalige Studenten der Universität Nottingham gründen Ende der 90er die Band Seachange. Sie beginnen gemeinsam Musik zu machen, ziehen zusammen und richten sich in einem leeren Swimming Pool einen Proberaum ein. Sie spielen unter anderem im Vorprogramm von …And You Will Know Us By The Trail Of Dead und Idlewild. 2004 erscheint ihr Debütalbum „Lay Of The Land“ auf dem amerikanischen Label Matador. Es folgen Tourneen durch Grossbritannien und Deutschland mit Guided By Voices und mit Pretty Girls Make Graves durch die Vereinigten Staaten. Anschliessend beginnen sie mit den Arbeiten am zweiten Album, welches zunächst ein Doppelalbum werden soll. Dieses Konzept wird verworfen und nach zwei Jahren Arbeit und drei Produzenten (Tony Doogan, Neil Wells, Peter Fletcher) erscheint 2006 „On Fire, With Love“ auf dem deutschen Label Glitterhouse.