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Ramona Falls – Intuit

Ramona Falls – Intuit

7.5

Genre: ,
Label: Souterrain Transmissions

Erstellt am: 11.09.2009
Autor:
Erstellt am: 11.09.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Fieberträume

35 Gastmusiker scharte Brent Knopf – hauptamtlicher Sänger bei Menomena – um sich. Doch wer jetzt denkt, dieses Projekt müsse Gewicht verlieren, um zu steigen, der irrt. „Intuit“ ist nicht überladen. Und gewinnt schnell an Höhe.
Grizzly Bear benannten ihr diesjähriges Album nach einer Insel, Brent Knopf sein Soloprojekt nach Wasserfällen. Es ist nicht die einzige Gemeinsamkeit. Und wenn man das Cover von Menomena’s „Friend And Foe“ kennt, könnte man erahnen, wer hinter Ramona Falls steckt. Detailverliebt und einmalig – es beginnt hervorragend dieses Debüt, das kaum wie eines klingt. Das Songquartett, das bis und mit „Russia“ sofort zündet, macht es dem Hörer schwer, es „nur“ Indie zu nennen. Wie selbstverständlich schleicht sich der Prog von allen Seiten an, zückt die Waffen und entreisst einem die seinigen. Und danach? „Intuit“ wird alles andere als schlechter, gegen Ende droht jedoch etwas die Luft auszugehen. Vielleicht ist es ein Song zu viel. Sollte dies aber der einzige Makel bleiben, dann ist es das Haar in der Suppe, das wirklich keiner suchen mag.

Im Klartext: Ab „Going Once, Going Twice“ wird etwas Tempo rausgenommen. Die Dynamik erreicht man anders, wie z.B. in „Salt Sack“, das sich nicht zwischen Schlichtheit und Bombast entscheiden will – und zwar mit grossem Stil. Das verschrobene „Always Right“ zieht und zerrt, krächzt und tanzt wie ein fiebriger Schweissausbruch, der sich mit Schüttelfrost abwechselt. Ein kurzer Bruch mit der ansonsten allgegenwärtigen Harmonie und wohl das einzige verzichtbare Stück. „Intuit“ wirkt manchmal wie der verzweifelte Kampf mit dem Chaos, der am Ende doch noch gewonnen wurde. Es sind Songs geworden, was einen Unterschied zu anderen Kollektiven wie etwa Broken Social Scene macht, welche den Kampf selbst vertont haben. Und zuweilen ist die Schönheit von Momenten wie „The Darkest Day“ dermassen unscheinbar, dass man sie überhören könnte. Diese Musik ist nicht bescheiden, sie ist aber auch nicht aufdringlich. Eine Überraschung vielleicht? Zumindest muss sie entdeckt werden, denn selten fand Liedgut eine solch gelungene Balance zwischen viel und wenig.

Seit 24. August 2009 im Handel.

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Anspieltipps:
> Melectric
> I Say Fever
> Salt Sack

Diskographie:
> Intuit (2009)

Ähnliche Künstler:
> Grizzly Bear
> Menomena
> The Unicorns
> A Whisper In The Noise