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Primal Scream – More Light
Primal Scream – More Light

Primal Scream – More Light

8.0

Genre: , ,
Label: First International/Ignition

Erstellt am: 13.05.2013
Autor:
Erstellt am: 13.05.2013   Autor:

Neuerscheinungen

Goethes letzte Worte

Was war das schön im Sommer 2011: Primal Scream kommen nach Zürich, und die Karten verkaufen sich so schlecht, dass der fürs grosse X-Tra angekündigte Gig ins kleinere Abart verlegt wird.

Ein Glücksgriff für Band und Publikum. Natürlich wird es eine Art Best-Of-Abend, aber die Schotten spielen lange, laut und mit viel Herzblut. Der ganze Saal ist eine einzige Party und Sänger Bobby Gillespie ein geborener Entertainer. Sehenswert auch Bassist Mani, der sich später wieder den wiedervereinigten Stone Roses anschliessen sollte. Er steht direkt vor der grössten Box und bewegt sich keinen Millimeter vom Fleck.

Und wie schön war es auch gestern: das neue Primal-Scream-Album im Briefkasten! „More Light“ (vgl. Goethes angeblich letzte Worte: „Mehr Licht“?) heisst es, 13 Tracks sind drauf, und es gibt ein drolliges Cover mit Gillespie, der sich Hörner mit den Zeigefingern macht. Das erste Album nach fünf Jahren, das kann man nur mit zitternden Fingern in den CD-Player schieben. Fünf Jahre sind lang. Doch man freut sich, dass die Band überhaupt noch existiert. Immerhin haben Primal Scream ihr erstes Konzert 1982 gespielt, und „More Light“ ist ihr zehntes Studio-Album.

1991 waren Primal Scream die wichtigste Band der Welt, „Screamadelica“ das heisseste Album des Jahres, vielleicht sogar des Jahrzehnts. Hier kam zusammen, was Manchester-Acts wie Happy Mondays und Inspiral Carpets angedacht hatten, ohne je die perfekte Formel zu finden. Primal Scream brauten es makellos, dieses Amalgam aus Hippie-Seligkeit, Indie-Rock, 808-Beats, Acid House, Stones-.Gitarren,Gospel und Blues, das eine Zeitlang Rave heissen durfte und nichts weniger als die eingelöste Verheissung vollkommener Glückseligkeit war. Das Folgealbum „Give out, but don’t give up“ wurde von der Kritik zerrissen, die Band von Drogen, der Sound wurde konservativer. Dennoch ist auch dieses Album letztlich stark unterbewertet. Und die Band fing sich wieder. Und spielte zwischen 1997 und 2002 weitere Alben ein, die wegweisend wurden (v.a. „XTRMNTR“), elektronischer, düsterer, apokalyptischer und auch politischer.

Als dann die ersten Töne von „More Light“ erklingen, darf man zufrieden lächeln: Der durch Kevin Shields‘ Gitarre ziseliert verzierte Opener „2013“ ist genau die Art von Psychedelia-Rock-Song, die Primal Scream letztlich erfunden haben. Richtig euphorisch kann man dann bei „River of Pain“ und „Culturecide“ werden, zwei eher düsteren Nummern, diese ein Zitat früherer Tage mit Hang zu Sprechgesang und Parole (Mark Stewart von The Pop Group), jene ein klaustrophobisches Weird-Folk-Experiment mit überraschenden Wendungen. Es gibt zwar wenig, was man bei Primal Scream nicht so ähnlich schon mal gehört hätte: „Invisible City“ ist Funk-Rock mit Gospelchor. Eine Singalong-Hymne, die an „You can’t always get what you want“ erinnert (und dadurch auch an den Primal-Scream-Hit „Movin‘ on up“) heisst  „It’s alright, it’s ok“. Da ist auf fast 70 Minuten Spielzeit manches dann auch nicht viel mehr als eben okay.

„More Light“ knüpft auch insofern an seinen Vorgänger „Beautiful Future“ an, als es eine Weiterentwicklung nach dem vergleichsweise einfallsarmen „Riot City Blues“ bedeutet. Primal Scream, das sei mit viel Begeisterung und ein wenig kleingläubiger Erleichterung festgestellt, sind auf „More Light“, was sie stets sein konnten: eine Art musikalische Urschreitherapie, die im richtigen Augenblick das grösste Glück ermöglicht.

Seit  10.5.2013 im Handel.

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Anspieltipps:

> 2013
> River of Pain
> Elimination Blues
> Tenement Kid

Ähnliche Künstler:
> Spiritualized
> My Bloody Valentine
> Stone Roses
> Happy Mondays
> Rolling Stones
> Brian Jonestown Massacre