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Poison The Well – Versions
Poison The Well – Versions

Poison The Well – Versions

8.0

Genre: , ,
Label: Ferret Music

Erstellt am: 08.06.2007
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Erstellt am: 08.06.2007   Autor:

Neuerscheinungen

Verlässliche Quelle

Poison The Well haben mit Versions alles richtig gemacht und nach vier Jahren ein Album vorgelegt, das die Band intensiver und abwechslungsreicher als je zuvor präsentiert.

Nachdem sie sich mit den Vorgängern „Tear From The Red“ und „You Come Before You“ eine solide Fanbasis und zumindest in qualitativer Hinsicht locker einen Spitzenplatz im Bereich Metalcore erspielt haben, hatte ich ein bisschen Angst um die Entwicklung der Band. Die Fähigkeit einprägsame Melodien mit Härte zu kombinieren und dabei schlüssige Songs zu schreiben, hat schon viele in eine (kommerziell wohl lukrative) Sackgasse geführt. Wohlgemerkt: Poison The Well klingen 2007 immer noch kompromisslos hart und im Kontrast zu den atmosphärischen Parts auf dem neuen Album entfaltet die Band mitunter eine Intensität und Dichte, die mich diesbezüglich zu Vergleichen mit Bands wie Isis und Converge hinreisst.

Der kurze geradlinige Opener „Letter Thing“ strotzt vor Power und Spielfreude. Er deutet bereits an, was im nachfolgenden, getragenen „Breathing’s For The Birds“ klarer zutage tritt: Tiefe ist das, was Poison The Well vielen anderen Bands dieser Stilrichtung voraushaben. Jeffrey Moreira beherrscht die ganze Bandbreite; er klagt, singt, schreit und brüllt wie am Spiess. Gitarrist Ryan Primack steht ihm in nichts nach, schüttelt Riffs und Melodien gleichsam prägnant aus dem Ärmel, spielt gekonnt mit Effekten und noisig scherbelnden Parts. Auch das Drumming von Chris Hornbrook ist variantenreich, groovig und enorm druckvoll zugleich. Dank der glasklaren differenzierten Produktion von Pelle Henricsson und Eskil Lovstro kommt all das auch richtig zur Geltung.

Das in kühlen grünlich-blauen Farbtönen gehaltene Albumcover weckt passende Assoziationen: Kantige Eisbrocken, unruhige See, Schaumkronen – eine mit grobem Pinsel gemalte eisige Landschaft, ein harsches Klima mit einer eigenen faszinierenden Schönheit.

Die Tracklist von Versions ist clever gewählt, langsamere und schnellere Tracks, ungewohnte Klänge und für Poison The Well Typisches sind so gemischt, dass die 42 kurzweiligen Minuten im Nu vorbei sind. Einige herausstechende Songs seien an dieser Stelle noch speziell erwähnt:
Das schleppende „Slow Good Morning“ (treffender Titel) mit seinen feinen Orgelklängen, der kaum verzerrten Gitarre in der Strophe und der fast wehmütige Gesang erzeugen eine Stimmung, die irgendwie schön und bedrückend zugleich ist. Entfernt erinnert mich der Track an die Stone Temple Pilots, was absolut nicht negativ gemeint ist.
„Riverside“ hat ein Western Feeling, was vor allem dem angezerrt scherbelnden, hallbeladenen Gitarrensound und dem treibenden, oder besser, trabenden Schlagzeugbeat zuzuschreiben ist. Die Bläserfanfaren gegen Ende sind hervorragend dosiert und könnten glatt einen heroischen Filmsoundtrack abgeben, glücklicherweise schaffen es Poison The Well, einfach eine Stimmung zu erzeugen ohne gleich schwülstiges Spektakel in Hollywood-Manier vom Zaun zu reissen. Beim ruhigen Ausklang reitet die Band wie Lucky Luke auf der letzten Seite zum nahtlos anschliessenden Schlusstrack „The First Day Of My Second Life“ wobei Im warmen Licht der untergehenden Sonne gleissend hell vier Sterne am Firmament strahlen.

Seit 2. April 2007 im Handel.

Bio:
Poison The Well aus Fort Lauderdale, Florida, entstanden aus der Band An Acre Lost. Einziges verbleibendes Mitglied aus diesen Tagen ist der Gitarrist Ryan Primack. 1998 veröffentlichte die Band „Distance Only Makes The Heart Grow Fonder“, was ihnen einen Deal beim renommierten Underground Label Trustkill einbrachte, das im Jahr darauf das vielbeachtete Album „The Opposite Of December“rausbrachte, das erste mit Sänger Jeffrey Moreira. Die beiden namentlich erwähnten bilden mit Schlagzeuger Chris Hornbrook bis heute den Kern der Band, deren Personenkarusell sich so munter dreht wie kaum ein zweites. 2001 erschien das dritte Album „Tear From The Red“, die Band drehte ein Video für den Song „Botchla“ und unterschrieb beim Majorlabel Atlantis, auf dem zwei Jahre später „You Come Before You“ erschien. Über die Jahre entwickelte sich die Band weg vom brachialen Hardcore hin zu mehr Melodie und machte, wohl nicht zuletzt aufgrund der vielen Touraktivitäten, auch eine grosse Entwicklung hinsichtlich Songwriting durch.
Am deutlichsten tritt dies zu Tage auf der im April 2007 veröffentlichten Platte „Versions“, die bezeichnenderweise nicht mehr auf dem Majorlabel erscheint. „Kreative Differenzen“ ist die offizielle Erklärung dafür, dass die Band kein weiteres Material, das sich besser für Singleauskopplungen eignet, schreiben wollte. Das neue Album erschien soeben zu aller Musikfreunde Glück auf Ferret Music.