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Pianos Become the Teeth – The Lack Long After
Pianos Become the Teeth – The Lack Long After

Pianos Become the Teeth – The Lack Long After

7.0

Genre: ,
Label: Topshelf Records

Erstellt am: 21.12.2011
Autor:
Erstellt am: 21.12.2011   Autor:

Rezensionen

Galle, aber nicht Gift

Am Ende des Jahres zieht man gerne Bilanz. 2011 war das Jahr, in dem Hardcore einen Schritt nach vorne gemacht hat. Nach vorne ins Bewusstsein.

Da sind in erster Linie die Texte. Touché Amoré, La Dispute und Pianos Become the Teeth liefern Lyrik, die unmissverständlich mit der Verzweiflung des Menschseins umgeht. Fucked Up haben ein übergrosses Konzeptalbum aufgenommen, eine Liebesgeschichte. Zweitens überschreitet Hardcore die sowieso nicht vorhandenen Grenzen, nähert sich anderen Genres wie Indie oder Postrock an und gewinnt damit an Spannung und hoffentlich auch an Hörern. Drittens ist es Zeit dafür. Und wir sprechen jetzt nicht von Krisenzeiten, davon handeln die Texte von Kyle Durfey nicht. Sie drehen sich um den Tod seines Vaters, der an Multipler Sklerose gelitten hat. Durfey kotzt sie aus, deutet manchmal Gesang an. Während die Medien von Banken und Währungen und politischen Machtspielchen nicht genug bekommen, brechen diese Bands der sogenannten Wave-Bewegung alles auf die existentiellen Themen herunter. Das wird manchen Menschen zu viel sein und deshalb gar nicht erst nahe gehen, weil sie es erst gar nicht an sich heranlassen.

Pianos Become the Teeth aus Baltimore heben sich einerseits durch die gewöhnungsbedürftige Stimme von Durfey ab, andererseits zerlegen sie auch musikalisch den Song mehr als ihre Artgenossen. „The Lack Long After“ streift mehr den Postrock, obwohl ein Laut-Leise-Schema selten auszumachen ist. Es gibt eigentlich fast nur die Flucht nach vorne. Eine einzige brennende Entzündung in nicht ganz vierzig Minuten. Das führt beim Hören schon einmal zu einer Art Grundverspannung. Um das Fazit wieder aufzunehmen, kann man viertens feststellen: Hardcore fordert 2011 alles ab, auf allen Ebenen. Nicht kompromisslos, weil die Annäherung heraus zu spüren ist, aber dennoch kommt das alles von ganz tief unten. Im Fall von Pianos Become the Teeth Galle – aber sicher kein Gift. Und schliesslich überschlägt sich Durfey ein letztes Mal in „I’ll Get By“. Ein absolut krisensicherer musikalischer Schlusspunkt des Musikjahres. Weil das auch noch zehn Jahre später brennt.

Seit 14. November 2011 im Handel.