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Pianos Become the Teeth – Keep You
Pianos Become the Teeth – Keep You

Pianos Become the Teeth – Keep You

8.0

Genre: ,
Label: Epitaph

Erstellt am: 09.12.2014
Autor:
Erstellt am: 09.12.2014   Autor:

Rezensionen

Metamorphose

Die Verzweiflung hängt seit einer Weile über dem Übungskeller und entpuppt sich plötzlich als wunderschöner Schmetterling. Den Schöngeist hatten Pianos Become the Teeth schon immer in sich. Aber jetzt haben sie den Hardcore endgültig abgelegt.

Der Tod des Vaters von Sänger Kyle Durfey bleibt thematischer Überbau des Nachfolgers von „The Lack Long After“. Der Trauerprozess hat jedoch die nächste und womöglich letzte Phase erreicht. Die Wandlung ist nicht subtil spür- oder lesbar. Wenn wir hier von einem Sänger sprechen, haben wir uns nicht unvorsichtig in der Bezeichnung geirrt: Durfey schreit nicht mehr, er singt durchgehend. Die Band aus Baltimore emanzipiert sich von ihrer Verwandtschaft, die auch gleich von sich selber Abstand nimmt, wie die bekannt gewordene Wave-Band La Dispute dieses Jahr ebenfalls bewiesen hat. Pianos Become the Teeth nähern sich damit vielmehr Bands wie Dredg an. Fans von Sometree und The National werden wohl mittlerweile auch eher zu „Keep You“ greifen und weniger zu „The Lack Long After“. Schaut man sich aber das musikalische Selbstverständnis von Gitarrist Mike York an, der kaum etwas auf Genregrenzen gibt, dann ist das fragwürdig. Haben doch die Wave-Bands wie unter anderem auch Touché Amoré ebendiese Grenzen eingerissen. Engstirnigkeit hat keinen Platz, nicht in dieser Band.

Auch wenn es ein derb abgekauter Beschrieb sein mag: „Keep You“ ist ein Grower – und wenn das auf dieses Album nicht zutrifft, dann nie mehr auf ein anderes. Die Verwandlung beschränkt sich nicht lediglich auf die Veränderung, wie die Texte stimmlich interpretiert werden. Die Musik macht diesen Schritt mit bzw. beides muss sich miteinander ergeben haben. Das kann man nicht nur hören. Man erlebt die Verwandlung sozusagen über die Zeit, man wächst mit dem Album – und das Album wächst in den Hörer hinein. Nicht über Ohrwürmer, sondern über ein Gesamtgefühl. Eine Metamorphose. „Keep You“ verbindet die musikalische Vergangenheit mit einer Indie-Gegenwart. Das macht es nicht nur so speziell, das macht es herausragend.

Ab 24.10.2014 im Handel erhältlich.