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Orenda Fink – Invisible Ones (2005) (Saddle Creek/RecRec)

Orenda Fink – Invisible Ones (2005) (Saddle Creek/RecRec)

Erstellt am: 25.08.2005
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Erstellt am: 25.08.2005   Autor:

Neuerscheinungen

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Mrs. Fink lässt Miss Taylor auf halber Strecke zurück

Phase 2 von Azure Rays Soloprojekten: Das bereits gespannt erwartete Solodebüt von Orenda Fink überzeugt mit Abwechslungsreichtum und eigenwilliger Kreativität.  

Nun wird also auch geheiratet innerhalb der Saddle Creek-Familie. Nicht genug, dass bereits reger musikalischer Inzest betrieben wird,  nein, unlängst haben sich Azure Ray Engelsstimme Orenda Fink und The Faint Vordenker Todd Fink („formerly Baechle“ steht im Booklet – für alle, die’s noch nicht wussten) das Jawort gegeben. Damit ist sie ihrer Bandkollegin Maria Taylor für einmal einen Schritt voraus. Diese schneidet zwar im Boyfriend-Vergleich besser ab (Conor Oberst ist sicher berühmter, wahrscheinlich besser aussehend und eventuell abgedrehter als Todd Fink. Obwohl…) und hat ihr Solodebüt schon drei Monate früher veröffentlicht, aber – und damit kommen wir zum Kern der Sache – Orenda Fink beweist mit ihrem ersten Album im Alleingang unverkennbar mehr Mut als ihre Freundin. Nicht nur hat sie auf Alleskönner und Omahas allgegenwärtigen Freund und Retter Mike Mogis als Produzenten verzichtet (diesen Part übernahm sie zusammen mit Now It’s Overhead’s Andy LeMaster selber), sie getraut sich auch aus dem von Azure Ray geworfenen, säuselnden Folk-Pop-Schatten herauszutreten und ihrem Album „Invisible Ones“ ihren ureigenen Stempel aufzudrücken. So liess sie die zahlreichen Eindrücke, die sie auf ihren ausgedehnten Reisen nach Indien, Kambodscha und vor allem Haiti gesammelt hatte, in Form von Haitischen Chören („Les Invisibles“) oder Tribal Drums („No Evolution“) in ihre Stücke einfliessen. Auch ihr Songwriting hat sich verändert. War der Fokus bei Azure Ray einwärts auf ihre persönlichen Ängste und Nöte gerichtet, so liegt er bei „Invisible Ones“ auf der äusseren Welt: „I began to focus more on the external world instead of the internal. I was drawn to issues like spirituality, oppression, and the mystical and interminable spirit that underlies the human condition.”
Nun gut. Was die musikalische Umsetzung dieser Themen anbelangt, zeigt sich Orenda Fink gewohnt sphärisch und irgendwie nicht von dieser Welt. Folkloreelemente zieren die aufwändigen Arrangements, unglaublich schöne Streicher verursachen Gänsehaut. Die Songs sind aussergewöhnlich abwechslungsreich, ab und an lässt es Mrs.Fink auch hübsch rocken („Bloodline“, im gefälligen „Dirty South“), oder erzeugt mit dem Einsatz von Voodoo-Chören gespenstische Stimmung („Les Invisibles“).
Dass mit „Miracle Worker“ der einzige, im herkömmlichen und eingängigen Sinne schöne Song (der ironischerweise an „11:11“ erinnert) auf „Invisible Ones“ zu finden ist, ist ein sprechendes Zeichen für Orenda Finks Wille zur künstlerischen Entfaltung und Unwille zum simplen Gefallen.

Seit 22. August 2005 im Handel.

Anspieltipps: Les Invisibles, Dirty South, Animal
similar artists: Cat Power, Maria Taylor

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Nach Maria Taylor veröffentlicht nun auch die andere Hälfte des Duos Azure Ray ihr erstes Soloalbum: Orenda Finks Werk trägt den Namen „Invisible Ones“. Sie wird unterstützt von illusteren Saddle Creek-Namen, unter anderem von Now It’s Overhead-Bandkollegen Andy LeMaster, The Faint’s Todd Fink (ehemals Baechle, jetzt Ehemann von Mrs.Fink) und Nate Walcott (Bright Eyes, The Faint, Rilo Kiley).


Diskographie:
> Invisible Ones (2005)

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