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Ojos De Brujo – Techarí (2006)
Ojos De Brujo – Techarí (2006)

Ojos De Brujo – Techarí (2006)

9.0

Genre: , , ,
Label: Pias

Erstellt am: 05.04.2006
Autor:
Erstellt am: 05.04.2006   Autor:

Neuerscheinungen

Olé!!

Eine gelungene Verbindung von traditioneller mit moderner
Musik ist stets ein besonderer Genuss. Allerdings muss der
traditionelle Teil den Musikern wirklich im Blut liegen. Die
heissblütigen Ojos De Brujo aus Barcelona sind in dieser Hinsicht
über jeden Zweifel erhaben.

 

Kein Latin-Pop, kein Spanglish. Glücklicherweise.
Ojos De Brujo reiten auf keiner Welle mit, sie sind die bebende Erde
unter den Schuhen der Flamencotänzern. Die „beste Worldmusic-Band
Europas“ (BBC Radio), die sich selbst nicht als Worldmusic-Band
versteht, verbindet auf „Techarí“ viel Funk, Ska und eine Prise Hip Hop
mit temperamentvoller música española. Und von vornherein ist klar,
dass die Künstler, die hier performen stark von der traditionellen
Musik ihres Heimatlandes geprägt sind. Denn eine solche Intensität und
vor allem Authentizität kann nur erzeugen, wer die eigenen
musikalischen Wurzeln wirklich er- und gelebt hat. Flamenco und Rumba
heizen gewaltig ein, die typische Gitan-Gitarre, eine
Wahnsinns-Perkussion und natürlich Marina „La Canillas“ Amads
leidenschaftliche dunkle Stimme erzeugen eine unglaubliche Stimmung.
Eine geheimnisvolle Anziehungskraft, melancholisch, druckvoll und
undurchschaubar. Dazu kommt der Einsatz zahlloser Instrumente, die den
magischen Wirbel massiv verdichten.
Zugegeben: „Techarí“ hat mich nicht gleich von Beginn weg vom Hocker
gehauen. Beim ersten Teil der Scheibe habe ich nur halb hingehört und
war nicht richtig beeindruckt. Das änderte sich allerdings mit dem
7.ten Track „Silencio“. Putain..!!! Jetzt dreht mal bitte die Boxen auf
und sagt mir, dass das nicht der Hammer ist. Da ist mir doch gleich die
Señorita vom Cover in die Bude gestürmt, liess das schwarze Kleid mit
den roten Punkten fliegen und tanzte bis es qualmte. Und wer`s dann
noch nicht weiss, dem wird das folgende „No Somos Máquinas“ die letzten
Zweifel aus den Gedanken blasen. Und die Gedanken gleich mit..! Von
diesen beiden Mindblowern auf die Qualitäten der Scheibe aufmerksam
gemacht, entschied ich mich, das Ganze noch mal von vorne zu hören und
stellte fest, dass bereits „Runalí“ denselben Effekt hätte auslösen
können und das Album überhaupt meine ganze Aufmerksamkeit verdient.
Zwar gibt es auch Kleinigkeiten, die nicht unbedingt störend, wohl aber
überflüssig scheinen, wie ein paar elektronische Verzerrungen. Das
ändert aber auch nichts mehr daran, dass diese unzähmbar gewaltige
Musik den Hörer einfängt und nicht mehr loslässt. Ojos De Brujo – Die
Augen des Hexers – halten dich in ihrem Bann. Und dir gefällt es.
Seit 20. März 2006 im Handel.

Anspieltipps: Silencio; No Somos Máquinas; Corre Lola Corre; Runali
Trackliste: 1) Color; 2) Sultanas De Merkaillo; 3) Todo Tiende;
4) Runalí; 5) El Confort No Reconforta; 6) Tanguillos Marineros; 7)
Silencio; 8) No Somos Máquinas; 9) Bailaores; 10) Corre Lola Corre; 11)
Feedback; 12) Piedras Vs. Tanques; 13) Respira; 14) Nana
similar artists: Rosario, Macaco, Salome de Bahia

Bio:
Wie bei den meisten Bands, die einen ausgeprägten Stilmix spielen,
rührt die musikalische Vielfältigkeit von den unterschiedlichen
Lebenswegen und Eigenschaften der einzelnen Bandbmember her. Ojos De
Brujo sind eine sich ständig verändernde Formation, der bisweilen 9
verschiedene Leute angehör(t)en, die aus den verschiedensten Ländern,
Kulturen und Stilrichtungen zusammenkamen. Der absolute Kern besteht
sicherlich aus den beiden Gründern, dem Bassisten Juanlú und dem
Gitano(-gitarristen) Ramón Giménez. Beide stammen aus Barcelona und
sind mit Flamenco und Rumba aufgewachsen, hatten aber zwischenzeitlich
Projekte am Laufen, die von Jazz bis hin zu Rock und Metall reichten.
Ebenfalls zum Kern der Truppe gehört Sängerin Marina Amad aus Valencia
und der Produzent und Kopf von „Macaco“ Dani El Mono Loco. Ojos De
Brujo sehen Flamenco als eine sich ständig entwickelnde Kunstform, die
offen für jegliche Einflüsse ist. So kombinieren sie Flamenco, Rumba,
Tango, Salsa, Són, Buleria, Soleá, aber auch Funk, Hip Hop,
Electronica, Techno und Ragge/Reggae. Kritikern und „Flamenco-Puristen“
halten sie entgegen, dass der Flamenco schon immer ein Gemisch war und
seine Wurzeln wohl in Andalusien, aber auch in der jüdischen und der
arabischen Kultur hat.

Diskographie:
> Vengue (2004)
> Bari (2004)
> Techari (2006)