Exit Music
Oceansize – Self Preserved While the Bodies Float Up
Oceansize – Self Preserved While the Bodies Float Up

Oceansize – Self Preserved While the Bodies Float Up

8.0

Genre: ,
Label: Superball

Erstellt am: 08.09.2010
Autor:
Erstellt am: 08.09.2010   Autor:

Neuerscheinungen

And the Oscar goes to…

Oceansize sind nicht die erste Band, welche ihre Ausuferungen in knackige Formate packt. Dieser Rahmen passt aber nicht nur viel besser als der von „Frames“, er lässt auch wieder die ganz grossen Gefühle zu.

Seit „Effloresce“, diesem sträflich ignorierten Prog-Wunderwerk, das Oceansize Vergleiche mit Tool bescherten, war der Weg für die Band aus Manchester ein steiniger. Sie machte es sich selbst und dem Hörer nicht einfach. Selbsterhaltung ist nun das Motto, während die anderen tot an der Oberfläche treiben. Anstatt aufzugeben, ändern Oceansize ein wenig die Konzeption: Acht kürzere Stücke, welche schneller auf den Punkt kommen, wechseln sich mit zwei längeren ab, die zum grossen Wurf ausholen. Eine gewisse Erleichterung darüber kann man sich kaum verkneifen, weil „Self Preserved…“ in diesem Sinne perfekt funktioniert. Es bietet Abwechslung, grosse Melodien und stellenweise wird Prog auch mal zu Metal. Kurz: Man kann sich neu in diese Musik verlieben. Bevor aber etwa Schmetterlinge auftauchen, prügeln Oceansize erst einmal auf sie ein. „Part Cardiac“ lässt zu Beginn keine Zweifel darüber aufkommen, dass die „Home & Minor“ EP nur ein Kurztripp war. Was auch auffällt: Die Songs haben eine klarere Linie, ohne dabei gleich in die konventionelle Ecke gestellt werden zu können. „Superimposer“ überzeugt so mit den typisch queren Melodien und einer gesunden Härte. Diese nimmt „Build Us a Rocket Then…“ fliegend auf und jagt sie in vier Minuten durch alle der Band eigenen Fegefeuer. Früher klang das hin und wieder nach einer Aneinanderreihung von Entwürfen. Diesmal tut es das nicht.

Die erste Insel folgt mit „Oscar Acceptance Speech“, einer von zwei Songs über acht Minuten, der sich die nötige Zeit nimmt und den Pop etwas walten lässt, um mit Hollywood-Streicheroutro seine Grösse zu untermalen. Ein Kandidat für die Bestenliste am Ende des Jahres. Und keiner fürs Radio. Oceansize werden es nicht machen wie Biffy Clyro und es kann manchmal auch gut sein, nicht als die nächsten Retter des Prog verschrien zu werden. Auch wenn am Ball bleiben deutlich strenger ist, als den Ball zugespielt zu bekommen. Es treibt einen zu Songs wie „Ransoms“ oder „A Penny’s Weight“, die als Intro, Zwischenstück oder was auch immer klar Schiff machen, um dem zweiten Achtminüter „Silent / Transparent“ weisse Wände zu hinterlassen. Plötzlich sind die lauten Gitarren verschwunden und alles verdichtet sich in den leisen Tönen. Mike Vennart verlangt hier so einnehmend nach Verständnis, dass einem das Herz aufgeht. Oceansize jagen endlich nur noch selten und dann bewusst dem eigenen Schwanz nach. Und wer bei Abschlusssongs wie „Pine“ oder „Superimposter“ nicht schwach wird, der muss schon ziemlich deutlich erklären, wieso zum Teufel eigentlich nicht.

Seit 3. September 2010 im Handel.