Exit Music
Navel – Neo Noir
Navel – Neo Noir

Navel – Neo Noir

8.0

Genre:
Label: Nois-o-lution

Erstellt am: 08.02.2011
Autor:
Erstellt am: 08.02.2011   Autor:

Neuerscheinungen

Angenehme Dunkelheit

Was verspricht das zweite Album von Navel?  – Zwei unserer Autoren haben „Neo Noir“ unter die Lupe genommen.
Rezension von Philipp Gautschi
Rezension von Daniel Gilic


Beim Namen Navel muss eigentlich jedem, der in der Schweiz schon mal Alternativerock gehört hat, ein Lichtlein aufgehen oder zumindest ein scheuer Gedanke aufblitzen im Sinne von: ‚Die hab ich doch irgendwann irgendwo schon gehört‘. Mit „Neo Noir“ erscheint nach drei Jahren das zweite Album der Basler beim Berliner Label Nois-o-lution.

Und die Wartezeit hat sich gelohnt. NeoNoir macht einerseits mit dem Titel, andererseits auch mit dem düsteren Coverartwork klar, dass hier keine Musik für Blumenkinder gespielt wird. Hört man sich das Werk dann an, fühlt man sich auf wohlige Art und Weise in die 90er Jahre versetzt. Und diese waren rein Musikhistorisch betrachtet, zappenduster. Das grosse (und einzig vernünftige) Ding hiess damals Grunge (Der Punk wurde bekanntlich von Green Day, Offspring oder Blink 182 kastriert). Zu Beginn der 90er waren Nirvana in aller Ohren und dem Ende bereits relativ nahe, Soundgarden waren mit „Black Hole Sun“ in Dauerrotation, Silverchair, Pearl Jam und Mudhoney galten als Referenzen. Da HipHop anno 1990 hierzulande erst damit beschäftigt war, den Schnuller abzulegen, lieferte der Grunge damals die einzig hörbare Alternative zum die Hitparaden dominierenden Eurodance für aufmüpfige, präpubertäre Schnösel wie wir Kinder der 80er damals waren.Nun, Grunge erlebt aktuell so etwas wie eine Wiederauferstehung – man denke an vom Grunge beeinflusste Dinger wie Wavves oder die Picturebooks. Die Platte „Neo Noir“ von Navel verbreitet auf herrlich unkomplizierte Weise die damalige “Scheiss-drauf-Mentalität“. Direkte, oft angenehm harte, jedoch auch flüssig-melodiöse Rocksongs. Zu Beginn des Albums ziemlich heftig, im Verlauf zunehmend reduziert, eigenwillig und packend. Und immer wieder tauchen wunderbar bluesige Passagen auf. Natürlich dominieren harte Riffs und aggressiv-pushender Gesang, die langsame, oft basslastige, beinahe morbide Spielweise schiebt die Songs jedoch deutlich in eine relativ bluesige Stonerrock-Ecke. Die 14 Songs kommen ohne Geschnörkel (natürlich werden die Gitarren aufs heftigste verzerrt und auch der Gesang wurde durch irgend ’ne Kiste gejagt), ohne Kitsch, düster bis tiefschwarz, direkt und gut daher. Eine Mundharmonika sorgt in entscheidenden Momenten für Stimmung. Das dominierende Riff in “Acid Queen“ haut gehörig von Hocker, “Kobra the Killer“ erinnert an die chaotischen Momente auf “In Utero“. “Hunger Child Blues“, “Invisible“ und “Come to My Mind“ sind eher träge, bluesig, reduziert. Sehr gute Schweizer Gitarrenmusik für Grunge-Nostalgiker oder die neue “No-Future“ Generation.

Anspieltipps:

> Acid Queen
> Blues on My Side
> Rule To Follow

Philipp Gautschi gibt 8.0 von 10 Punkten


Ist das noch Post-Grunge, Blues oder Heavy Rock? Ganz egal, denn Navel drücken einen förmlich gegen die Wand. Auch mit ihrer zweiten Platten „Neo Noir“ beweisen sie ein gutes Händchen für stimmungsvolle, dunkel schimmernde Songs.

Wenn eine Platte mit solch starken Songs wie „Can’t Feel a Thing“ und „Speedbox“ anfängt, dann darf sie danach im Grunde alles machen was sie will. Und sie tut es auch. „Neo Noir“ lebt von einer kultivierten, dunklen Schönheit, die brüchig ist, aber ungemein anziehend wirkt. Satte Basslinien treffen auf atmosphärische Gitarren, die gerne auch mal austeilen. Das filigrane, stampfende Schlagzeugspiel darf auch nicht ausser Acht gelassen werden. Vielleicht liegt die eigentliche Faszination dieser Platte beim Bass, der rumpelt, poltert und dröhnt, damit fast jeden Song durchzieht und an die Leine nimmt.Zwischen spröde und klar, hitzig und nachdenklich gibt es die ganze Palette zu goutieren. Der warme Vintage-Sound lässt einen an The Jesus and Mary Chain denken. Überhaupt müssen sich Navel nicht hinter grossen Vorbildern verstecken, ganz im Gegenteil. Arctic Monkeys dürften bei Songs wie „Free Land“ oder „Invisible“ vor Neid platzen, das grandiose „Speedbox“ und das in Nichts nachstehende „Acid Queen“ verdonnert den Black Rebel Motorcycle Club zu Statisten in ihrem eigenen Genre. In „Kobra the Killer“ tauchen gleich Nirvana und der gesamte Brit-Pop in nur einem Song auf.Dräuend, sich vor Verzweiflung aufschwingend, ist das Cover „Rockin‘ in the Free World“ geraten. Ungemein erfrischend, wie puristisch Navel diesen Song interpretieren. Nur an Mariachi-Klängen wie in „It’s the Road That Makes The Song“ oder zaghaften Stücken wie „Hunger Child Blues“ muss das Trio noch ein wenig feilen und nachjustieren.Das Bild ist immer stimmig, wirkt nie abgestanden.Der Sound atmet hörbar, knistert angenehm. Er groovt gut geölt, appelliert an die Instinkte. Jari Antti (git, voc, harp), Steve Valentin (dr) & Michael Christ (bs) besitzen ein gut durchdachtes Gespür für in Blues getränkte, dreckige Rocksongs (siehe „Rule to Follow“).Nichts ist hier neu oder wegweisend, dafür sind die Zutaten perfekt abgestimmt. „Neo Noir“ lebt von diesem Einklang, obwohl die Platte alles andere als leicht zu greifen ist. Aber sie macht Spass. Grossen Spass. Navel können es sich in Zukunft noch einmal erlauben, den Support für die Smashing Pumpkins auszuschlagen.Anspieltipps:
> Can’t Feel a Thing
> Speedbox
> Acid Queen

Daniel Gilic gibt 7.5 von 10 Punkten


Seit 4. Februar 2011 im Handel.

> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Diskographie:
> Frozen Souls (2008)
> Neo Noir (2011)

ähnliche Künstler:

> Nirvana
> Black Rebel Motorcycle Club
> The Picturebooks
> Jesus and Mary Chain