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Mutiny on the Bounty – Digital Tropics
Mutiny on the Bounty – Digital Tropics

Mutiny on the Bounty – Digital Tropics

7.0

Genre: ,
Label: Redfield Records

Erstellt am: 08.06.2015
Autor:
Erstellt am: 08.06.2015   Autor:

Rezensionen

Folgen und Reihen

Auf „Digital Tropics“ findet man die Analysis der Musik – und eine neue Referenz für Mathrock.

„Digital Tropics“ ist Mathrock. Wenn es für dieses Genre ein weiteres Referenzalbum bräuchte, es wäre dieses hier. Zum ersten Mal verzichten Mutiny on the Bounty auf Gesang. Kommen dafür aber mit einer ordentlichen Portion Groove daher und arbeiten sich an allem ab, was das Genre hergibt. Wer Minus The Bear oder Mutemath mag, wird sich auf diesem Album schnell zurechtfinden. Ein Titel wie „Ballet Mécanique“ passt perfekt zum dazugehörigen Song, der jeden sitzenden Hörer in Bewegung bringt. Ist das etwa Funk? Die Luxemburger haben diverse Inspirationsquellen, das hört man. Da schwingt Postrock mit, aber die Tanzbarkeit entlehnen sie anderen, im Rock weniger häufig verwendeten Genres. Die sich zuverlässig wiederholenden Elemente oszillieren stetig. Folgen und Reihen, aber kein Malen nach Zahlen. Deshalb passt auch das Cover so schön, das naturwissenschaftliche Kreativität ausstrahlt.

Die Band aus Esch/Alzette fällt gleich mit „Telekinesis“ ins Haus und wer dort bereits „Trials“ im Regal stehen hat, dessen Türe war eh schon offen. Doch der Opener, der die Marschrichtung vorgibt, ist ein anderer Gast als es der Vorgänger war. Es ist zwar die gleiche Band, aber drei Jahre älter. Wohl auch deswegen ist „Digital Tropics“ nun nochmals spannender, weil es um Facetten reicher ist und uns etwas Neues zu erzählen hat. „Mkl Jksn“ zeigt beispielhaft, wer eine dieser eher aussergewöhnlichen Inspirationsquellen für eine Band ist, die bisher dem Posthardcore näher stand: Michael Jackson. Wenn dann in „Ice Ice Iceland“ die Elektronik vom mächtigen Gletscher tropft und sich das Ganze bedrohlich zu bewegen beginnt, könnte man sich daneben auch einen Trentemøller-Song oder Mogwais „Rave Tapes“ vorstellen. Bevor mit „Strobocop“ aber endgültig die Reizüberflutung einsetzt, mit Tempo, Melodien, Groove und auf den Punkt geschalteten Haken, sollte man sich schon bewusst sein: Hier geht es besonders um Bewegung. Die ganz grossen Postrock-Emotionen haben andere.

Ab 22.05.2015 im Handel erhältlich.