Exit Music
Monsters Of Folk – Monsters Of Folk
Monsters Of Folk – Monsters Of Folk

Monsters Of Folk – Monsters Of Folk

8.0

Genre: ,
Label: Rough Trade

Erstellt am: 25.09.2009
Autor:
Erstellt am: 25.09.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Zauberformel

Wir gehen heute der Frage nach, ob die Bezeichnung „Monsters Of Folk“ der Supergroup um die Künstler Conor Oberst, Mike Mogis, Jim James von My Morning Jacket und M. Ward dem Gebotenen auf ihrer selbstbenannten Debut-CD gerecht wird.

Als erstes die Auf -und Abklärung: Vier der erfolgreichsten und vielseitigsten amerikanischen Tüftler im Folk/Rock-Bereich der letzten Jahre kommen zusammen, um gemeinsam eine LP aufzunehmen. Das ist grundsätzlich und bekanntermassen ein zum Scheitern verurteiltes Unternehmen und hört sich nach aufgesetzten Soli und abgedroschenen Chören an. Dazu kommt, dass dieses Projekt erst noch unter einem Namen läuft, der – wenn man die Künstler nicht kennt – genau diesem Vorurteil gerecht wird.

Was man als grosses Aber beachten muss: Die vier Herren sind erstens schon seit Jahren gute Freunde, die sich auf ihren letzten Alben klammheimlich jeweils begleitet haben, wenn und wo Not am Mann war. Zweitens ist der Unterschied der hellen sanft-schweren Stimmlage von Jim James, dem tief-nostalgischen Bass von M. Ward und dem näselnd-pathetischen Gesang von Oberst so gross und ergänzt ideal.  Drittens bewiesen die umtriebigen Musiker schon vor diesem Monsterwerk Mut zu Veränderung: So spielt neuerdings Conor Oberst unter seinem Namen und gehisster Friedensflagge Countrypop, Jim James springt mit My Morning Jacket ungefragt von U2 zu Prince über und covert solo Harrison (sehr empfehlenswert!). Selbst M. Ward hat nach vier tief gehenden Indieromanen mit Actrice Zooey Deschanel im erfrischenden Popduo She & Him die Zukunft entdeckt. Und der vierte im Bund, der Multiinstrumentalist Mike Mogis, spielt zumindest bei jeder Saddle Creek Band (und tausend anderen) eine wichtige Rolle.

Zu den Songs: Der melancholisch humorvolle Auftakt „Dear God…“ ist spätestens nach dem zweiten Durchgang extrem gelungen. Zwar entspricht dieser Song genau der Befürchtung, dass alle Künstler eine Strophe singen, um sich dann im Refrain zu treffen. Aber das ist derart schön gemacht, dass die philosophischen Fragen im Raum schweben und trotzdem an einem Beichtstuhl festgemacht werden. Es zeigt sich, dass Mike Mogis die Rolle des Leadgitarristen übernimmt– obwohl alle vier auf ihre Art ziemlich beeindruckend in dieser Kunst sind. Mike Mogis ist es, der für Ausgeglichenheit und selbst dann und wann mal mit einem Solo für Furore sorgt („Say Please“). Im darauf folgenden dritten Song „Whole Losin’“ ziehen uns die vier derart dynamisch vorwärts, dass es eine Freude ist.

Erst ab dem Oberst-Liedchen „Tamazcal“ übernehmen die Künstler die Leitung der einzelnen Songs zum Teil eigenhändig. Das gelingt meistens sehr gut – wie bei „Right Place“ von James – als sein Countrystück plötzlich von unzähligen ineinander verschachtelten Instrumenten begleitet wird und als Paradebeispiel für das Erkennen von Instrumenten mit Schulklassen eingesetzt werden soll. Es kann aber auch kräftig daneben gehen, wie es „Man Named Truth“ von Oberst beweist und derart schulmässig den ganzen Schwung von vorhin zerstört. Auch M. Wards Briefauszug „Goodway“ hätte man lieber leicht reduziert auf seiner eigenen CD gewünscht. Das eigenartige „Baby Boomer“ verleidet dagegen im Zusammenspiel erstaunlicherweise wieder überhaupt nicht.

Eine Erwähnung sollte auch der rückwärtsgewandte Rocksong „Losin to Head“ oder die feinfühlige Ballade „Magic Marker“ über die Normalität finden. Was aber am Schluss mit dem Gutenachtlied „The Sandman, the Brakeman and Me“ und dem einfühlenden Epos „His Master’s Voice“ noch folgen sollte, haben wir nicht mal in unseren Albträumen ausgedacht. Das ist verdammt nochmal die Bestätigung auf die wir im Verlauf des Album ehrlich gesagt doch ein wenig gewartet haben. Ungeheuerlich! Gut!

Seit 18. September 2009 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Dear God (sincerely M.O.F)
> The Right Place
> Magic Master
> The Sandman, the Brakeman and Me
> His Master’s Voice

Diskographie:
> Monsters Of Folk (2009)

Ähnliche Künstler:
> My Morning Jacket
> Bright Eyes
> M. Ward
> Conor Oberst & the Mystic Valley Band
> Bowerbirds
> Wilco
> The Low Anthem
> Neil Young
> Fleet Foxes