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Mono – Hymn To The Immortal Wind
Mono – Hymn To The Immortal Wind

Mono – Hymn To The Immortal Wind

9.5

Genre:
Label: Conspiracy Records

Erstellt am: 27.03.2009
Autor:
Erstellt am: 27.03.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Noch Fragen?

Achtung, hier wird eine subjektive Meinung kundgetan; Andere Meinungen werden akzeptiert und geschätzt. Mono beweisen mit ’Hymn To The Immortal Wind’ eindrücklich, wie perfekte Musik klingen muss.

Seit nunmehr zehn Jahren spielen Mono instrumentelle Rockmusik ohne je ein Wort verloren zu haben, trotzdem kenne ich kaum Künstler, die mehr Leidenschaft, Emotion und Tiefgründigkeit zu vermitteln vermögen als dies die Japaner tun.
Mit ’One Step More And You Die’ (2002) lernte ich Mono kennen, mit ’Walking Cloud And Deep Red Sky, Flag Fluttered And The Sun Shined’ (2004) erkannte ich ihre Grösse, mit ’Are You There?’ lernte ich sie lieben und mit ’Hymn To The Immortal Wind’ machten sie sich (für mich persönlich) endgültig zu so was wie Musikgöttern.

Grundsätzlich darf man behaupten, dass Mono ihrem Stil treu geblieben sind. Man hört noch immer hoch emotionalen Postrock, welcher mit dem Feingefühl eines Uhrmachers konstruiert und vorgetragen wird. Trotzdem hebt sich ’Hymn To The Immortal Wind’ von den Vorgängeralben ab. Dies ist einerseits dem grossen Orchester (32 Musiker mit Celli, Violas, Violinen, Flöten, Kontrabass, Piano, Glockenspiel und natürlich Gitarre, Bass und Schlagzeug) zu verdanken, andererseits stelle ich einen kleinen, aber entscheidenden strategischen Wechsel in Monos Spiel fest. Statt auf heftige Laut / Leise –Kontraste zu setzen, wie dies vor allem in frühen Zeiten der Fall war, erscheinen die üblichen Intensitätswechsel nun wie ein Spiel mit Licht und Schatten. Statt Licht und Schatten könnte man in Bezug auf Mono auch Hoffnung und Verzweiflung als einander gegenüberstehende Pole betrachten. Natürlich herrscht kein Gleichgewicht zwischen diesen Polen, die düstere, depressive, verzweifelte Seite dominiert zum Glück deutlich, Mono sollen und wollen keinen Spass machen. Die musikalischen oder emotionalen Grenzen fliessen unerkannt ineinander über, Schattierungen oder Stimmungen werden vereinzelt nur angetönt und dann wieder wuchtig betont.

Was ich dem Genre Postrock als Ganzes ankreide, ist die vereinzelt anzutreffende Brechstangen-Mentalität, d.h. es wird mit Gewalt ein Riff zu Tode gespielt, bis sich auch der hinterletzte Genreliebhaber zu langweilen beginnt. Mono tappen auf ’Hymn To The Immortal Wind’ nie in diese Falle (ausser vielleicht im Opener ’Ashes In The Snow’ während den letzten beiden Minuten). Zwar herrschen wie immer dominante Themen vor, welche dann in relativ wenigen Tonlagen und allen Klangdichten anständig zertrampelt und durchgekaut werden, dank der orchestralen Unterstützung und dem unwahrscheinlichen Feingefühl für Dramatik und Spannung wird die Platte jedoch in keinem Moment langweilig. Der Aufbau der einzelnen Stücke ähnelt sich jeweils: feine Kammerorchesterklänge prallen vorerst auf sanfte Gitarren,  dann wird in kleinen Schritten an der Intensität geschraubt. Die Möglichkeiten, welche ein derart grosses Kammerorchester in Kombination mit der einmalig sanften Gitarrenartistik Takaakira ’Taka’ Gotos hierzu bietet, sollten jedem, der schon irgendwo mal so etwas wie klassische Musik konsumiert hat, einleuchten. Schlussendlich löst sich die Spannung in einem Feuerwerk aus wuchtigen Streichern und noch wuchtigeren Gitarren auf. Das Ganze klingt durchs Band majestätisch, episch, pompös und gewaltig. Meine Wenigkeit hat es bisher kaum fertig gebracht, die Platte trockenen Auges durchzuhören, die musikalische Dichte und die ungeheuerliche Emotionalität sowie die tieftraurigen und gleichzeitig hoffnungsvollen Wohlklänge Mono’s sind unvergleichlich. Nebenbei kann ich hier ja noch erwähnen, dass kein geringerer als Steve Albini (Bush, Godspeed! You Black Emperor, Neurosis, Honey For Petzi) die Produktion übernommen hat.
Die Platte hat im Vergleich zu den Vorgängern einen grossen Schritt in Richtung moderner klassischer Musik gemacht, jedenfalls wäre ein Konzert von Mono mit einem grossen Orchester im KKL so was wie ein persönlicher Lebenstraum.

Fazit: Gewaltigstes, brillantestes, emotionalstes, sanftestes und gleichzeitig komplexestes Mono Album ever!

Seit  24. März 2009 im Handel.

Anspieltipps:
> Ashes In The Snow
> Burial At Sea
> The Battle To Heaven

Diskographie:
> Hey, You (EP 2000)
> Under The Pipal Tree (2001)
> One Step More And You Die (2002)
> Walking Cloud And Deep Red Sky, Flag Fluttered And The Sun Shined (2004)
> You Are There (2006)
> The Phoenix Tree (EP 2007)
> Gone – A Collection Of EP’s (2007)
> Hymn To The Immortal Wind (2009)

Ähnliche Künstler:
> Johann Johannsson
> Explosions In The Sky
> Long Distance Calling
> Mogwai