Exit Music
Mogwai – Rave Tapes
Mogwai – Rave Tapes

Mogwai – Rave Tapes

8.0

Genre:
Label: Rock Action

Erstellt am: 12.02.2014
Autor:
Erstellt am: 12.02.2014   Autor:

Rezensionen

Scotland’s Fame

Wer sich mit seiner schönen Landschaft brüstet, hat noch nichts geleistet. Es war alles schon da. Mogwai laden uns zum Auswandern ein.

Wenn eine Tourismusdestination Marketing betreibt, greift sie gerne auf Klischees und altbekannte Stärken zurück. Die Leute sollen kriegen, was sie erwarten und dies wird auch so vermittelt. Tradition und Ursprünglichkeit. Mogwai sind keine Tourismusdestination und betreiben auch kein Marketing. Aber sie bewegen sich seit 20 Jahren in einem Genre, das sie selber entscheidend mitgeprägt haben. Eines, das Klischees und Erwartungen gleichermassen kennt wie ein Ort, an den man hinreisen möchte, um seine Ferien zu verbringen. Um ehrlich zu sein, haben sich Mogwai selten getraut, mit diesen zu brechen. Warum sind dann „Rave Tapes“ und dessen Vorgänger „Hardcore Will Never Die, But You Will“ dennoch so tolle Alben geworden? Warum nur werden Mogwai nie langweilig? Sicher, man hatte es ihnen bereits mehrfach vorgeworfen. Während andere Bands sich gezwungen sehen, ihren Sound umzukrempeln, geht damit oft auch eine Menge Qualität flöten. Wer es trotz Umbruch schafft, noch besser zu werden oder das Niveau zu halten, dem gelingt oft Grosses. Mogwai finden ihre Grösse darin, ihren Sound über lange Zeit und damit über Alben hinweg in kleinen Schritten weiterzuentwickeln. Nicht gegen die Tradition zu arbeiten, sondern sie laufend mit neuen Elementen auszubauen. Mogwai überdauern, weil die anderen die Geduld verlieren. Somit wird auch „Rave Tapes“ kaum ein Album sein, das sich neue Märkte erschliesst. Die Schotten haben treue Fans. So treu, wie man in Glasgow auch Celtic verfallen ist. Selbst Niederlagen sind ein Grund zum Feiern.

Die Band wird damit zu einem Ort in der Plattensammlung, den man alle paar Jahre wieder gerne besucht, weil man weiss, was man an ihm hat. Man sucht dann immer gerne nach den kleinen Veränderungen und entdeckt plötzlich Dinge, die vorher noch nicht da waren oder verschwunden sind. 20 Jahre sind eine lange Zeit, mehr als ein halbes Autorenleben, und es erstaunt nicht, dass sich die Geschichte auch mal wiederholt. Action, Abenteuer und neue Erlebnisse – daran versuchen sich andere, die am Ball bleiben müssen. Oder der Zeit voraus. Die rastlos immer nach vorne streben. Wer diese Kunst beherrscht oder nach ihr sucht, der wird in „Rave Tapes“ die absolute Innovation vermissen. Und die Musik? „Heard About You Last Night“ ist ein klassisch genialer Opener und die Elektronik, die auch nicht erst seit heute Bestandteil von Mogwai ist, nimmt längst nicht so sehr überhand, wie der Albumtitel suggeriert. „Deesh“ und „No Medicine For Regret“ sind zwei herausragende Beispiele dafür, wie man ein Album zu einem Grower macht. „Hexon Bogon“ zieht einmal kurz und nicht allzu heftig das Tempo an. Sollten nun dennoch Fragen offen geblieben sein: „Remurdered“ wird sie alle beantworten.

Seit 17. Januar 2014 im Handel.