Exit Music
Mogwai – Mr. Beast (2006)
Mogwai – Mr. Beast (2006)

Mogwai – Mr. Beast (2006)

9.0

Genre:
Label: Pias

Erstellt am: 12.04.2006
Autor:
Erstellt am: 12.04.2006   Autor:

Neuerscheinungen

Utopia

Mogwai – ein Name, den man eigentlich
kennt und den auch meine Wenigkeit irgendwoher kannte, aber nirgends
genau einzuordnen im Stande war. Ganz grosse Bildungslücke, ja
Bildungsloch oder gar komplettes Versagen eines Genreliebhabers. Denn
die überzeugen ja wahnsinnig, die Bestnote wird der Musik bei weitem
nicht gerecht.


Ach Herrgott, Schande über mich, da spielt die
Band seit 1996 wunderbarste Rockmusik jenseits aller Konventionen und
ich Lümmel verpasse den ganzen Spass. Bis heute. (Natürlich hab’ ich
mir zwischenzeitlich auch einige ältere Werke zugelegt, die
Aufmerksamkeit gilt hier jedoch Mr. Beast.) Die Bezeichnung ’Rockmusik’
trifft hier jedoch nicht immer zu, denn es handelt sich beim Beast um
ein ganz intelligentes Gemisch aus süssen, pianoverspielten melodischen
Balladen sowie kräftigem und wuchtigem Gitarrenspiel. Wie Regenwände im
Sturm stürzen plötzlich deftige Schauer (wer tatsächlich an Regen
denkt, ist ein geiler Siech) auf mein Haupt, in meine Ohren oder meinen
Rücken hinunter, die kurz darauf von Aufhellungen abgelöst werden, dass
man von Sonne und Schönheit geblendet wird und die Wärme nicht nur im
Herzen, sondern tatsächlich auch auf der Haut zu spüren glaubt. Das
ganze passiert, ohne grosse Worte zu verlieren, Musik der Musik willen
sozusagen. Doch obwohl das gesungene Wort nur selten Platz findet (wie
dies bei Mogwai schon immer der Fall war), hat die Musik
unwahrscheinliche Ausdruckskraft. Die langsam vor sich her dümpelnden,
fein und sanft gespielten, teilweise endlos erscheinenden Gitarren- und
Klavierpassagen animieren zu ausbordenden Träumen sowie gedanklichen
Höhenflügen, die jedoch plötzlich und ohne Vorwarnung zerplatzen.
Heftige Gitarrenwände reissen einen zurück in die Realität. Trotzdem
bleibt etwas Ungewisses, Geheimnisvolles zurück – eine Ahnung von
Unendlichkeit oder so. Eine unerklärliche Kraft und Energie entströmt
den Boxen, die einen von sämtlichen anderen Tätigkeiten, die man
gewöhnlich während dem Musikkonsum zu erledigen gewohnt ist – wie
Lesen, Lernen, Schlafen, Überlegen, Fahren, Leben halt – fernhält. Man
versinkt in die instrumentalen Traumlandschaften und empfindet vor
allem Friede, Liebe, Freude und Toastbrot, Utopia während 43 Minuten.
(Ein Hoch auf die Repeatfunktion!)
Seit 3. März 2006 im Handel.

Anspieltipps: Die Platte als Gesamtwerk lohnt sich.
Trackliste: 1) Auto Rock; 2) Glasgow Mega-Snake; 3) Acid Food;
4) Travel Is Dangerous; 5) Team Handed; 6) Friend Of The Night; 7)
Emergency Trap; 8) Folk Death 95; 9) I Chose Horses; 10) We’re No Here
similar Artists: Seidenmatt, The White Birch, Sigur Ros, Honey For Petzi

 

Bio:
Die bärtigen Schotten Stuart Braithwaite (git., voc.), Dominic
Aitchison (git.), John Cummings (git.) und Martin Bulloch (dr.) trafen
erstmals 1996 zusammen, da es ihnen in ihren alten Bands zu wenig um
’seriöse Gitarrenmusik’ ging. Zuerst veröffentlichte man bei Chemikal
Underground einige Stücke, gründete dann aber 1997 bereits ein eigenes
Label Namens ’Rock Action’. Brendan O’Hare (piano, git.) wird im selben
Jahr verpflichtet und das erste Studioalbum ’Mogwai Young Team’
entstand. Der Erfolg kam rasant. Trotz ihrer ruhigen, gesangslosen
Musik bezeichnet sich die postmoderne Truppe (ihre ’neuen’ Namen:
pLasmaTron, Demonic, Capt.Meat, Bionic und The Relic) als Rocker,
entsprechend unkorrekt verhalten sie sich in der Öffentlichkeit.
Politiker werden genauso wie politisch Andersdenkende angegriffen und
verurteilt. (z.B: T-Shirts mit dem Aufdruck ’Blur: are shit’) Weitere
Alben sowie eine besonders atmosphärische Best-Of Platte folgen.
Momentan schreibt die Band den Soundtracks zu einem biographischen Film
über Zinedine Zidane.