Exit Music
Mick Jenkins – The Water[s]
Mick Jenkins – The Water[s]

Mick Jenkins – The Water[s]

8.0

Genre: ,
Label: Selbst veröffentlicht

Erstellt am: 08.09.2014
Autor:
Erstellt am: 08.09.2014   Autor:

Rezensionen

Alles fließt

Der will nicht auf Stress aus, sondern einfach nur was über Wasser erzählen. Und über die Wahrheit. Mick Jenkins´Mixtape übers H2O liefert eine zurückgelehnte und natürlich flüssige Variante von popbefreitem Hip Hop.

Die alles verbindende Thematik sorgt für das Gefühl, ein kohärentes Musikgefüge vor sich zu haben. Es geht um Wasser als wichtigsten Baustein des Lebens und der Zivilisation, als Synonym für die reine Wahrheit. Wiederkehrende Motive („Drink more water or you might die!“) und ein einheitlicher, vollmundiger Sound halten das ganze Album stringent zusammen. Es gibt einige Tracks, die besonders herausstechen und damit andere etwas verblassen lassen, aber der Gesamteindruck des Mixtapes ist durchweg stark.  „Jazz“ ist so ein Song – das Herzstück der Platte – in dem sich Jenkins mit der Wahrheit und ihrem Wert auseinandersetzt. Die physisch greifbare Tiefe des Beats wird durch das elegante Video nur noch unterstützt.

Jenkins hat eine sonore, einnehmende Stimme mit einer mehr bekräftigenden als einschüchternden Autorität. Er ist einer dieser jungen MCs, die genau so sprechen wie sie rappen und dabei viel älter klingen, als sie es sind. Doch mindestens genau so wichtig wie das Charisma des 22-jährigen sind die Instrumentals. Melodiös und psychedelisch umspülen die Beats den Hauptdarsteller und seine zahlreichen guten Features. Dabei ist „The Water[s]“ keinesfalls überfrachet. Im Gegenteil: Minimaler Einsatz reicht hier für großen Effekt. Besonders die Synthieflächen von „Canada Dry“ untermalen die aquatische Kulisse eindrucksvoll.

Und was ist das bitte für eine Ansage, die Jenkins in der Single „Martyrs“ macht? Er samplet mit Nina Simones Interpretation von „Strange Fruit“ den selben Soul-Klassiker, den Kanye West im letzten Jahr auf seinem streitbaren, aber allerorts gefeierten „Yeezus“ verwendete. Und es funktioniert. „Martyrs“ ist der Track, in dem Jenkins‘ ungestresster Flow am besten zur Geltung kommt. An Kanye erinnert aber viel mehr der darauf folgende, letzte Track „Jerome“ – eingeleitet natürlich von einem „Put your mudda fuckin hands in da ayer“, das der 19-jährige Joey Bada$$  herrlich stumpf in dein Gesicht asselt – „Relax and take notes!“

Mick Jenkins liefert mit diesem Mixtape eine wundervoll aus den Boxen bollernde Mischung aus unauffälligen, aber wirksamen Beats und kompromisslosem Rap ab. Nicht jeder Song hält einen guten Spannungsbogen aufrecht, aber man wird es schwer haben, auf diesem Album eine Folge schwacher Tracks zu finden. Beim nächsten Mal dürfte das auch für eine physische Veröffentlichung reichen, aber bis jetzt macht er es noch „for the free Nigga“.

 

Anspieltipps:
> Jazz
> Martyrs
> Jerome

Diskographie: 
> Trees & Truths (2013)
>  The Water[s] (2014)