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Mew – And The Glass Handed Kites (2006)
Mew – And The Glass Handed Kites (2006)

Mew – And The Glass Handed Kites (2006)

9.0

Genre: , ,
Label: Red Ink

Erstellt am: 13.03.2006
Autor:
Erstellt am: 13.03.2006   Autor:

Neuerscheinungen

Quasi gequietscht

Im Booklet erscheinen die vier Dänen zwar als langmähnige Metaller, auf der Platte spielen sie jedoch unerwartet eigentümlichen, anspruchsvollen, soften Rock mit unglaublich weiblicher Quietschstimme.

Auf dem Vorgänger „Frengers“ versteckten sich schon einige mächtige Ohrwürmer („Am I Wry? No“; „Snow Brigade“), die sich wie Zecken bis heute in meinen Gehörgängen festklammern. ’Ohrwürmer’ wird den Stücken eigentlich nicht ganz gerecht, klingt irgendwie mickrig, ich würde sie ’Ohrschlangen’, ’Ohrdrachen’ oder gar ’Ohr – das ungeheuerliche Ungeheuer von Loch Ness’ nennen. Das neue Album klingt beim ersten Durchhören ziemlich ähnlich, da die Musik doch sehr stark von Jonas Bjerres Stimme dominiert wird. Diese eigenartig hohe, kindlich-freundliche, äusserst feminine Stimme (für einen langhaarigen, grimmig dreinschauenden Wikinger) lässt sich entweder damit begründen, dass Bjerre zur mittlerweile vom Aussterben stark bedrohten Gattung der Eunuchen zählt oder zumindest in der Vergangenheit mehrere, grausam kräftige Tritte ins Allerheiligste erleiden musste. Ganz bestimmt Geschmackssache, dieses hohe, jedoch kaum bis selten nervende Gejaule. Nicht zu verachten, ja gar hoch zu schätzen, ist das äusserst anspruchsvolle, rhythmisch komplexe Schlagzeugspiel. Meistens neben dem Takt, zu früh oder zu spät oder sonst irgendwie gehauen, verunmöglicht beinahe bei allen Stücken das mitnicken oder gar mitrocken, was die Musik sehr schwer zu fassen macht, dem Hörgenuss jedoch absolut nicht schadet. Obwohl sämtliche Instrumente rhythmisch neben den Schuhen spielen, verliert das ganze musikalische Geschehen nie an Fluss oder Schwung. Dies rechne ich der Band ganz hoch an, man muss sich mit der Musik intensiv auseinandersetzen, um die Details und die musikalischen Finessen zu verstehen. Alle Stücke sind mit klugen Übergängen miteinander verbunden, was für Rockmusik sehr untypisch ist und das Album als clever produziertes Gesamtwerk erscheinen lässt. Die Band meistert die Gratwanderung zwischen härterem, gitarrenlastigem Rock, sanften Balladen und artifiziellem Pop mit Bravour und vermag dank schlau eingesetzter, sphärischer Elektronik sowie feinem Klavierspiel jeweils unglaubliche Tiefe zu schaffen. Ab und zu aufkommende Metal-Elemente werden durch die niedliche Stimme jeweils entschärft. Obwohl es eigentlich genau quasi gar nichts auszusetzen gäbe, ziehe ich den Knaben einen halben Stern ab, die Platte mag von den Melodien sowie deren Eingängigkeit dem Vorgänger das Wasser ganz knapp nicht reichen.
Seit 3. Februar 2006 im Handel

Anspieltipps: Chinaberry Tree, Apocalypso, Special,
Trackliste: 1) Circuitry Of The Wolf; 2) Chinaberry Tree; 3) Why Are You Looking Grave ?; 4) Fox Cub; 5) Apocalypso; 6) Special; 7) The Zookeeper’s Boy; 8) A Dark Design; 9) Saviours Of Jazz Ballet (Fear Me, December); 10) An Envoy To The Open Fields; 11) Small Ambulance; 12) The Seething Rain Weeps For You (Uda Pruda); 13) White Lips Kissed; 14) Louise Louisa
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