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Marilyn Manson – The High End of Low

Marilyn Manson – The High End of Low

7.5

Genre:
Label: Interscope

Erstellt am: 10.07.2009
Autor:
Erstellt am: 10.07.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Was dich nicht umbringt, macht dich stärker

Marilyn Manson ist eine Kämpfernatur, wie sie im Buche steht. Auf der Tour zum letzten Album „Eat Me, Drink Me“ betrat er einen Boxring auf der Bühne. Warum? Weil die Einsamkeit eines Schockrockers vergleichbar ist mit der eines Boxers in seiner Arena: Der eine kämpft gegen seinen Gegner, der andere hadert mit sich und der Welt. Niederlagen werden in diesem Metier groß und schmerzvoll erlitten.

Auf seinem aktuellen Longplayer „The High End of Low“ hat sich vom Grundtenor her nicht viel verändert. Brian Hugh Warner kämpft weiterhin mit der Liebe, die ihn verletzt, verlässt oder betrügt. Er hegt einen Groll gegen die Gesellschaft, die ihn nicht akzeptiert wie er ist. Gott und die Welt stehen natürlich auch noch auf seiner Liste.

Eine Neuerung ist dennoch zu vermelden: Jeordie White aka Twiggy Ramirez ist wieder mit dabei. Bekanntlicherweise kehrte der Bassist nach „Holy Wood“ seinem Langzeitmitstreiter und Kumpel den Rücken, um mit A Perfect Circle, Nine Inch Nails oder Goon Moon andere musikalische Projekte in Angriff zu nehmen.

Es ist also an der Zeit, dass Manson und Twiggy wieder gemeinsam den Schlüssel ins Loch stecken, um die Tür zu ihrer düsteren Villa zu öffnen. Mit dem bedrohlich einlullenden Eröffnungstrack „Devour“ wartet gleich ein wahres Highlight an der Schwelle zum Eingang. Spärlich beleuchtet ist der Raum, in dem wir uns befinden. Wir bemerken die Spinnweben an der Decke, während Manson immer wieder ein und dieselbe Zeile wiederholt: „I can’t sleep until I devour you!“ Guten Appetit.

Dass hinter jeder noch so schönen Melodie die Hölle wartet, ist bei Manson bekannt und jederzeit zu spüren. Sensible Angsthasen, die sich bei Zeilen wie „Everyone around you has murdered someone“ (aus „Into the Fire“) bedroht fühlen, machen lieber kehrt.  „Everyone will come, everyone will come to my funeral, to make sure that I stay dead” singt Manson im elegant arrangierten Bluessong “Leave a Scar”. Eine völlig neue Seite, die hier präsentiert wird. Auf peitschende Rhythmen und donnernde Bässe muss der geneigte Hörer aber nicht verzichten. „Pretty as A ($)“ lauert bereits an zweiter Stelle in den Startlöchern. „We’re From America“ hat auch genug Wut in den Rillen, um energisch aufzufallen. Auch der obsessive Filmfan gibt sich im schmirgelig verlaufenden „I Want to Kill You Like They Do in the Movies” zu erkennen.

Inhaltlich geht es auf dem Album wenig zimperlich zu. Dem Reiz der Gewalt erliegt Manson ja nicht zum ersten Mal, deswegen tummeln sich auch Gewaltakte, Blut und Tötungsversuche an jeder Ecke. Dämonen und selbst ausgeschaufelte Gräber („Four Rusted Horses“) sind ebenfalls auszumachen, und auch das Ende der Welt wird besungen, obwohl sich wirklich niemand vor „Arma-goddamn-motherfuckin’-geddon“ fürchten muss. Die harmlose Single gehört nicht zu den Höhepunkten der Platte. Von diesen schaurigen Themen will und kann der Schauerromantiker anscheinend nicht lassen.

„The High End of Low“ klingt auf seine Art bedrohlich, aber auch seltsam tröstlich, wie in der wundervollen Ballade „Running to the Edge of the World“. Die Platte bringt das Phantasmagorische und den Irrsinn von Manson gut zusammen. Ein schleppendes, teil-lethargisches Album. Mit seltenen, aber dafür gelungenen Ausbrüchen.

Seit  22. Mai 2009 im Handel.

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Anspieltipps:
> Devour
> Pretty as A ($)
> Running to the Edge of the World

Diskographie:

> Portrait of an American Family (1994)
> Smells Like Children (1995)
> Antichrist Superstar (1996)
> Mechanical Animals (1998)
> The Last Tour on Earth (1999)
> Holy Wood (In the Shadow of the Valley of Death) (2000)
> The Golden Age Of Grotesque (2003)
> Lest We Forget – The Best Of (2004)
> Eat Me, Drink Me (2007)
> The High End of Low (2009)

Ähnliche Künstler:
> Nine Inch Nails
> Smashing Pumpkins
> A Perfect Circle