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Manchester Orchestra – Cope
Manchester Orchestra – Cope

Manchester Orchestra – Cope

8.0

Genre:
Label: Loma Vista

Erstellt am: 10.04.2014
Autor:
Erstellt am: 10.04.2014   Autor:

Rezensionen

Keine Umwege

Manchester Orchestra lassen auf „Cope“ nichts anbrennen. Es ist das vierte Album einer Band, die keine schlechten Alben aufnimmt. Und sich nicht wiederholt. Damit erreichen sie, wovon andere träumen.

Manchmal ist das so. Es gibt Bands, die ein Album veröffentlichen, das einem eigentlich gefallen müsste – und es tut sich nichts. Wenn man dann Jahre später zu diesem Album zurückkehrt, entweder weil ein neues da ist oder man selber an einem anderen Ort, klickt es plötzlich. Wer kennt das nicht? Man kommt über Umwege doch noch zum Ziel. Und Manchester Orchestra lassen einfach nicht locker. Spätestens mit dem Song „Simple Math“ erreichte die Band aus Atlanta einen emotionalen Höhepunkt, der – wir wissen es von vielen anderen Bands – schwer zu toppen gewesen wäre. Was also tun? Vollgas. Keine Streicher mehr, keine Opulenz. „Cope“ wirkt dadurch, wie mit einem Schlag ins Feld gehauen. Konsequente Rockmusik, durchgezogen von A bis Z. Das klingt so formuliert wohl ein bisschen langweilig. Das vierte Album von Manchester Orchestra hat nicht die Spannweite eines „Mean Everything to Nothing“ und auch nicht die zweite Ebene von „Simple Math“. Es kommt direkt zur Sache. Und trotzdem ist „Cope“ ein verdammt gutes Album.

Die Reduktion ist nun nicht gerade ein neues Stilmittel, musste sich aber dermassen aufgedrängt haben, dass es sich auch für den Hörer nur noch logisch anfühlt. Die Stimme von Andy Hull bleibt grossartig, ein Song wie „Every Stone“ wird es für immer sein. „Cope“ ist deshalb viel mehr als nur Rockmusik, weil der von vielen benutzte Ansatz der Geradlinigkeit bei Manchester Orchestra einfach ehrlicher daherkommt. Ein Album ohne Hits, sondern mit herausragenden Songs, das immer noch von einer Tiefe lebt, die herausstreicht, warum tolles Songwriting immer über der Effekthascherei stehen wird. Der Opener „Top Notch“ haut einen gleich mit ins Feld – mittendrin statt nur dabei. Und „Trees“ hat ein Riff, auf das man sich sieben Songs lang freut. Wer die Performance vom Titeltrack bei Letterman gesehen hat, der will „Cope“ sofort an einem Stück live sehen. Niemand wird behaupten können, dass Manchester Orchestra die Rockmusik neu erfunden haben – aber sehr viel besser machen kann man das, was auf „Cope“ passiert, eigentlich nicht.

Seit 28. März 2014 im Handel.