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Low – C’mon
Low – C’mon

Low – C’mon

8.5

Genre: ,
Label: Sub Pop

Erstellt am: 19.04.2011
Autor:
Erstellt am: 19.04.2011   Autor:

Neuerscheinungen

Die (Wieder-)Entdeckung der Langsamkeit

Low aus Duluth, Minnesota bringen nach siebzehnjähriger Bandgeschichte ihr elftes Album heraus und es wechselt mühelos zwischen melancholischer Ruhe und unaufdringlichem Pomp hin und her. Die Musik von Low ist langsam aber auf keinen Fall langweilig.

Low werden gerne als Wegbereiter der obskuren Genrebezeichnung Slowcore bezeichnet, die in den neunziger Jahren aus dem Indie entstand. Auch wenn Low diese Bezeichnung selbst ablehnen, können sie nicht leugnen, dass Langsamkeit nach wie vor einen der wichtigen Stellenwert in ihrer Musik geniesst. Mit „C’mon“ beweisen sie sich erneut als Meister in der Handhabung dieses Elements.

Das Rezept ist so einfach wie wirkungsvoll: Man nehme eine Melodie oder ein Klangmuster, das durch seine ständige Wiederholung eine leicht hypnotische Wirkung erzeugt. Dadurch wird viel Platz für andere Elemente geschaffen. Angefangen wird so reduziert wie möglich und im Laufe des Songs kommen immer mehr verschiedene Elemente hinzu. So beginnen Low oft mit ruhiger Melancholie die sich über die Dauer der Songs zu Klanglandschaften aufschichtet. Diese können zwar auch pompös werden, wirken jedoch nie aufdringlich oder übertrieben. Im Gegenteil, es braucht ein gewisses Mass an Aufmerksamkeit um sie überhaupt wirklich wahrzunehmen. Schöne Beispiele hierfür sind „Especially Me“, „Majesty/Magic“ oder „Nightingale“.

Das Album wäre aber nicht so bestechend und abwechslungsreich, wenn Low nach zehn vorangegangenen Alben nicht gelernt hätten, das Muster, für das sie bekannt sind, auch zu durchbrechen. So ist gleich der Opener „Try to Sleep“ ein klassischer Pop-Song mit einer eingängigen Melodie und trotzdem unverkennbarer Low’scher Melancholie. Ein perfekter Song um mit geöffnetem Autofenster in einen spätsommerlichen Sonnenuntergang zu fahren.

Auch durch den Einsatz von verschiedensten Instrumentierungen trägt zum Spannungspotenzial von „C’Mon“ bei. So wird die klassische Gitarre-Schlagzeug-Bass-Kombination auch gerne durch ein Banjo oder ein Streicher-Ensemble erweitert, welche die Stücke durch ihre Präsenz massgeblich beeinflussen.

„C’mon“ ist ein spannendes und abwechslungsreiches Album, vorausgesetzt man ist gewillt sich darauf einzulassen. Die Spannung wird nicht an der Oberfläche produziert, sondern findet in den Nuancen statt. Somit ist es nicht unbedingt ein Album, dass beim ersten Hören begeistert, sondern erst längerfristig seine Qualität offenbart, diese ist dann aber umso nachhaltiger.

Seit  8. April 2011 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Try to Sleep
> Especially Me
> Nightingale

Diskographie:
> I Could Live in Hope (1994)
> Long Division (1995)
> The Curtain Hits the Cast (1996)
> One More Reason to Forget [live] (1997)
> Secret Name (1999)
> Christmas EP (1999)
> Things We Lost in the Fire (2001)
> Trust (2002)
> The Great Destroyer (2005)
> Drums and Guns (2007)
> C’mon (2011)

Ähnliche Künstler:
> Codeine
> Bedhead
> Idaho
> Retribution Gospel Choir