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Love A – Jagd und Hund
Love A – Jagd und Hund

Love A – Jagd und Hund

7.0

Genre: , ,
Label: Rookie Records

Erstellt am: 06.04.2015
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Erstellt am: 06.04.2015   Autor:

Rezensionen

Man muss nicht alles mögen

Love A sind die beste grimmige Band Deutschlands. Was kommt nach Punk? Postpunk. Der nächste logische Schritt. Und dennoch wiederholen sich Love A auch ein bisschen.

Irgendwie“ war grossartiger Indiepunk mit grossartigen Texten. Love A aus Trier setzen keinen drauf. Sie setzen fort. Beissen aber weniger in Waden, klingen seltener wie ein räudiger Hund. Warum viele Bands ihre Konzepte immer mehr mit Postpunk anreichern, ist sicherlich dem Zeitgeist geschuldet. Aber innovativ ist es nicht mehr. Dass Love A gerade mit dem Song „Stagnation“ die offensichtlichste 80er-Runde drehen, hat schon etwas Selbstironisches: „Aus Mangel an Impulsen“.

Das ist dann nicht schlimm, wenn sie wieder rotzfrech werden: „Weil dein Verstand komplett im Arsch ist/ Glaubst du an Gott/ Und wahrscheinlich sogar an das System“. Jörkk Mechenbier näht sich zu Recht lieber „Verpiss dich, Adolf“ auf seine Jutetasche. Gegen vieles und insbesondere den Konsum, die grenzenlose Selbstdarstellung im Internet und untragbare Popkultur. Das vertreibt dann hoffentlich auch den zuhinterst zurückgebliebenen Hipster von jedem Love A Konzert.

Und es ist dann nicht schlimm, wenn sie Sachen machen wie den heimlichen Hit „Modem“ oder den besten Song „100.000 Stühle leer“, der auf seine wunderbare Art die Passivität der postmodernen Konsumgesellschaft in Frage stellt. Es schliessen sich Kreise und das macht auch dieses Album wieder zu einem guten: Love A sind in dieser Hinsicht konsequent, bleiben hartnäckig. „Jagd und Hund“ ist bei weitem nicht so kratzbürstig, wie es „Eigentlich“ war. Es trifft nicht immer so ins Schwarze wie „Irgendwie“. Weil Love A diesmal absichtlich nicht in die Mitte zielen. Vielleicht braucht es deswegen ein paar Hördurchgänge mehr, vielleicht muss man deshalb noch mehr denken. Mechenbier sagt im Interview mit VISIONS: „Eigentlich ist über Musik zu schreiben die eigentliche Kunst, weil man sich da wirklich etwas erarbeiten und ausdenken muss“. Falsche Bescheidenheit – oder eher eine Aufforderung? Wenn Love A läuft, tanzt man mit Sicherheit nicht zu den falschen Liedern. Die Band aus Trier hat das Herz immer am linken Fleck – und damit am richtigen.

Ab 27.03.2015 im Handel erhältlich.