Exit Music
Loose Connection – Whispers in a Marketplace
Loose Connection – Whispers in a Marketplace

Loose Connection – Whispers in a Marketplace

5.0

Genre: ,
Label: Fontastix

Erstellt am: 09.07.2013
Autor:
Erstellt am: 09.07.2013   Autor:

Neuerscheinungen

Stadtgeflüster

Leider können Loose Connection mit ihrem Debüt nicht ganz an die EP „Telescope“ anknüpfen – fast als hätten sie zwischendurch kurz den Faden verloren. Entmutigen lassen müssen sie sich aber deswegen nicht.

Die kleine, aber feine Thuner Musikszene brachte immer wieder mal ein Album hervor. Das musikalische Bewusstsein in die Stadt getragen haben unter anderem MC Anlikers Cafe Bar Mokka und die Tatsache, dass mit dem Zig Zag Records seit Jahrzehnten ein fachkundiges Musikgeschäft existiert. „Local Heroes Night“ hiess es jeweils im Mokka und nun sind Loose Connection an der Reihe. Das Debütalbum „Whispers In a Marketplace“ folgt auf die vielversprechende EP „Telescope“ und kann durchaus als ein Flüstern in der Musiklandschaft beschrieben werden. Es ist ein introvertiertes Album, kaum einer der zwölf Songs bricht aus – mit kleinen Ausnahmen: „Crossing Borders“ wagt sich an elektronischere Klänge und „Midnight Sun“ sowie „The Giants Are Coming“ sind die fröhlichen unter lauter traurigen Liedern. Loose Connection haben sich vermutlich bewusst für eine wärmende Grundstimmung entschieden, welche neben der Nachdenklichkeit in den Texten auch ein bisschen einlullt. Es klingt nicht alles gleich auf „Whispers In a Marketplace“ und dennoch: Zwei Dinge machen diesem Debüt ordentlich zu schaffen. Erstens fehlen die Wendungen, die überraschenden Momente. „Crossing Borders“ tut das, was in den elf Songs zuvor leider zu wenig passiert. Trotzdem ist das Schlussstück kein Highlight. Zweitens überschreiten Loose Connection mit dem Duo „Of the Mean Reds“ und „Postacademic Education“ die Schmerzgrenze. Besonders gesanglich liegen sie hier daneben.

Warum die Dynamik aufgegeben wurde, die auf „Telescope“ so wunderbar funktionierte, erklärt sich nicht von selber. Der Alternative-Ansatz, der die Band in den Kontext der 90er verortete, ist ebenso weg. Und man vermisst ihn. Er weicht neben dem Indie mehr Pathos und ganz schüchtern auch etwas Country („The Giants Are Coming“). Dass es nicht seichte Dramatik wie in „Of the Mean Reds“ sein muss, sondern eigentlich ziemlich gut ohne diese klappt, beweisen Loose Connection in den überzeugenden Momenten: Das tolle „Solar Powered Car“, das wunderschöne „The Same But Different“ oder das als Opener mutig platzierte „Liverpool“ sind ruhige Songs, die schon die Frage aufwerfen, warum das Album länger als nötig gemacht wurde und viel wichtiger, warum man den Gesang aufteilte. Es ist zu viel des Durchschnitts, um dass wir ein anderes Fazit hätten ziehen können: „Whispers In a Marketplace“ wackelt an gewissen Stellen, lässt die nötige Dynamik vermissen und verhindert damit, dass man es als wunderschönes Singer/Songwriter-Debüt ins Geheimtipp-Fach stellen kann. Das Talent für diesen Schritt in einer nahen Zukunft haben Loose Connection: „Little Miss Sunshine“ ist neben „All the Pictures“ ein weiterer klarer Beweis dafür. Und das muss und darf letztendlich Mut machen.

Seit 01. Juni 2013 im Handel

Anspieltipps:
> The Same But Different
> All the Pictures
> Solar Powered Car

Diskographie:
> Telescope EP (2011)
> Whispers in a Marketplace (2013)

Ähnliche Künstler:
> Stereophonics
> Tracy Chapman
> Bright Eyes
> A Whisper in the Noise