Exit Music
Liturgy – The Ark Work
Liturgy – The Ark Work

Liturgy – The Ark Work

8.5
Erstellt am: 27.04.2015
Autor:
Erstellt am: 27.04.2015   Autor:

Rezensionen

Into Gold

Liturgy stöpseln ihren Zugedröhnter-Messdiener-Metal an den Nintendo an und sind jetzt selbst für die Aufmerksamkeit der Szenepolizei nicht mehr trve genug. „The Ark Work“ hätte das beste Black Metal-Album seit vielen Jahren werden können, doch Liturgy haben sich bewusst dagegen entschieden.

Die Band aus Brooklyn hat aus vielen Gründen das Potential, gehasst zu werden. Da wäre die prätentiöse Sichtweise auf die eigene Kunst. So bezeichnen Liturgy sich selbst (nicht übersetzt!) als „Gesamtkunstwerk“. Und dann wäre da der etwas eigenwillige Sprechgesang von Frontmann Hunter H. Hendrix. Der hat sich tatsächlich über die Länge des gesamten Albums hinweg gegen das Schreien entschieden. Und damit auch endgültig gegen ihre eigentliche Szene: Wenn irgendetwas jemals Post Black Metal war, dann „The Ark Work“.

Wir haben es hier tatsächlich mit einem ausgeklügelten Bauwerk zu tun. Schicht auf Schicht kulminieren Glockenspiel, rasende Gitarren, MIDI-Elektronik und archaische Melodieführung. Im besten Fall türmen sich bombastische Soundgemäuer wie „Reign Array“ auf. Breitwandige Eklektik sorgt für ein Hochgefühl von cineastischer Qualität. Da muss man sich einfach damit abfinden, dass Liturgy mittlerweile mehr Spaß an fetten Beats als an Tobsuchtsanfällen in Lichtgeschwindigkeit haben.

Der Klang von „The Ark Work“ könnte dafür kaum besser konstruiert sein. Mikro-Details wie der Moment, in dem „Follow“ den Motor anwirft und mit einem kurzen Dröhnen das Album „hochfährt“, die jubelnde Menge vor „Kel Valhaal“ – all das macht dieses Album zu einem akribischen, unverortbaren Kunstwerk. Die riesige Bandbreite an (synthetisierten) Instrumenten und faszinierend schillernden Strukturen tröstet über die fehlende Metal-Breitseite hinweg.

Doch Liturgy überfordern weiterhin im großen Stil. Zwischen Swans-artigen Hypnose-Versuchen („Kel Valhaal“) und Retro-Videospiel-Soundtrack („Haelegen“) passiert auf diesem Album so ziemlich alles. Vieles davon hätte man Liturgy gar nicht zugetraut, vor allem nicht so gut.

„Vitriol“ beispielsweise bietet eine Art Kirchenchor-Version von Industrial Hip Hop. Und zugleich eine denkwürdige Lehrstunde in Alchemie: „I turn your Ashes into Gold, you Repay me with Vitriol“. So leuchtend schön und rein geformt, dass es beinahe künstlich erscheint, ist das besungene Mineral. Gleichsam leuchtet „The Ark Work“ – in so vielen kleinen Facetten.

Seit 20.03.2015 im Handel.