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Leech – The Stolen View
Leech – The Stolen View

Leech – The Stolen View

9.0

Genre:
Label: Viva Hate Records

Erstellt am: 22.10.2008
Autor:
Erstellt am: 22.10.2008   Autor:

Neuerscheinungen

Die Geschichte von…

Aufgrund der Veröffentlichung in Deutschland und der sensationellen Split – EP ’090208’ mit Long Distance Calling erhält „The Stolen View“ von Leech hier die ihr zustehende Würdigung.

Interessierte Schweizer sollten sich dieses Album bereits seit einem Jahr regelmässig zu Gemüte führen. Den nördlichen Nachbarn aka den Einwohner aus dem grossen Kanton sowie den geschätzten Kollegen aus dem befreundeten Alpenland zur Rechten und insbesondere allen Einheimischen, die dies noch nicht taten, wird hier aufs Eindringlichste dazu empfohlen.

Seit 1995 aktiv widmeten sich Leech nach der 2000er EP „Zerotonine Days“ verschiedenen Nebenprojekten, die live zu bewundern, jedoch nie aufgenommen wurden. Unterstützt durch Tobias Schläfli (Synthesizers) legten Marcel (git., pi., synth.) und Urs Meyer (guit., pi.), Serge Olar (dr.) und David Hoffmann (ba. + git.) 2006 wieder los. „The Stolen View“ entstand.

Die Eigenheit des Postrock besteht meiner Meinung nach im filigranen Spiel mit Stimmungen, Emotionen und Intensitäten. Dies geschieht grösstenteils ohne und wenn dann nur mit wenig Gesang sowie ohne klar ersichtliche bzw. nachvollziehbare Songstruktur.
Leech bzw. „The Stolen View“ heben sich insofern von vergleichbaren Bands bzw. Alben ab, dass sie wissen, wann sie genug des Guten gespielt haben. Mein einziger Kritikpunkt am Genre als Ganzes sind die teilweise gehörschädigenden Exzesse im Sinne von: Ich presse, reibe und schlage meine Gitarre bzw. meinen Bass jetzt so lange an den Verstärker, dass das Publikum garantiert auch am Tag nach dem Konzert noch ein ekliges Pfeifen in den Ohren hat. Und weils so schön ist knalle ich den Krach auch noch auf Platte. Diese Falle umfahren Leech mit gelassener Souveränität. Keine Spur von Nackenschmerzen oder Gehörschäden.

Leech spielen auf Zeit. Sie fügen minutenweise neue Schichten an Klang bzw. Intensität aufeinander, um in kurzen, kräftigen, jedoch nicht verheerenden Eruptionen die Spannung zu brechen und ohne Umschweife den nächsten musikalischen Spannungsbogen aufzuziehen. Besonders eindrücklich gelingt dies im Stück „Inspiral“, welches auch auf der Split-EP zu finden ist. Ich verstehe die einzelnen ‚Abschnitte‘ in den Stücken als Phasen, in denen jeweils eine neue Sichtweise auf die Gesamterzählung gewährt oder ein neuer Abschnitt der Geschichte erzählt wird. „Inspiral“ endet nach langer, düsterer, geheimnisvoller Suche dank eindringlicher Gitarre heroisch, erlösend, entspannend, vielleicht auch klärend. Das tönt jetzt irgendwie literarisch, doch tatsächlich kann „The Stolen View“ als vertontes Buch verstanden werden. Die dazu gehörende Geschichte ersinnt sich der Hörende selbst. Leech bzw. Schlagzeug, Bass, Gitarre und Synthie malen in düsteren Farben die kalte, wunderlich-anmutige Landschaft oder den erzählerischen Rahmen, während die Leadgitarre Details heraushebt, betont oder klärt. Was genau geschieht kann der Hörer nur mit ’ner Menge Phantasie’ (um Spongebob zu zitieren), geschlossenen Augen und einem bisschen Geduld herausfinden. Wie schon der Albumtitel verrät, wird die Sicht gestohlen, entsprechend können nur persönliche Gedanken und Ideen klären, was es denn genau zu sehen bzw. lesen gegeben hätte. Ich habe absolut nichts zu kritisieren, auszusetzen oder rumzunölen, „The Stolen View“ ist schlicht das faszinierendste je in der Schweiz hergestellte Album. Punkt.

Und nun hat wahrscheinlich keiner eine Ahnung wie das Album eigentlich und überhaupt klingt, darum empfehle ich das persönliche reinhören sowie das eingehende Entdecken der ungelogen besten Band der Schweiz aufs Wärmste.

Seit  26. Oktober 2007 (CH) bzw. 10.Oktober 2008 (D) im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label

Anspieltipps:
> Nur als Gesamtkunstwerk fassbar

Diskographie:
> Instarmental (1996)
> Soundtrack to an Individual Emotion Picture Mindmovie (1998)
> Zerotonine Days EP (2000)
> The Stolen View (2007)
> 090208 Split EP (2008)

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