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Laura Gibson – Beasts of Seasons
Laura Gibson – Beasts of Seasons

Laura Gibson – Beasts of Seasons

7.0

Genre: ,
Label: Souterrain Transmissions

Erstellt am: 09.09.2009
Autor:
Erstellt am: 09.09.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Wenn Wände singen könnten

„Beasts of Seasons“, das neue und dritte Album von Laura Gibson ist, trotz aller Schönheit, schwer einzuordnen. Eine Schönheit, die in einem kargen Zimmer sitzt und dich schüchtern zu sich winkt.
Im späten Herbst dieses Jahres kann man sich live von den Vorzügen Laura Gibsons überzeugen lassen. Die hübsche Dame aus Portland, Oregon, macht im Rahmen ihrer Europa-Tour gleich für vier Abende in der Schweiz halt und wird bestimmt einige offene Ohren mit ihrer sanften Stimme überzeugen können. Die Zeit bis dahin kann man sich gut mit dem schönen Folk-Pop auf „Beasts of Seasons“ vertreiben, welches neben Ramona Falls „Intuit“ das erste Release des neu gegründeten und in Berlin beheimateten Labels Souterrain Transmissions ist.

Nach dem etwas langen Einsteiger „Shadows on Parade“ klopft mit „Come by Storm“ gleich der erste Ohrwurm an die Tür. Mehr als einmal erinnert mich die Stimme von Laura Gibson an jene Julie Doirons, wobei gerade die musikalische Umsetzung bei Laura Gibson etwas pompöser daher kommt und sie viel mehr Instrumente aus der Kiste zaubert. Nebst der Gitarre untermalen Banjo, Geigen, Bläser und Piano in regelmässigen Abständen die auch textlich sehr interessanten Songs Laura Gibsons. „And how I took great care with words“, singt sie. Und das stimmt definitiv.

„Spirited“ klingt sehr lebendig und ist wohl der fröhlichste Song auf einem sonst eher melancholisch anmutenden Album. Vor allem die zweite Hälfte der Cd – welche in „Communion Songs“ und „Funeral Songs“ unterteilt ist – wirkt äusserst ruhig und nachdenklich. Doch eben gerade da überzeugt Laura Gibson ungemein und setzt mit „Glory“ einen wunderbaren Schlusspunkt. Ein Song, welcher von ihren Eltern und ihrer Schwester erzählt und sie mit stolzen und schönen Erinnerungen erfüllt: „I have never seen such glory“.

Die fünf Songs im zweiten Teil des Albums hätten meiner Meinung nach eine sehr gute EP abgegeben, da sie wunderbar miteinander harmonieren und sehr stimmig wirken. „Communion Songs“ schwächelt leider doch ein bisschen – abgesehen von „Come by Storm“. Das ganze Album an sich wirkt dadurch nicht mehr ganz so überzeugend, macht aber immer noch einen guten Eindruck. Hätte ich die Vinyl Version des Albums, würde wohl vor allem die B-Seite angekratzt werden, doch auch so drücken meine Fingerchen gern mal weiter bis zum „Funeral Song“, welcher wohl der schönste Song auf dem ganzen Album ist: „If these pale walls could sing / They would sing us a funeral song“. Laura pickt auf ihren Seiten rum, legt ihre ruhige Stimme in den Raum und zum Schluss stampfen noch ein paar Bläser zur Tür rein und machen den Song zu einem rundum gelungenen Stück.

Vielleicht stürze ich mich als Melancholiker automatisch lieber auf die „Funeral Songs“ als auf den ersten Teil des Albums, doch Laura Gibson versteht es wirklich sehr gut Themen wie den Tod („Funeral Song“), die Liebe („Sleeper), die Vergangenheit („Where have all your good words gone?“) oder die Familie („Grace“) in schöne Worte und vor allem in schöne Töne zu packen. „To let you go is to lose my balance / Is to fall into silence / Is to wait wait wait…“ („Sleeper“).

„Beasts Of Seasons“ ist ein schönes Album, welches zu jeder Jahreszeit seine Wirkung nicht verfehlt, aber bestimmt im Winter, wenn die Kälte durch die Wände drückt, besonders gut passt um sich drinnen in der warmen Stube, Tee schlürfend an die Heizung zu drücken. Es wird wirklich Zeit, dass der Sommer ausklingt.

Seit 11.September 2009 im Handel.

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Anspieltipps:
> Come by Storm
> Funeral Song
> Glory

Diskographie:
> Amends (2004)
> If You Come to Greet Me (2006)
> Beasts of Seasons (2009)

Ähnliche Künstler:
> M.Ward
> Alela Diane
> Tiny Vipers
> Julie Doiron
> Norfolk & Western
> Damien Jurado
> Mariee Sioux