Exit Music
Lambchop – Mr. M
Lambchop – Mr. M

Lambchop – Mr. M

8.0

Genre: ,
Label: City Slang

Erstellt am: 25.05.2012
Autor:
Erstellt am: 25.05.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Sir K blickt zurück

Lange Songs mit ausgedehnten Pausen und nur den Worten, die nötig sind. Die Truppe um Kurt Wagner nimmt sich Zeit, nachzudenken. Über Vergangenes. Über den verstorbenen Freund Vic Chesnutt. Und alles der Reihe nach.

Wie einfühlsam diese Musik doch ist. Und doch mitten aus dem Leben. Direkt und doch mit Schnörkeln. Die drei ersten Songs von „Mr. M“ trösten über die ungewohnt lange Zeit hinweg. Das nostalgische „If Not I’ll Just Die“ schafft es, dass trotz Streicherintro, dem Fluchen in der ersten Zeile und der Drohung im Titel uns der hohe Pathos gehalt nicht stört. Zeilen wie „Uh, I adore you / I represent your crying / Cause we were born to / We were born to rule“ darf Kurt Wagner singen, weil wir es seiner Stimme abnehmen, weil sie entsprechend musikalisch unterlegt ist und weil sie nicht aus dem Nichts kommt.

Ganz plötzlich ist hingegen Vic Chesnutt an Silvester 2010 gestorben. Kurt Wagner widmet mit „2B2“ seinem „Soulmate“ ein zurückhaltendes und furchtbar trauriges Stück. Brodelnd in den erlebnisreichen Zeilen bleibt dem Zurückgebliebenen nicht viel zu sagen: abgeschnitten, abgekürzt, aber voller Gefühl: „2B2“. Insgeheim beschreibt Wagner auch erstmals seine Art und Weise, Musik zu machen: „One man cooks with powder / One man cooks with stones“. Ich habe eine  Vermutung, wer dabei wer ist.
Ein wundervoller Übergang gelingt mit dem nachdenklich und hoffnungsvollen „Gone Tomorrow“, eine der schönsten Lambchop-Melodien überhaupt. Gerade auf den Song aufbauend folgt erstmals ein vielseitiger instrumentaler Gefühlsausbrauch, welcher alles andere als langweilig ausdrücken kann, wo selbst Wagner passen muss.

Auch beim Titelsong reichen einfache Vergleiche zu Leben und Tod und ein kurzes Aufbäumen im Refrain für die eigentliche Botschaft, die persönlich und gleichzeitig allgemein gehalten ist. Selten stark zogen sich Lambchop wie auf dem Album „Mr. Met“ bisher auf die Bildfläche im Hintergrund zurück, sprechen an und verdeutlichen, ohne dabei vorweg zu nehmen. Diesen Prozess voller Zwiespalt und genauer Beobachtungen zeigt „Nice Without Mercy“ vorsichtig und in passenden Bildern. „And the sky it opens up like candy / And the wind it don’t know my name / And the warm comes back even though I thought it would not.“

Wirklich nach vorne geblickt wird auf „Mr. Met“ nicht. „The Good Life (Is Wasted)“, eine Vearbeitung mit der Ironie in der Ungerechtigkeit glänzt mit der passenden Portion Countryschalk und Coolness und gleicht so einer Würdigung auf die Grossen dieser Musik – nicht nur wegen des vorhandenen „Hound Dogs“. Erst das abschliessende „Never My Love“ birgt die grosse Überraschung: Ein simples Liebeslied folgt der Ouverture. Und betont, was trotzdem gesagt werden muss. Mehrfach. Man nimmts ihm ab. Das sitzt!

Und sonst? Was bleibt übrig? Was lässt sich feststellen? Es ist – unter anderem – viel Zeit vergangen. „Mr. Met“ ist das Resultat und die Verarbeitung davon.

Seit 21. Februar 2012 im Handel.

> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:

> If Not I’ll Just Die
> 2B2
> Gone Tomorrow

Diskographie:
> I Hope You’re Sitting Down (1994)
> How I Quit Smoking (1996)
> Thriller (1997)
> What Another Man Spills (1998)
> Nixon (2000)
> Is a Woman (2002)
> Aw C’mon / No You C’mon (2004)
> Damaged (2006)
> OH (ohio) (2008)
> Mr. M (2012)

Ähnliche Künstler:
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> KORT
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