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Junip – Fields

Junip – Fields

7.0

Genre: ,
Label: City Slang

Erstellt am: 01.10.2010
Autor:
Erstellt am: 01.10.2010   Autor:

Neuerscheinungen

Der verlorene Sohn

Mit dem zweiten Soloalbum „In Our Nature“ schaffte es José González vor drei Jahren, uns auf hohem Niveau zu ermüden. Seine seit jeher bestehende Band Junip würzt nun die spartanischen Songs entscheidend, ohne dass man je vergessen würde, wer als Kopf und Stimme hinter Junip steckt.

„Hej Elias und Tobias, ich habe gerade plötzlichen Erfolg. Da ist dieses Cover „Heartbeats“… und jetzt die Werbung, der Videoclip und und und… Ich konnte dies wirklich nicht erahnen. Ich komme zurück, wenn der ganze Rummel vorüber ist, versprochen!“

So ähnlich könnte sich José González in unserer Vorstellung angehört haben, als er seine beiden Bandkollegen Tobias Winterkorn (Keyboard) und Elias Araya (Schlagzeug) einige Jahre auf die Ersatzbank geschickt hat, um mit seinem eigenen Namen Erfolg einzuheimsen und die Weichen für Junip zu stellen. Die Einwechslung kommt im richtigen Moment.

„In Our Nature“ wäre als Debutalbum beinahe so gut wie „Veneer“ gewesen. Abgesehen von den griffigen und zugleich berührenden Songs wie „Heartbeats“ und „Hints“ glich das zweite Album dem ersten aber leider aufs Haar. Die grosse Kunst von González ist es, die rätselhaft vertonten und minimal angedeuteten Folk-Songs in einer einzigartigen luftleeren Stimmung mit Emotionen zu füllen. Dies gelang zwar erstaunlich oft, aber war auf Albumlänge – auch wenn die beiden Soloalben nur je knapp dreissig Minuten dauerten – dann und wann auch langweilig.

Wer hätte gedacht, dass der Effekt derart gross sei, wenn die Lücken bei Junip nun mit Zwischentönen gefüllt werden? Der erste Song „In Every Direction“ brettert für González Verhältnisse nach 10 Sekunden Gitarre gleich heftig drauf los. Die Stimme ist zwar die gleiche geblieben, wirkt aber zu den vielschichtigen elektronischen Hintergrundgeräuschen von Winterkorn vordergründiger und offensiver. Um einiges   glücklicher klingt hingegen das melodiöse und sommerliche „Always“, welches zart beginnt und im Refrain uns zwingt, zur fröhlichen Weise zu hüpfen. Auch das ist neu!

Ansonsten wir die Musik von Junip weiterhin von einer repetiven Elegie dominiert, die sich textlich in schwer verständlichen Wortfolgen äussert und daher für die Hörenden auch immer Kälte ausstrahlt, wie dies das effektvolle „Rope & Summit“ oder das anschleichende „It’s Alright“ beweisen. Experimente gibt es unter anderem beim rhythmisch jazzigen „Howl“ und dem traurigen „Tide“.

Zum Abschluss sind noch zwei weitere wundervolle Songs zu erwähnen: „Don’t Let It Pass“ – welcher abgesehen von einem erst irritierenden Synthie-Einwurf auch auf einem Soloalbum stehen könnte und das folgende druckvolle „Off Point“ überzeugen mit dem Zusammenspiel von dumpfen Tönen und der aufbrausenden und pointierten Helle in Josés Stimme, welche als Markenzeichen zu diesen variantenreichen Songs noch besser zur Geltung kommt. In diesem einen Fall muss ich  sogar Schiller widersprechen, der sagte: „Einfachheit ist immer das Resultat von Reife“

Seit 10. September 2010 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

 

Anspieltipps:

> In Every Direction

> Always

> Don’t Let It Pass

> Off Point

Diskographie:

> Black Refuge EP (2005)

> Rope & Summit EP (2010)

> Fields (2010)

Ähnliche Künstler:

> José González

> Stornoway

> Steve Mason

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> Iron & Wine

> Beta Band

> Peter Broderick

> Ray LaMontagne