Exit Music
Juana Molina – Un Día
Juana Molina – Un Día

Juana Molina – Un Día

8.5

Genre: ,
Label: Domino Recordings

Erstellt am: 18.12.2008
Autor:
Erstellt am: 18.12.2008   Autor:

Neuerscheinungen

Symmetriebrüche

Mit ihrem fünften Album bewegt sich die argentinische Sängerin und Multi-Instrumentalistin Juana Molina deutlich von strukturierten Songs hin zu abstrakterem musikalischem Material.

von Andreas Kárpáti

Acht Stücke zwischen reichlich fünf und knapp acht Minuten finden sich auf dem Album. Abgesehen von einigen Passagen mit dem schottischen Gitarristen Gareth Dickson komplett von der Künstlerin selbst eingespielt.

Das Klangbild ist hell und trotz Elektronik-Einsatz warm und organisch. Die überwiegend repetitiven rhythmischen Strukturen erinnern mich ein wenig an Minimal Music nach der Art von Steve Reich. Diese Musik ist wie der Tanz von kleinen Blättern auf den Wellen eines Stroms, der sich mal ruhig und fließend dahinbewegt und dann wieder in einer Enge an Fahrt aufnimmt.

Bemerkenswert und programmatisch ist der Text des ersten Titels:

“Un día voy a cantar las canciones sin letra y cada uno podrá imaginar si hablo de amor, de desilusión, banalidades o sobre platón“. Also sinngemäß: “Eines Tages werde ich die Lieder ohne Worte singen, und jeder kann sich selbst vorstellen, worum es geht: Liebe, Enttäuschung, Banalitäten oder Plato“.

Mir ist da zunächst der aus der Physik bekannte Begriff der spontanen Symmetriebrechung eingefallen. Vielleicht auch, weil Spiegelungen ein wesentliches Merkmal der Covergestaltung des Albums ist.  Eine kleine Metallkugel auf der Mitte des nach innen gewölbten Bodens einer Weinflasche um Beispiel wird bei kleinsten Erschütterungen an den Rand rollen. Und so sind es auch bei den Stücken auf Un Día die minimalen Variationen im Fluss der Musik, die den Strom der Gedanken und Empfindungen in die eine oder andere Richtung lenken.

Was man übrigens dieser Musik nicht ohne weiteres anhört: Dass Juana Molina eine begnadete Bühnenkünstlerin ist.  Eine der wenigen, die sich ohne zusätzliche Mitspieler mit Gitarre, Mikrofon, Keyboards und einer Unzahl von Pedalen sicher bewegen können, ohne dass man den Eindruck hat, eine Art Zirkusnummer vorgeführt zu bekommen. Sie verheddert sich nicht in  technischen Spielereien. Die Musik atmet ganz natürlich. Die bindende Resonanz zwischen Künstlerin und Zuhörer bleibt bestehen.

Seit 3. Oktober 2008 im Handel.

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Anspieltipps:
> Un Día
> Los Hongos De Marosa

Diskographie:
> 1996 Rara
> 2000 Segundo
> 2002 Tres Cosas
> 2006 Son

Ähnliche Künstler:
> Adem
> The Books