Exit Music
Jordie Lane – Sleeping Patterns
Jordie Lane – Sleeping Patterns

Jordie Lane – Sleeping Patterns

9.0

Genre: , ,
Label: Vitamin Records

Erstellt am: 02.09.2009
Autor:
Erstellt am: 02.09.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Wenn ein Rumtreiber zur Ruhe kommt

Jordie Lane bringt es auf seinem ersten Soloalbum fertig, nüchtern und wach genug zu bleiben, um die Gedanken und Erinnerungen, die ihn beim Einschlafen bewegen, zu vertonen. 

von Philip Leu

Die Referenzen, die herangezogen werden, um Jordie Lanes erstes Album zu beschreiben sind einschüchternd. Leonard Cohen und Townes Van Zandt sind dabei, jemand nannte ihn das Bindeglied zwischen Hank Williams und Ryan Adams und natürlich taucht Bob Dylan auf, der jedesmal als Einfluss herhalten muss, wenn ein Musiker eine Mundharmonika auch nur in die Hand nimmt. Solche Vergleiche zeigen vor allem die Hilflosigkeit der Kritiker. Denn hier kommt ein Junge, 25 Jahre alt, aus Melbourne mit Hut und einem Bart, der wie angeklebt aussieht und singt mit einer solch mühelosen Sicherheit Lieder voller Weisheit und Melancholie, die viele der genannten Künstler erst in ihrem Spätwerk erreichten.
Diese junge Weisheit erklärt sich teilweise mit Jordie Lanes musikalischer Biographie. So klimperte er der Legende nach bereits im Alter von vier Jahren auf der Ukulele, mit neun Jahren auf der elektrischen Gitarre und am Ende der Grundschule hatte er seine ersten Band gegründet. Diese Tempo behielt er bei. So hat er die meisten Stücke auf Sleeping Patterns vor seinem einundzwanzigsten Lebensjahr geschrieben, die letzten vier Jahre daran herumgefeilt und an zahlreichen Festivals und Auftritten in kleinen Klubs erprobt, um sie dann in nur fünf Tagen aufzunehmen. In derselben Zeit hat er zwei LPs („Ill Communication“ und „Lovers Ride“) und eine wunderbare Platte zusammen mit Tracey McNeil  unter dem Namen Fireside Bellows mit dem Titel „No Time To Die“ aufgenommen.

Der Titel des Albums ist nicht zufällig gewählt, so sagte er neulich in einem Interview: Ever since I was born I have loved staying up as late as I could, and being a full time muso means I can still do that… So it should be pretty obvious that I hate mornings… Beim Hören des Albums kann man sich förmlich vorstellen, wie Jordie Lane, nach einer langen Nacht und reichlich angeheitert, ins Bett steigt und die Geschehnisse seines Alltages als Backpacker zu ordnen versucht, indem er diese, wie in „War Rages On“, in wunderbare Vergleiche packt: dogs fornicating in the main street of town, like street clowns putting on a show for the crowd that surrounds, um sie dann zu allgemeineren Aussagen zu verarbeiten: On the road you put your trust in strangers and take wrong turns, with too much time to think and far too many drinks, but i like the way the whisky burns.

Je weiter diese Einschlafphase vorrückt, umso persönlicher werden die Texte, umso weiter entfernt er sich von dem beinahe erhabenen Herumtreiber, legt Bart und Hut ab, wird schliesslich ganz Mensch, nüchtern und angreifbar für die Einsamkeit der Nacht und durchbricht schliesslich die Wand, welche ihn von der Person des Tages trennt. Vieles bleibt angedeutet, Traum und Wirklichkeit verwischen, wenn er etwa im letzten Lied vom Abschied von seiner Mutter singt, ob durch Alzheimer oder Tod bleibt ungewiss: I lost my mother not too long ago, somebody stole her mind, now me she do not know.
Jordie Lane ist diese Zwischenwelt sichtlich vertraut, so antwortet er auf die Frage, ob sich seine Weigerung, sich den konventionellen Schlafgewohnheiten zu unterwerfen, auf seine Musik auswirke:
Oh most definitely! You tend to have different phases of drowsiness, then manic bursts, then dark thoughts. These are all complimented by the fact that you get this overwhelming feeling that you have the power of the whole world all to yourself when everyone else is sleeping, like some hippy spiritual thing, tapping into some kind of unseen energy source.

Diese Phasen des Einschlafens, die zwischen manischen Ausbrüchen und dunklen Gedanken pendeln, fasst Jordie Lane in wunderbare Anekdoten, vorgetragen mit einer zeitlosen, fordernden Stimme, der man sich nicht verschliessen kann.

Seit  12. Juni 2009 im Handel.

Anspieltipps:
> War Rages On
> I Could Die Looking At You
> Fell Into Me
> Love Has Locked The Door

Diskographie:
> Ill Communication (2005)
> Lovers Ride (2006)

Ähnliche Künstler:
> Townes Van Zandt
> Hank Williams
> The Louvin Brothers
> Old Crow Medicine Show