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John Dear – Far Down The Ghost Road
John Dear – Far Down The Ghost Road

John Dear – Far Down The Ghost Road

9.0

Genre:
Label: Irascible Music

Erstellt am: 10.03.2015
Autor:
Erstellt am: 10.03.2015   Autor:

Rezensionen

Dreckig, rostig und rau

Im November 2014 erschien das erste Studioalbum von John Dear. Ist schon wieder ein Weilchen her und dennoch muss man da nochmal nachhaken oder -hören. John Dear sind zwei Gesichter aus Lausanne, Catia Bellini und William Wuhrmann, die kein Blatt vor den Mund nehmen. 

Gibt man in irgendeiner Internetsuche John Dear ein, kommt ein Schnulz-Schmalz-Film von Nicholas Sparks‘ Feder, irgendein Priester mit einem lustigen Haarschnitt und der Hinweis, dass man John Deere (das Non plus ultra der Bauernszene) falsch geschrieben hätte.

John Dear hat mit all dem wenig am Hut. Alles andere als schnulzig, alles andere als kirchlich und alles andere als bäuerlich. John Dear machen klassischen Blues-Rock. Mit klassisch meine ich das gute, alte, ungeschliffene, dreckige. Heavy Dance macht den Anfang. Schliesst man die Augen, findet man sich irgendwo in einer trockenen Gegend, die Sonne brennt einem auf den Grind und Staub bleibt auf den Schweissperlen kleben. Ächzende Zufriedenheit in der Freiheit. Mit Beautiful & Damaged gehts weiter. Der Songtitel sagts schon, wunderschön und zugleich kaputt und rau. Eine Lobeshymne an Amerika. Ernst zu nehmen? Naja, das muss jeder selber wissen. Wichtig ist der Sound und der stimmt. Auf der Scheibe geht es schmutzig weiter: rostig, staubig und rau. Gut ist es so. John Dear zeigen uns, dass es für die Essenz des Rock ein Schlagzeug, eine Gitarre und eine Stimme braucht, die Geschichten erzählen können. Nicht mehr, nicht weniger. John Dear Is erinnert stark an die Black Keys mit Howlin‘ For You. Bei The Ghost Road hört man eine ruhigere instrumentale Seite vom Duo, ruhiger ohne seicht zu wirken.

Im gleichen Stil geht es weiter auf Far Down the Ghost Road. Jeder Song funktioniert, sogar die Gewehrschüsse am Ende von Gunshot Wedding. Es macht schlicht und einfach Laune, den vermeintlichen minimalen Riffs zu lauschen. Ist man selbst zu weich und strukturiert, holt man sich die Portion Rock n‘ Roll von John Dear. Ganz schweizerisch wird es dann wieder bei Federer, eine Hommage an Rafael Nadal. Was? Nein, natürlich nicht. Eine Hommage an unseren Mr. Swissness, Zwillingsproduzent und besten Tennisspieler aller Zeiten (ist ja klar oder). Van Horn rundet eine gelungene Platte ab und drückt einem nochmal ein finales Statement ins Gesicht:

John Dear ist Rock.

Wir findens drecking, rau und saugut. Wer die Black Keys mag, die White Stripes oder Jack White, der ist mit dem Schweizer Duo John Dear hervorragend bedient.

Seit 7. November 2014 im Handel.