Exit Music
JJ Grey & Mofro – Orange Blossoms
JJ Grey & Mofro – Orange Blossoms

JJ Grey & Mofro – Orange Blossoms

9.0

Genre: ,
Label: Alligator Records

Erstellt am: 25.09.2008
Autor:
Erstellt am: 25.09.2008   Autor:

Neuerscheinungen

Von schwarzen Sonnenbrillen und orangefarbigen Blüten

Als 2001 unter dem Namen Mofro das erste Album „Blackwater“ veröffentlicht wurde, liess dies schon vorahnen, welchen musikalischen Werdegang die Band rund um JJ Grey und Daryl Hance einschlagen werden würde. Blues, Soul und Funk sollte es sein – alles Zutaten, die unter Symbiose das perfekte Ganze bilden.

2004 folgte mit „Lochloosa“ ein ausgzeichneter Nachfolger, der sich gegenüber dem Erstling noch steigern konnte. Drei Jahre später dann der äusserst radikale Wechsel des Bandnamens von Mofro zu JJ Grey & Mofro, der Sound wurde aber glücklicherweise beibehalten. Nach dem im Jahre 2007 erschienen „Country Ghetto“ gelangen wir dann auch allmählich in die Gegenwart zum Objekt der Begierde dieser Besprechung, „Orange Blossoms“, auf dem Grey’s Stimme nach wie vor den Soul serviert, zu dem der Rest der Band den Blues dazwischen „funk-t“.Der Opener und Titeltrack fängt dann auch schon sehr rythmisch an, die Männer in einer Reihe den Frauen gegenüberstehend – Hüte zieren die Köpfe und schwarze Sonnenbrillen untermalen den Coolnessfaktor – möchte man meinen die Bluesbrothers seien wieder in göttlicher Mission. Selbstbewusst bewegen sich die Köpfe auf – und abwärts, dazu die Füsse am Wippen. Gegenüber schnippen die Frauen mit den Fingern, gefährlich wirkende Blicke fliegen durch den Saal, bis man einfach nicht mehr anders kann, als sich tanzend der Musik zu ergeben, die durch rhythmische Bluesgitarren, Drums, Bass und Bläser auf sich aufmerksam macht. Wie einst bei Lynyrd Skynyrd wird auch hier hochkarätige Südstaatlerstimmung versprüht.Nach einer dezenten Tanzeinlage werden wohl einige müde, geschafft und ausgelaugt nach Hause müssen, wo auch gleich ein weiteres Schmuckstück auf sie wartet: „The Truth“. Natürlich wissen wir mittlerweile über die utopische Funktion dieses Wortes Bescheid, was Grey aber nicht daran hindert, one step closer to the truth zu kommen. Der Song hält sich musikalisch sehr ruhig und untermalt – an eine Soulballade aus den 70ern erinnernd – auf leicht melancholische Weise den Ausflug des Sinnierenden in die Denkerstube. Nach ein paar Tassen Kaffee, ordentlich mit dem „Good Stuff“ gefüllt, setzt man die Stube dann auch kompromisslos „On Fire“ und rockt mit der Musik, die in diesem Fall ein Untertan des Gottes Funk ist, glatt ins Nirvana. Der Song trumpft mit einem Killerbass auf und Grey’s Gesang wirkt sehr erdig. Gegen Ende bekommt man dann auch noch den Marsch geblasen, aber das stört natürlich nicht, denn Trompeten sind auch hier nicht wirklich verkehrt und kennzeichnen in gewissem Sinne die durchaus gelungene Produktion. Nun, auf unserer Reise „oben“ angekommen, darf man jedoch auch nicht vergessen, „the Higher You Climb, the further you fall“ und somit wird man – immer noch begleitet von Funk und seinem Rock – wieder auf den Boden der Tatsachen geholt und je nachdem wie viel man vom sogenannten „Good Stuff“ in seine Tasse gekippt hatte, mit einem Kater (oder zwei…) langsam aber wieder von den Toten erweckt.
Früh am Morgen, „Dew Drops“ sind noch nicht getrocknet und musikalisch befinden wir uns beim Highlight des Tonträgers. Hauptprotagonisten sind Grey’s Stimme, das „Hammond B3 Organ“ – welches auch gleich für die Frische des eher ruhigen Liedes sorgt und den anderen im Hintergrund die Show stielt –, Streicher, Mundharmonika und ein paar Gitarren. Der Song kommt mit einer Gänsehautstimmung daher, öffnet die Türen zu weiteren Horizonten und resümiert in seiner ganzen Fülle einen Trip, bei dem man von Noten getragen durch Musiklandschaften schwebt und auf einer Tonleiter wieder problemlos zurückfindet.

Die Musiklandschaften verlassen, muss man natürlich auch erwähnen, dass es gewisse textliche Stellen gibt, die dem Album hin und wieder einen leicht naiven Ton aufdrücken. Alles in allem sollte dies der Konsistenz der Scheibe trotzdem keinen Abbruch tun.

Wer nun im Sumpf dieser Wörterketten stecken geblieben ist, sich aber an der im letzten Jahr erschienene Platte „The Scene Of The Crime“ von Soulsängerin Bettye LaVette unterstützt von den Southern Rockern Drive-By Truckers erfreuen konnte, der sollte sich hier bei Gelegenheit selbst mal ein Ohr verschaffen – besser wären jedoch zwei – und sich dieser Kontribution zur Welt der Klänge, Rhythmen und Melodien annehmen. Und sollte jetzt noch eine Übersetzung des hier vorliegenden Textes nötig sein: Grey & Co. heizen die allmächtige Musikbude ordentlich ein, wer bis hierhin gelesen hat, wird gleich von den Männern in blauer Uniform in einen Plattenladen eingesperrt.

Seit 26. August 2008 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label

Anspieltipps:
> Orange Blossoms
> On Fire
> Dew Drops

Diskographie:
> Blackwater (2001)
> Lochloosa (2004)
> Country Ghetto (2007)
> Orange Blossoms (2008)

Ähnliche Künstler:
> Northern Mississippi Allstars
> Galactic
> Bettye LaVette & Drive-By Truckers
> Grace Potter & The Nocturnals