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J. Tillman – Year in the Kingdom
J. Tillman – Year in the Kingdom

J. Tillman – Year in the Kingdom

7.0

Genre: ,
Label: Bella Union

Erstellt am: 28.09.2009
Autor:
Erstellt am: 28.09.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Ein fleissiges Bienchen

Die Arbeitsmoral von J. Tillman scheint ungebremst. Gerade mal knapp acht Monate sind seit seinem letzten Album „Vacilando Territory Blues“ vergangen. Nun folgt mit „Year in the Kingdom“ bereits sein sechstes Werk.

„Year in the Kingdom“ ist das einzig mir bekannte Album von J. Tillman. Wenn ich mir aber die Rezension meiner Kollegin Isabel zu seinem letzten Album so durchlese, bekomme ich den Eindruck, dass sich bei J. Tillman musikalisch und textlich zwischen den zwei Alben nicht viel verändert hat.

J. Tillman ist wirklich mit einer wunderbar sanften und anmutigen Stimme ausgestattet. So wundert es nicht, wenn die besten Momente auf „Year in the Kingdom“ jene sind, in denen sein Gesang einzig von einer akustischen Gitarre oder einem Banjo begleitet wird. „J.“ steht übrigens für Joshua. Das mag vielleicht nicht jeden interessieren, denn schliesslich geht es hier ja um die Musik, doch wo immer ich einen Namen mit „J“ abgekürzt sehe, erhebt sich in mir das Bedürfnis heraus zu finden, wofür dieses „J“ denn steht. Grund dafür ist eine nur langsam auskurierende „Gelbsucht“. Es gibt diese eine Folge, in der Homer J. Simpson mühevoll versucht eben genau das herauszufinden, nur um dann zu erfahren, dass sein zweiter Vorname „Jay“ ist. Doch zurück zum Album…

Der Opener und Titelsong rückt J. Tillman’s Stärken gleich in ein sehr gutes Licht. Stimme und Gitarre wirken unglaublich lieblich und man wünscht sich, dass es die ganze Zeit so weiter gehen könnte. Doch schon der zweite Song „Crosswinds“ wirkt um einiges nervöser und der Anfang, mit den Flöten klingt so, als ob ein halbes dutzend Kinder in einen Topf voll Kaffee gefallen wären und nun ihre Flöten wild traktieren würden. Zum Glück wird es dann aber doch wieder ein bisschen ruhiger, doch der ganze Song wirkt mit dem zusätzlichen Einsatz einer Harfe und den vielen Background-Oooh-oooh-oooh’s eher etwas unharmonisch.

Ähnliche Wege geht das anschliessende „Earthly Bodies“. Hier ist es vor allem das Piano, welches den Song animierend nach vorne treibt. Zusätzlich zu den Oooh-oooh-oooh’s gibt es dann auch noch ein paar Dooh-dooh-dooh’s und ein nettes Tamburin zu hören. Vieles auf „Year in the Kingdom“ klingt irgendwie ein bisschen unfertig und macht den Eindruck einer lockeren Jam-Session, wie zum Beispiel „Though I Have Wronged You“, bei dem sehr viel gesummt wird und ab und zu ein paar Gitarren-Akkorde, die Harfe oder ein paar Pianotupfer, die so klingen als ob eine Katze übers Piano laufen würde, wild dazwischen funken.

Ein weiteres Highlight ist, das nur auf einem Banjo gespielte „Age of Man“. Wie schon beim Titelsong kommt J.Tillmans Stimme wunderbar zur Geltung und bestätigt noch einmal den Eindruck, dass weniger oft mehr ist.

„Year in the Kingdom“ ist ein tolles Album, von welchem man sich aber doch gewünscht hätte, dass viele der Songs etwas weniger instrumentiert wären. Der Einsatz von zu vielen Instrumenten wirkt bei einer so klaren und schönen Stimme, – wie sie J. Tillman hat – manchmal einfach überflüssig und nervtötend. Doch in Momenten, in denen seine Stimme einsam vorantreibt, überzeugt J. Tillman ungemein und versteht es wunderbar, seine schönen und naturverbundenen,  manchmal fast spirituellen Lyrics („Marked in the Valley“) in wirklich starke Songs zu packen.

Seit 18. September 2009 im Handel.


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Anspieltipps:
> Year in the Kingdom
> Age of Man
> Marked in the Valley

Diskographie:
> I Will Return (2005)
> Long May You Run, J. Tillman (2006)
> Minor Works (2006)
> Cancer and Delirium (2007)
> Vacilando Territory Blues (2009)
> Year in the Kingdom (2009)

Ähnliche Künstler:
> Damien Jurado
> Bowerbirds
> Fleet Foxes
> Shearwater
> The Tallest Man On Earth
> Horse Feathers
> Great Lake Swimmers