Exit Music
Hooverphonic – The President Of The LSD Golf Club

Hooverphonic – The President Of The LSD Golf Club

4.0

Genre: ,
Label: PIAS

Erstellt am: 03.03.2008
Autor:
Erstellt am: 03.03.2008   Autor:

Neuerscheinungen

Hooverphonic saugen ihre Teppiche gar proper.

Nette Musik aus Belgien, nett vorgetragen. Nett, gewiss, aber wohin hat sich die Inspiration verflüchtigt? Oder ist das alles nur LSD-Rausch?

Geschätztes Auditorium,

wie lautet doch noch einmal eine Textpassage in ‚50 Watt’? „Oh no[,] it’s not a catastrophe …“. Schon wahr, keine Frage, das ist einzugestehen. Als alter Trip-Hopper der ersten Stunde freuen wir uns über die bisweilen erstaunliche Dichte des Sounds, die wonniglichen Melodien und ziehen den Hut dezent ob der sängerischen Leistung Geike Arnaerts (‚Billie’, Strictly Out Of Phase) (ohne für einmal auf ihre offenbar allenthalben zwingend zu rühmende spektakuläre Schönheit zu verweisen).
Anhand von ‚Gentle Storm’ lässt sich vielleicht am ehesten das Dilemma der anzuzeigenden Song-Sammlung (mit einer Ausnahme, wie auseinanderzusetzen ist) verdeutlichen: Eine süsse Melodie, im Vergleich zu den letzten Veröffentlichungen erfreulicherweise entschlackt, lieblich, geleckt und politisch korrekt im geschlechtlich gemischten Duett dargeboten, lässt den Zuhörer sanft im Takt wiegen. Horch, Streicher, akustische Gitarre, Geflötle – und flugs entfleuchen wir in eine Wellness-Beauty-Konsum-Welt, nicken ein und sind es zufrieden. Selbst die Rhythmuswechsel rütteln nicht auf, zu zaghaft sind sie eingesetzt. Wir ermangeln der zündenden Idee, der Schärfe, einer unerwarteten Wendung. Was performed wird, ist derart soft und mollig, dass jedwede Kritik gleichsam im Wuschel-Sound versinkt.
‚The Eclipse Song’ überrumpelt – ha! – den geneigten, bereits eingelullten Hörer mit Querflöten-, Hammondorgel- und gefälschtem Cembalo-Einsatz. Wiederum: All dies tönt harmonisch, rund, verzärtelt, doch ebenso gnadenlos dröge. Gerne bestätigen wir, dass die Hooverphonics „still too much love“ (‚Billie’) geben – und präzise dies ist das Problem. Wie wär’s mit etwas weniger Liebe, dafür umso mehr Kreativität und Wagemut? Niemand verlangt nach rasanten Tempi, aber etwas animierter (etwa als ‚Black Marble Tiles’) dürfte es schon sein.
Selbstverständlich vermag man sich der feenhaften Stimme Arnaerts nicht zu entziehen, aber Ähnliches finden wir – mit Verlaub – notfalls bei Enya, Dido, Ternheim, Marlin und Konsorten gleichfalls.
Entschädigt wird der tapfere, da sich einigermassen wach gehaltene Hörer mit ‚Bohemian Laughter’: Endlich, endlich stellt sich Eindringlichkeit, Ergriffenheit ein. Instrumente – eine Gitarre, heureka!, eine entschiedener gezupfte Gitarre! – und Stimme ergehen sich nicht in lauwarmer Einigkeit, sondern necken sich, erzeugen Spannung; die Portishead-Allusion ist nicht zu bestreiten. Das dunkle Timbre des Gesangs packt, bis ein Gitarrensolo – an Massive Attack gemahnend – den Song ans Ende trägt, das hinwiederum mit einem Klanggefusel à la entschärftem ‚Eisbär’ Grauzones finalisiert wird. Davon, ja davon hätten wir uns mehr gewünscht.

Unsere Ansicht: Man höre und beurteile all dieses selbst. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit.

 

Seit 29. Februar 2008 im Handel.