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High On Fire – Luminiferous
High On Fire – Luminiferous

High On Fire – Luminiferous

8.0

Genre: ,
Label: Century Media/Universal

Erstellt am: 19.06.2015
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Erstellt am: 19.06.2015   Autor:

Rezensionen

Unbequem

Nachdem in den letzten Jahren Bands wie Baroness oder Mastodon den Sludge Metal zum Spielfeld des denkenden Menschen gemacht haben, holt sich mit „Luminiferous“ endlich das Proletariat seine Musik zurück.

Schon vergessen, dass Mastodon auf einem High On Fire-Konzert gegründet wurden? Während die eigenen Epigonen der Schöngeistigkeit verfallen sind und amateurhafte Sludge-Metal-Bands wie halluzinogene Pilze aus dem Boden schießen, rücken die alten Haudegen von High On Fire mit ihrem siebten Album alles wieder gerade. Das räudige Trio von der Westküste macht seit Ende der Neunziger schon Musik für Menschen auf jeglicher Art von Brettern oder motorisierten Zweirädern. Die No-Bullshit-Punk-Attitüde der Truppe um  Stoner Rock-Veteran Matt Pike (Sleep) kam aber selten besser zur Geltung als auf diesem teuflisch gut unterhaltenden Album.

„Luminiferous“ handelt von Chemtrails und reptilienhaften Aliens, die uns beherrschen, von Staub und Morast und natürlich vom Lichtbringer persönlich. Hinter einem Cover, das selbst für die frühen Iron Maiden nicht zu abstoßend gewesen wäre, gibt es dreckigen Sludge Metal der griffigsten Sorte. Was auch immer High On Fire dazu bewogen hat, derart eingängige Strukturen zuzulassen – es war die bestmögliche Entscheidung. Viel Variation gibt es zwar nicht, aber in gewissen Grenzen ist eine Menge drin: Psychedelisches Laut-Leise-Spiel nach Vorbild von Neurosis („The Cave“) geht genau so tief ins Mark wie die  unglaublich eingängige Stoner-Hymne „The Falconist“. Da schmerzt der ein oder andere wirre Track („Luminiferous“) kaum.

Produziert hat das ganze Hardcore-Superheld Kurt Ballou. Und der hat den unglaublich wilden Songs des Trios einen erdigen, aber dennoch sehr fokussierten Klang verliehen. Die monströsen Gitarren klingen nach ordentlich Diesel im Tank, sind aber zu keinem Zeitpunkt zu verzerrt. Dazu kommen die gewohnt urwüchsigen und treibenden Drums. Das voluminöse Instrumental-Fundament scheint aber trotz einiger hervorragender Solos zumeist Begleitwerk zu sein für Matt Pikes meisterhafte Vokal-Attacke. Keine Hook ist zu melodiös, kein Breakdown zu aggressiv für den Mittvierziger aus Kalifornien. Pike gibt sich live gern als jähzorniger Oben-ohne-Wüterich, ist hier aber in jedem Moment überzeugender Chef de Mission.

High On Fire haben sich mit „Luminiferous“ an die Spitze gespielt. Wer nur ein Metal-Album pro Jahr braucht, wird hier definitiv fündig. Spätestens wenn es zum neun-minütigen Schlussakt in die „Lethal Chamber“ geht ist klar: Diese neun verrauchten, hitzigen Songs verkörpern Metal in seiner absoluten und unverfälschten Form.  Ein Monument.