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Hauschka – Versions Of The Prepared Piano
Hauschka – Versions Of The Prepared Piano

Hauschka – Versions Of The Prepared Piano

9.0

Genre: , ,
Label: Karaoke Kalk

Erstellt am: 04.07.2007
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Erstellt am: 04.07.2007   Autor:

Neuerscheinungen

Zeitgenössische Kunst

Intelligente und wunderschöne Remixes des Albums ’Prepared Piano’ eines Düsseldorfer Klaviervirtuosen namens Volker Bertelmann alias Hauschka.

Volker Bertelmanns Album ’Prepared Piano’ aus dem Jahre 05 ging an die Grenzen eines Instruments. Experimentierfreudig wie ein Chemielehrer entlockte er dem Klavier mittels unkonventionellen Methoden (die Saiten sind mit Klebeband, Filz, Plastikfolie u.ä. präpariert) ungewohnte, filigrane und teils brachiale Töne. Dieses Material wurde nun von namhaften Künstlern der zeitgenössischen Elektroszene überarbeitet, verändert, erweitert, umgebaut und interpretiert. Was dabei herauskam, setzt die Remix-Messlatte auf ungeahnte, kaum mehr erreichbare Höhen. Die Platte hat zwei Gesichter. Einerseits wirkt sie teilweise derart zart, verletzlich und zerbrechlich, dass man beinahe Angst bekommt, wenn man das Teil ohne Samthandschuhe hört. Andererseits kann sie kräftig verwirren, grotesk, ziellos und zersträubt wirken. Ich hab mich tatsächlich mal beim Gedanken an Mouse on Mars erwischt (Nobukazu Takemura), obwohl diese doch eine etwas ’härtere’ oder ’kränkere’ Gangart einschlagen. Hauschka hatte eigentlich den Wunsch, dass seine Stücke gesanglich interpretiert werden. Nicht alle Künstler haben sich daran gehalten, doch das soll hier niemanden stören. Die Gesangsparts sind, wie die Musik an sich, sehr, ja beinahe enorm dezent, sanft und zurückhaltend. Keine schweren Beats, keine Wutausbrüche, keine Genickbrüche, aber trotzdem ordentlich Ecken und Kanten. Die elektronische Manipulation verleiht dem Klavier ein ganz neues, teilweise sehr dissonantes Gesicht. Jeder Künstler hat seine eigenen Ideen und Vorstellungen voller experimentierfreude in die Stücke gesteckt, was das Album sehr abwechslungsreich und vielseitig macht. Man kann jeweils versuchen zu vergleichen, wie die einzelnen Musiker mit dem doch ziemlich komplexen Material umgingen und was sie daraus gemacht haben. Da spielt teilweise ganz scheu Pop mit, trotzdem richtet sich die Platte an eine sehr anspruchsvolle, musikalisch versierte Klientel. Ich kann eine gewisse Überforderung nicht leugnen. Die verspielten Kleinst-Loops, der asiatische Minimalismus, und der siedenfeine Gesang gepaart mit der eigenwilligen Vorlage von Hauschka’s eigenartigem Piano ergibt eine minimalistische, verspielte und komplexe Klangkulisse, die Herz und Kopf gleichermassen berührt.

Seit 27. April 2007 im Handel.