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Grizzly Bear – Veckatimest
Grizzly Bear – Veckatimest

Grizzly Bear – Veckatimest

8.5

Genre: , , ,
Label: Warp Records

Erstellt am: 22.05.2009
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Erstellt am: 22.05.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Schatzinsel

Grizzly Bear kehren mit ihrem dritten Album in aller Vertrautheit zurück. Wiederum wagen sie den Grenzgang zwischen Überschwang und Zurückhaltung – und wieder gelingt er.
Wer die drei Jahre seit Erscheinen von “Yellow House“ dazu genutzt hat, um sich mit den verwunschenen Klangwelten von Grizzly Bear bekannt zu machen, dürfte mit “Veckatimest“ ein traumhaftes Musikerlebnis erwarten. Da schwirren und flirren allerorten Klänge und Stimmungen, die irgendwie und eben doch nicht bekannt sind. Dieses seltsame Gefühl der Vertrautheit stellt sich bereits beim einleitenden “Southern Point“ ein: Dieses Psychedelic-Folk-Prog-Rock-Gemisch hört sich an, als ob sich Arthur Lee und Steve Howe zu den Bären aus Brooklyn dazu gesellt hätten.

„Two Weeks“ gewinnt Hörerherzen mit seinem unvergesslichen Refrain am schnellsten, die anderen Stücke bahnen sich ihren Weg dahin etwas langsamer, reichen dafür aber tiefer. Nach und nach treten unscheinbare Schönheiten wie “All We Ask“ oder „Dory“ in das Rampenlicht und können dort schliesslich ganz einnehmend wirken. Hätte nach einem ersten Durchgang noch vermutet werden können, dass “Veckatimest“ nach zwei sagenhaften Stücken etwas abgeben würde, so festigt sich bald ein gegenteiliges Empfinden.

Das ist auch darauf zurückzuführen, dass Grizzly Bear weiterhin eine Vielfalt an Stilen und Instrumenten zur Kreation ihrer eigenen Klangwelten nutzen. Nicht immer begeistert das im ersten Moment: “I Live With You“ klingt mit Kinderchor und Bombast-Gitarrenriffs ziemlich pathetisch und erinnert entfernt an 70s-Prog-Rock-Bands, aber schliesslich gibt es hier mit dem Streicherarrangement ein Element, das selbst diesen einzigen möglichen Skip-Kandidaten zum Favoriten werden lässt.

Ganz allgemein gibt es hier, anders als noch bei “Yellow House“, vor allem zahlreiche einzelne Elemente und Momente, die spontan für Begeisterungsstürme sorgen und denen man später sprichwörtlich entgegen fiebert. Wie “Ready, Able“ sich selbst in verträumte Himmel hochhebt oder “All We Ask“ in seiner letzten Minute ausklingt, das sind nur einige dieser wundervollen Momente, die es in jedem der zwölf Stücke zu entdecken gibt

Anders auch als beim letzten Album scheinen Grizzly Bear hier in der Regel relativ zielgerichtet zu spielen, in Songs wie “Two Weeks“ oder “While You Wait For The Others“ zeigen sie sich pop-affiner und damit zugänglicher als zuvor. Nichtsdestotrotz ist “Veckatimest“ ebenso wie der Vorgänger ein Album, das lange nichts, wenn überhaupt, von seiner Kraft und Magie einbüssen wird. In seinem Ideen- und Klangreichtum steht es dem grossartigen Vorgänger in nichts nach – und mein Urteil lautet bereits wie beim Vorgänger: ziemlich sicher eins der originellsten und besten Alben dieses Jahres.

Seit 22. Mai 2009 im Handel.

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Anspieltipps:
> Southern Point
> Ready, Able

Diskographie:
> Horn of Plenty (2004)
> Yellow House (2006)
> Veckatimest (2009)

Ähnliche Künstler:
> Panda Bear
> Beach House
> Department of Eagles
> Mercury Rev

Inspiration
> Beach Boys
> Nick Drake
> Love