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Godspeed You! Black Emperor – Allelujah! Don’t Bend! Ascend!
Godspeed You! Black Emperor – Allelujah! Don’t Bend! Ascend!

Godspeed You! Black Emperor – Allelujah! Don’t Bend! Ascend!

8.0

Genre:
Label: Constellation Records

Erstellt am: 22.10.2012
Autor:
Erstellt am: 22.10.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Mit dem Ausrufezeichen im Namen

Es dauert beinahe sieben Minuten, bis die schier zerreissende Spannung in Freude wechselt. Es dauerte zehn Jahre, bis man das endlich wieder erleben darf. Und es brauchte das 20-minütige „Mladic“ dazu.

Überall, wo man hinliest: Godspeed You! Black Emperor scheinen eine Ausnahmestellung zu haben. Wenn eine Band eine Platte wie „Lift Yr. Skinny Fists Like Antennas to Heaven” aufnimmt, hat sie sich diese auch verdient. Und wer bereits 1997 ein Album veröffentlicht wie “F#A#∞”, der sowieso. Pioniere des Postrocks sind sie – genauso wie Mogwai. Hatten dabei aber schon immer einen ganz anderen Ansatz. Die Band aus Montreal machte nicht nur Musik im eigentlichen Sinn – sie ging weiter. Vielleicht wirken deshalb einige Stimmen zur plötzlich ganz schnell da gewesenen Platte „Allelujah! Don’t Bend! Ascend!” ein bisschen, nun ja, eben auch vorschnell. Daran gemessen, dass dieses Kollektiv, wenn man es denn auch so bezeichnen darf, rund um dessen Kopf Efrim Menuck, den man eigentlich nicht so bezeichnen darf, ganze zehn Jahre brauchte, dürften diese Reaktionen verständlich sein. Und daran gemessen, dass „Mladic“ alleine bereits das Geld und das Warten wert war, gibt es auch nichts daran zu kritisieren.

Tatsache ist: „Allelujah! Don’t Bend! Ascend!” ist mehr Musik als auch schon. Das mag angesichts zweier 6-minütiger Drone-Stücken erst einmal seltsam klingen, gerade solche Passagen unterbrechen aber die beiden langen Kernstücke des Albums diesmal nicht. Auch keine sprechenden Menschen. Der Band wird oft attestiert, sie sei besonders politisch und oft auch dagegen. Daraus lässt sich gut Stoff für Hintergrundgeschichten gewinnen – für die Musik auf „Allelujah! Don’t Bend! Ascend!” bleibt dieser Aspekt aber irrelevant. Während „Mladic“ als ein ganzes Stück brilliert, besteht „We Drift Like Worried Fire“ aus mehreren Teilen. Man könnte auch sagen, es gibt irgendwo in der Mitte einen spürbaren Schnitt. Danach klingt es wieder so mythisch und bedrohlich, dass man halt doch das Weltgeschehen hineininterpretieren möchte. „Mladic“ tut mit einem orientalischen Touch sein Übriges dazu.

Aber eben, und da wiederholen wir uns gerne, es geht vielmehr um die Musik. Und während Postrock einmal aufregend war, eine Zeit lang an Innovation verlor und sich besonders dank Mogwai und Explosions in the Sky wieder zurückgekämpft hat, sind zehn Jahre vergangen. So mag die Musik von Godspeed You! Black Emperor heute nicht mehr so überraschend sein, vorschnell waren die Reaktionen trotzdem nicht. Weil die Band mit diesem Album immer noch mutig bleibt. Weil sie keine Songs schreibt und dennoch nie vergisst, Musik zu machen. Sie ist musikalisch fassbarer geworden, weil sie kaum mehr unfassbarer werden konnte. Es ist schlicht toll, sie wieder zu haben: Die Band mit dem Ausrufezeichen im Namen.

Seit  16. Oktober 2012 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label

Anspieltipps:
> Mladic
> We Drift Like Worried Fire

Diskographie:
> F#A#∞ (1997)
> Lift Yr. Skinny Fists Like Antennas to Heaven (2000)
> Yanqui U.X.O. (2002)
> Allelujah! Don’t Bend! Ascend! (2012)

Ähnliche Künstler:
> Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra
> Explosions in the Sky
> Mono
> Remember Remember