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Girls – Album
Girls – Album

Girls – Album

7.5

Genre: , ,
Label: Fantasy Trashcan/Turnstile

Erstellt am: 24.09.2009
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Erstellt am: 24.09.2009   Autor:

Neuerscheinungen

Zwei bärenstarke Typen

Girls, das sind Christopher Owens und Chet Jr. White aus dem sonnigen San Francisco. Zwei sympathische Chaoten, welche auf ihrem Debütalbum, das den innovativen Namen „Album“ trägt, äusserst verspielt wirken und musikalisch einige Stile in die Waagschale legen.

Der dritte Song „Ghost Mouth“ erinnert mich stark an einen Pavement Song, wobei ich keine Ahnung habe an welchen, und das auch völlig egal ist. Girls sind durchaus stark von jenen Indie-Rock Göttern beeinflusst, packen aber noch viel mehr aus und klingen manchmal gar wie die Garage-surf-rockige Version von den Beach Boys („Big Bad Mean Mother Fucker“). Grösstenteils machen Girls aber einen sehr poppigen Eindruck und die meisten Songs handeln von Mädchen, Freundschaften oder dem sommerlichen Zeitvertreib. Die erste Single und der erste Song auf dem Album, „Lust for Life“, steht dafür perfekt Pate und bietet wunderbare Akkordwechsel, schöne Melodien und dazu passende Handclaps an.

Manchmal wird das Ganze auch ein bisschen zu süsslich, wie zum Beispiel bei „Headache“, das schon fast wie ein Schlager tönt: mit der gehauchten Zeile „I only wanna be with you“. Aber wie mir das schon bei Jeremy Jay aufgefallen ist: gut eingepackter Kitsch lässt man ab und zu gerne über sich ergehen und die Girls  gehen mit viel Selbstironie ans Werk. An dieser Stelle muss ich auch gleich noch das blumige Albumcover erwähnen.

Das darauf folgende „Summertime“ bringt wieder knackige Gitarren und ein paar schöne Ideen für den perfekten Sommertag oder auf den Punkt gebracht: „Soak up the sunshine with you“. Bei „Morning Light“ wird es dann für zwei Minuten so richtig laut, ein wunderbar monotoner Kracher bei dem man gleich Lust bekommt sich in einen Mosh-Pit zu werfen. Doch schon beim instrumentalen „Curls“ und dem Schlusssong „Darling“ kann man wieder beruhigt aufatmen.

Das Herzstück des Albums ist bestimmt die zweite Single „Hellhole Ratrace“. Ein siebenminütiges, ruhiges Stück, welches einen mit seiner oft wiederholten Textzeile irgendwie einlullt und berührt. „I don’t wanna cry my whole life through / I wanna do some laughing too / So c’mon c’mon c’mon laugh with me“ Das klingt alles nicht sehr spektakulär, ist aber in seiner Einfachheit und Ehrlichkeit schon wieder äusserst beeindruckend. Ein trotz seiner Länge sehr kurzweiliger Song.

Richtig gut ist auch „Lauren Marie“. Auch hier zeigen Girls, dass sie musikalisch einige Einflüsse aufgesaugt haben. Der Song ist sehr ruhig und minimalistisch gehalten, wirkt sehr atmosphärisch und handelt von Träumen und der Liebe. „But what is life without a dream / Even I know dreams can still come true / Oh, Lauren Marie I might never get my arms around you / But that doesn’t mean that I won’t try“. Die Gitarren klingen hier sogar richtig schön nach Shoegaze oder um es mit einer Band zu vergleichen, nach My Bloody Valentine.

Es ist schwer nach wenigen Hördurchgängen das ganze musikalische Spektrum zu würdigen, welches Girls auf ihrem „Album“ abdecken, doch eins kann man auf jeden Fall festhalten: Es ist ein durchwegs sehr spannendes Album, welches unglaublich abwechslungsreich ist und mit der Zeit bestimmt noch wachsen kann. Eine Band mit sehr viel Potenzial, die hoffentlich auch auf ihren nächsten Alben ihre Verspieltheit nicht verlieren wird.

Seit 25.September 2009 im Handel.

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Anspieltipps:
> Lust for Life
> Hellhole Ratrace
> Summertime
> Lauren Marie

Diskographie:
> Album (2009)
Ähnliche Künstler:

> Pavement
> Holy Shit!
> Cass McCombs
> Japandroids
> Black Lips
> The Strange Boys
> The Muslims