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Ghost – Meliora
Ghost – Meliora

Ghost – Meliora

9.0

Genre: ,
Label: Spine Farm/Universal

Erstellt am: 15.09.2015
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Erstellt am: 15.09.2015   Autor:

Rezensionen

Was als reflexartiger Hype in der aufgeschlosseneren Hälfte der Metal-Community begann, ist mittlerweile zu einem ausgewachsenen Bandprojekt geworden. Mit ihrem dritten Album „Meliora“ wollen Ghost zeigen, dass sie die Weltherrschaft tatsächlich verdient haben. Und bescheren uns damit die knackigste Hardrock-Platte des Jahres.

Wer aus allen Musikrichtungen nur das Beste braucht, sollte hier zugreifen. Ghost repräsentieren nämlich mittlerweile die einsame Spitze der ganzen Retro- und Okkult-Rock-Angelegenheit. Doch eigentlich passen sie mit ihrem aufwändig geschneiderten Maskenball-Mummenschanz gar nicht in diese hippe Klientel.

Die Maskierung erscheint allerdings wie ein meisterhafter Bluff. Die Namen dahinter sind vermutlich wesentlich uninteressanter als die allgegenwärtigen Spekulationen. Doch die gebieterische Gestik von Sänger Papa Emeritus III. ist in der Tat ein wenig einschüchternd. Die mit dem Konzept einhergehenden Bekenntnisse zum Beelzebub sind dabei aber weniger der Grund für schaurige Stimmung als die brilliante Instrumentierung. Orgel, Harfe, Theremin, Glockenspiel – alles findet seinen rechten Platz in der opulenten Gabenbereitung dieser schwarzen Messe.

Es ist nicht die brutale Grausamkeit des Teufels, die Ghost hier vermitteln wollen. Wieso auch? Wenn der Gehörnte die Platte schon in Auftrag gegeben hat, sollen schließlich auch dessen positive Seiten im Mittelpunkt stehen. „Meliora“ ist nicht nur der Verführung gewidmet, es ist die Verführung. Die perfekten Refrains von „Cirice“ und „From The Pinnacle To The Pit“, die sakralen Interludes „Devil Church“ und „Spöksonat“. Die sphärische High-Energy-Besessenheit von „Spirit“. Und selbst die hervorragend produzierten Choral-Parts klingen eher majestätisch als konservativ.

„Meliora“ lässt sich auch – und das ist wirklich retro – nach klassischen LP-Dimensionen unterteilen. Die erste Hälfte liefert besonders feingliedrig instrumentierten Melodic Rock, während die zweite Seite deutlich rhythmischere und in Teilen auch härtere Songs bietet. „Mummy Dust“ ist so ein Brett, dass sogar den Heavy Metal der 80er-Jahre zitiert. Die metronomische Präzision von „Deus in Absentia“ und „Absolution“ kann so nur vom Herren der Finsternis persönlich angeordnet sein. Und von der ersten bis zur letzten Minute ist klar: Ghost haben hier tatsächlich die Verbindung aus Metal und Pop gefunden.