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Ghost Brigade – IV: One With The Storm
Ghost Brigade – IV: One With The Storm

Ghost Brigade – IV: One With The Storm

8.0

Genre: ,
Label: Season Of Mist

Erstellt am: 30.12.2014
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Erstellt am: 30.12.2014   Autor:

Rezensionen

Es gibt tatsächlich Menschen, die sich aus freien Stücken keine skandinavische Musik anhören würden. Der Grund: angeblich sind die Nordlichter zu allem bereit, wenn es nur Kasse macht. Dort gebe es jedes Genre, jede mögliche musikalische Färbung, wenn sie nur jemand bestellt hat. Und tatsächlich, schon acht mal stand ein Act aus Nordeuropa beispielsweise an der Spitze der US-Charts. Rekordhalter aus dem deutschen Raum sind übrigens – ernsthaft – Milli Vanilli. Von Poprock (Blue Swede/Aha) über Disco und Eurodance (ABBA /Ace of Base) bis House (Avicii) ist alles dabei. Und dabei reden wir nur über Musiker mit skandinavischer Herkunft. Schwedische Songwriter haben uns auch „Baby One More Time“, „Poker Face“ und „Because Of You“ eingebrockt haben. Grund genug also, nach dem zu suchen, was nordische Musik wirklich ausmacht.

Kaum eine Musikrichtung verbindet man mittlerweile mehr mit dem hohen Norden, als die dunklen, rauen Spielarten des Metal. Nicht nur die Wikinger haben einen spürbaren Einfluss in der Welt des Metal hinterlassen. Vieles davon mag vielleicht peinlich wirken, ist am Ende aber auch ein großer Spaß. Ghost Brigade sind da anders gestrickt und klingen wirklich finnisch. Obgleich sich in ihrem wuchtigen Gemisch aus Melodie und Holzhammer schon beinahe unpassend oft ein heimlicher Hit versteckte. Gerade das vergangene Album „Until Fear No Longer Defines Us“ war quasi voll davon.

Für „One With The Storm“ ist bei Ghost Brigade vielleicht nicht alles anders, aber das farbfreie Cover deutet es an: Jetzt ist Schluss mit lustig. „One With The Storm“ ist die ausgewogenste, vollständigste Variante, die Ghost Brigade von ihrer künstlerischen Vision je erreicht haben. Obwohl beim ersten Hören kein Song sofort einschlägt.

Umso passender ist, dass zunächst das längste Stück am zugänglichsten ist. Besagtes „Electra Complex“ ist ein Tribut an den melancholisch-melodischen Doomrock von Woods Of Ypres und Type 0 Negative. Und diese triste Grundstimmung zieht sich durch das gesamte Album. Die klug dosierten Growls und dezente Soundspielereien sorgen zwar auch für einen technisch versierten Eindruck. Aber was wirklich beeindruckt und dies zu einem Meilenstein in der Karriere der Finnen macht, ist die tiefe Betroffenheit, die diese Musik auslöst. Worin sich „One With The Storm“ vielleicht am schwerwiegendsten von seinen Vorgängern abhebt: es tut wirklich weh.