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Get Well Soon – The Scarlet Beast O’Seven Heads
Get Well Soon – The Scarlet Beast O’Seven Heads

Get Well Soon – The Scarlet Beast O’Seven Heads

6.0

Genre:
Label: City Slang

Erstellt am: 31.08.2012
Autor:
Erstellt am: 31.08.2012   Autor:

Neuerscheinungen

Auf die Spitze getrieben

Man könnte schreiben: Konstantin Gropper macht Spass. Dann müsste man aber beinahe die halbe Rezension damit verbringen, es zu erklären. Deshalb lassen wir es einfach so stehen.

Genauso wie wir darauf verzichten, dem Albumtitel immer noch den Zusatz „La Bestia Scarlatta Con Sette Teste“ anzuhängen. Gropper will die Grossspurigkeit. Man kann es auch Opulenz, Filmmusik oder seine Sommerplatte nennen. Letztendlich stellt sich trotz allen Bezügen, Inhalten und versteckten Botschaften nur eine Frage: Wo bleiben die Gefühle? Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn ein Film mit Musik zugekleistert wird. Gefühle werden in zu viel „Gefühl“ erstickt. Was aber, wenn die Musik mit Musik zugekleistert wird? Gropper muss sich den Vorwurf gefallen lassen, seine Werke mit sehr vielen Dingen zuzustellen. Auf „The Scarlet Beast O’Seven Heads” treibt er es auf die Spitze. Und von dort aus gibt es wohl nur zwei Perspektiven: Entweder man interpretiert “auf die Spitze” als Höhepunkt oder als übertrieben. Dem Songwriter-Talent von Gropper sowie der zweiten Plattenhälfte ist es zu verdanken, dass man dem Zwiespalt dennoch auf den Grund gehen will – und die Wertung gerade noch knapp auf der positiven Seite bleibt. Bei allem, was jetzt noch kommt: Es ist nicht so, dass dieser cineastische Zauberstab von Album gar keine Magie hätte.

Sind die etwas zu bunt geratenen Möbel einmal ausgeräumt, fühlt sich „The Scarlet Beast O’Seven Heads” sogar wohnlich an – nur was bleibt? „The World’s Worst Shrink“ ist so eine unterkühlte, zynische Stehlampe, die man besser nicht anmacht. „A Gallows“ sind die sich schliessenden Vorhänge. „Disney“ tatsächlich der magische Spiegel an der Wand, der Erwachsene wie Kinder aussehen lässt. Im Fernseher, der bestimmt kein grosser Flatscreen ist, läuft „You Cannot Cast Out the Demons (You Might As Well Dance)“ und am Ende dreht Gropper die Lautstärke auf. Und da ist es, das Gefühl. Da verdient sich Gropper die Grossspurigkeit. Leider tut er es auf diesem Werk zu selten. Da mag alles noch so gut komponiert sein, noch so phantasievoll arrangiert und produziert. Es liegt auch nicht am fehlenden Ironieverständnis, wenn man bei den Songtiteln langsam nicht mehr mitkommt. Und es liegt auch nicht an fehlendem Musikverständnis, wenn man bei „Roland, I Feel You“ zwar erkennt, dass es ein guter Song wäre. Aber man fühlt ihn nicht. „The whole world is going to hell“, sagt der Maya-Kalender voraus, Roland Emmerich hat den Weltuntergang verfilmt und Gropper ihn vertont. Nein, es klickt wirklich erst bei „Oh My! Good Heart“ zum ersten Mal. Weil da halt nicht alles wie auf dem Jahrmarkt klimpert und blinkt, sondern das Licht mal auch nur die Ecken beleuchtet. Es ist oft zu hell auf dieser Platte. Man sieht zu viel.

Seit  24. August 2012 im Handel.