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Fred Poulet – Milan Athletic Club (Bleu Electric/RecRec)

Fred Poulet – Milan Athletic Club (Bleu Electric/RecRec)

Erstellt am: 01.04.2005
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Erstellt am: 01.04.2005   Autor:

Neuerscheinungen

Geschätztes Auditorium,

Ah oui! Die Sympathie und Begeisterung für das anzuzeigende Album "Milan Athletic Club" sei offen und ohne Umschweife eingestanden. Sich Fred Poulets Charme zu entziehen, gelingt dem Schreibenden definitiv nicht.

Die musikalische Meisterleistung francophoner Zunge kann an dieser Stelle nicht gebührend gewürdigt werden. Bereits die Chanson-Titel zeigen, wes‘ Geist Fred Poulet ist: "Ma Gomme", "A. Delon", "Pininfarina", "Zeppelin", "Jesus": Es darf gelacht werden, es muss nachgedacht werden. "Je ne dirais rien", meint Poulet, wenn er Alain Delon wäre. Das wäre ein unwiederbringlicher Verlust, Monsigneur Poulet! Nicht nur in der Haut Delons versucht er sich, er re-kreiert sich auch als Prinz, allerdings als einen, der nichts zu lachen hat – das ist in diesem Falle keine Popstar-Attitüde, sondern in jedem Ton, in jedem Buchstaben glaubwürdig.
Mit wohltuendem humeur nonchalente erreicht das Multitalent (u. a. im Film tätig) den konzentriert Lauschenden. Mit "Milan Athletic Club" erzählt einer vom Leben Gezeichneter Episoden aus eben diesem Leben. Nichts passiert, aber darüber hat er etwas zu erzählen, hierin mit Peter Bichsel zweifelsfrei Bruder im Geiste. Man fährt mit Fred P. im Cabrio durch Italien ("Toute Une Vie"; "A. Delon"), im Hintergrund säuselnden Jazz-Sound, unterbrochen von gewagten Violineinlagen, die Haare im Wind und – ist es zufrieden.
Minimalistisch wird die eindrückliche Stimme unterstützt von einfühlsamer batterie (Franck Vaillant), intelligent (i. e. gänzlich frei jeder kitschigen Tendenz) eingesetzter Streicheinstrumentierung (Sarah Murcia), zurückhaltendem Saitengezupfe (Gilles Coronado und Sebastien Martel), selbst das Piano fehlt nicht (Sarah Murcia). Das alles ist einfach nur gut, ergreifend, durch- und bedacht.
Etwas aus dem Rahmen fällt allerdings "Electric Fish". Weder das reichlich affektierte "La-la-la-Intro" Sarah Murcias noch der englische Refrain "I just want to dance" zeichnen sich durch einen Reichtum an Geist aus. Den Song, reichlich belanglos und isoliert, könnten wir ihm nachsehen, wäre die CD nicht unter 40 Minuten, was sie aber ist (37:48). Dergestalt sind wir um ein gutes Stück Musik gebracht, das der Artist gewiss in seinem Gepäck gehabt hätte. Mr. Poulet ziert sich nicht, sich der allzu simplen Melodie, die man oftmals im Chanson zu konstatieren gezwungen ist, zu verweigern und anzuecken ("Les Sommets"), um gleich wieder eingängiger zu werden ("Le Mont Fuji"). Basierend auf Jazz-Arrangements – besonders "L’Epicer/Alice. R" zeigt, wo Friedrich Huhn musikalisch beheimatet ist -, lotet er auch rock-popige Tiefen aus ("Le Prince Marchant"), rockt und rollt sogar ("Pas Drole"), ohne sich je der Lächerlichkeit preiszugeben (J. Halliday etwa tut’s leider ohn‘ Unterlass …). Wenn er in Easylistening macht, gibt er unumwunden zu Protokoll, er habe Lust auf ein Chanson "easy" und "con" ("Toute Une Vie"). Mit dieser Offenheit gewinnt er jeden Hörer, die Lust am Singen merkt man ihm an. "Milan Athletic Club" überzeugt weitestgehend, ein wahres Bijou.
"On s’appelle", singt Poulet im Opener "Ma Gomme". Das wollen wir doch schwer annehmen, cher Mr. Poulet. A tout bientot.

Unsere Ansicht: Selbst hören und selbst urteilen. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit.

Seit 24. Februar 2005 im Handel.

Diskographie: Encore Cede (1998), Mes Plus Grands Succes (1995), Dix Ans de Peinture (1999), Hollywood Baby (2003), Milan Athletic Club (2005)
Artverwandt: A. Bashung, S. Gainsbourg, J.-J. Goldman, G. Brassens, J. Dutronc, J. Brel, Mickey 3D (?)

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