Exit Music
Fjørt – Kontakt
Fjørt – Kontakt

Fjørt – Kontakt

6.0

Genre:
Label: Grand Hotel van Cleef

Erstellt am: 26.01.2016
Autor:
Erstellt am: 26.01.2016   Autor:

Rezensionen

Auseinandersetzung ohne Umschweife

Annäherung und Vermeidung. Wenn man sich mit Menschen und Dingen auseinandersetzt, kann man es sich einfach machen. Oder eben auch nicht.

Wann sucht man Nähe und wann meidet man? Eine spannende Frage, die so viele Antworten kennt, wie es verschiedene Menschen gibt. Sie setzt also voraus, dass man sich in andere hineinversetzen sowie Mitgefühl empfinden kann. Und sie setzt voraus, dass man sich für Menschen interessiert. Stereotypen und Vorurteile helfen da nicht. Es geht um Menschlichkeit und um den Umgang mit Menschen. Das ist bei Fjørt auch deshalb interessant, weil ihre Musik im Erstkontakt eher abweisend wirkt. Auseinandersetzung ohne Umschweife mit einem Biest, das dich nicht schüchtern auskundschaften möchte, sondern sich aggressiv aufdrängt. Zurückweichen lohnt sich nicht, schon gar nicht in Zeiten von Pegida. Man muss „Paroli“ bieten. Auf ihrem zweiten Album machen Fjørt das stark: „Auf zwei von denen/ Kommen zehn von uns“. Wollen wir doch hoffen, dass sich an diesem Verhältnis in den nächsten Monaten nicht noch mehr zum Unguten verschiebt.

Was macht den Posthardcore von Fjørt aus? Sänger Chris schreit seine Texte fast ausschliesslich, die Musik geht dazu nicht den einfachen Weg. Es sind nicht die absolute Härte oder eingängige Melodien, mit denen „Kontakt“ zupacken will. Es ist ein Dazwischen, eine Annäherung, die auch unangenehm werden kann. Und das ist dann vielleicht auch das Kriterium, an dem man dieses Album messen muss: Musik ist nicht immer angenehm, Auseinandersetzung ist herausfordernd. Es gibt Musik, die versucht das mit Dissonanz. Es gibt Musik, die versucht es mit krasser Härte oder maximaler Reduktion. Und es gibt Fjørt, die es auf ihre Weise machen. Es hätte dabei dennoch etwas mehr Dynamik vertragen. Gerade bei diesem Thema, gerade bei der gesanglichen Umsetzung der Texte. Weil zwischenmenschliche Kontakte so vielseitig sind.

Das Trio aus Aachen schafft es auf seinem zweiten Album nicht durchgehend, seine Stärken immer auf den Punkt zu bringen, so wie es ihm beispielsweise im Titeltrack brillant gelingt. Fjørt variieren hier eindeutiger, geben Text und Musik mehr Frei- und Spielraum. Bauen eine Art Refrain ein – nicht, dass es das zwingend bräuchte. Aber es bricht die oftmals dominierende Aggressivität mit Emotionen auf, die für die einen wichtig sein werden und für andere unnötig. Allen kann man es nicht recht machen, schon gar nicht, wenn man sich zwischen den Stühlen bewegt. Perfektionieren Fjørt das noch mehr, und dazu sind sie zweifellos in der Lage, werden sie auf ihrem Weg bald einmal viele andere Posthardcore-Mitstreiter abhängen.

Ab 22.01.2016 im Handel erhältlich.