Exit Music
Fiona Apple – Extraordinary Machine (2005)
Fiona Apple – Extraordinary Machine (2005)

Fiona Apple – Extraordinary Machine (2005)

9.0

Genre:
Label: Epic Records

Erstellt am: 12.01.2006
Autor:
Erstellt am: 12.01.2006   Autor:

Neuerscheinungen

Vollendet

Alleine der Gedanke, dass es Leute gibt, die Musik mögen und dieses Album möglicherweise nicht zur Kenntnis nehmen, schmerzt. Tut euch selbst einen Gefallen.
Es ist leicht, sich über die Auswüchse des Mainstreams im Musikgeschäft lustig zu machen. Das kommerzielle Denken grosser Studios und ihre gezüchteten Schützlinge bieten eine dermassen umwerfende Angriffsfläche, dass Witze darüber gar keinen Spass mehr machen und sogar subtiler Sarkasmus seinen Reiz verliert. Dennoch gibt es Augenblicke, in denen man sich an den Kopf fasst und fragt, was eigentlich passiert ist, dass die kommerzielle Verwertbarkeit von Musik den künstlerischen Charakter völlig in den Hintergrund stellt. So geschehen, als Sony BMG beschloss, dass eine Veröffentlichung von „Extraordinary Machine“ sich nicht lohne, das Album über zwei Jahre in der Schublade liegen blieb und erst seinen Release erleben durfte, als es unter Aufsicht der Starproduzenten Mike Elizondo (Dr. Dre, Eminem, 50 Cent, Gwen Stefani) und Brian Kehew (Eels, Air, Beck) neu aufgenommen wurde.
Mit diesem Resultat sind nicht alle zufrieden. Manche sagen, die ursprünglichen Versionen der Songs, die einst im Internet auftauchten, seien bissiger gewesen, hätten mehr nach Apple geklungen. Es lässt sich aber sagen: Was hier vorliegt, ist zweifelsohne ein Meisterwerk, bei dem ALLES stimmt und das meiste begeistert. Die Scheibe ist voll mit schönen Melodien, begleitet von einem unglaublichen Reichtum an Instrumenten, von Bläsern über Streicher hin zu Wurlitzer, Organs oder Synths, die stets passend eingesetzt werden. Es klingt manchmal klein und quietschig, manchmal pompös und gediegen, nahe am Chaos und doch sehr harmonisch mit ungewöhnlich raffinierten rhythmischen Elementen, die das ganze Werk extrem aufwerten und einzigartig machen. Weiter sind auch die Texte bemerkenswert („What`s so impressive about a diamond / Except the mining“) und viele Songs halten Details bereit, wie plötzlich aufspielende Streicher oder liebenswert vorgetragene, aber schockierende Lyrics, sodass es auch bei wiederholtem Anhören immer wieder Neues zu entdecken gibt.
Dass das Album neu aufgenommen und blitzsauber poliert wurde, verleiht ihm eine zusätzliche, ganz besondere Qualität, die im Endeffekt sogar eine Bereicherung darstellen dürfte. Manche Songs wirken erdig und sehr ursprünglich („Red Red Red“), gleichzeitig aber auch absolut clean, geradezu steril poppig. Dieses spezielle Element ist schwierig zu definieren, aber es versprüht einen paradoxen Charme, als hätte jemand mit dem Budget für einen Blockbuster ein Indie-Movie gedreht.
Fiona Apple schenkt uns mit ihrem neuen (…) Album sowohl die einfache, oberflächliche Freude an guter Musik wie auch ein durchdachtes, nachdenklich stimmendes Werk, dass man sich nicht entgehen lassen sollte.
Seit 4. Oktober 2005 im Handel.

Anspieltipps: O` Sailor; Window; Not About Love
Trackliste: 1) Extraordinary Machine; 2) Get Him Back; 3) O` Sailor; 4) Better Version Of Me; 5) Tymps (The Sick In The Head Song); 6) Parting Gift; 7) Window; 8) Oh Well; 9) Please Please Please; 10) Red Red Red; 11) Not About Love 12) Waltz (Better Than Fine)
similar artists: Natalie Merchant, Poe, Ani DiFranco, Aimee Mann, Tori Amos

Bio:
Obwohl noch keine 30 Jahre alt, ist es bereits 10 Jahre her, dass Fiona Apple 1996 ihr Debüt „Tidal“ veröffentlichte und sogleich viel Anerkennung und den Ruf als eine der talentiertesten Singer/Songwriter unserer Zeit einheimste. Und auch ihr Zweitling „When The Pawn…“ schlug drei Jahre später voll ein, zählte für viele Kritiker zu einem der besten Werke des Jahres und bestätigte ihre aussergewöhnliche Begabung. Aus umstrittenen Gründen wurde ihr Album „Extraordinary Machine“ von 2002 erst Ende 2005 veröffentlicht. Der scheinbar relevante Grund war, dass Sony BMG mit der neuen CD unzufrieden war und keine Möglichkeit der erfolgreichen Vermarktung sah. Das Studio wehrt sich heute gegen diese Vorwürfe und führt an, das Apple selbst mit dem Material nicht zufrieden gewesen sei und es als nicht reif für die Veröffentlichung bezeichnete.
Diskographie:
> Tidal (1996)
> When The Pawn… (1999)
> Extraordinary Machine (2005)