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Faith No More – Sol Invictus
Faith No More – Sol Invictus

Faith No More – Sol Invictus

6.0

Genre: ,
Label: Reclamation Records

Erstellt am: 15.05.2015
Autor:
Erstellt am: 15.05.2015   Autor:

Rezensionen

Gemischte Gefühle

Trennungsängste lähmen Kinder. Bindungsängste die Erwachsenen. Faith No More versuchen es nochmals miteinander, 18 Jahre nach ihrem „Album of the Year“.

Die Gefühlswelt ist bei Reunions gemischt. Da ist das Gefühl der Freude, dass eine der prägendsten Bands von früher wieder aktiv wird und sogar neue Musik aufnimmt. Da ist das Gefühl der Angst, dass sie damit ihren Heldenstatus verunstalten. Und da ist das Gefühl der Erleichterung, wenn man merkt, dass das Ganze glimpflich über die Bühne geht. Man sollte sich jeweils schon die Frage stellen, wie man einem Comeback-Album wie „Sol Invictus“ begegnen würde, wenn es das Debüt einer neuen Band wäre. Manch ein Hahn würde wohl leiser danach krähen. Aber Faith No More haben zu Recht den Status, dass man ihnen auch nach 18 Jahren noch zuhört. Die Vermengung verschiedenster Genres haben Faith No More mit Meisterwerken wie „Angel Dust“ und „King for a Day… Fool for a Lifetime“ auf ihre einzigartige Weise geprägt. Und „Sol Invictus“ ist immerhin ein gutes Album geworden, das Aufmerksamkeit verdient. So viel steht fest.

Aber es spukt auch der Zeitgeist: Wir leben in einer Phase der Wiederkehrer. Retro reicht nicht mehr. Die Alten müssen selber ran. Wenn man zu weit gehen möchte, könnte man behaupten, dass nur die Stehengebliebenen auf Alben wie „Sol Invictus“ warten. Aber das wäre sicher nicht fair. Alleine schon deswegen, weil die einzelnen Mitglieder der Band nicht stehengeblieben sind. Sie lösen die schwierige Aufgabe, ihren damaligen Stil in die Zeitmaschine zu stecken und 18 Jahre später damit nicht alt auszusehen. Dass man beim Durchhören der neuen Platte vor allem Lust kriegt, die alten Alben hervor zu nehmen, sei mal nur ein schöner Nebeneffekt.

Wirklich spannend wird „Sol Invictus“ dann, wenn die Musik Mike Patton komplett von der Leine lässt („Superhero“) oder selbst keine hat („Cone of Shame“). Aber wenn Patton in der ersten Single „Motherfucker“ mehr klingt wie die Kopie seiner Kopierer, dann muss man das schon auch ins Verhältnis setzen. Er macht es in „Matador“ so viel besser und die ganze Band zudem in „Separation Anxiety“ ganz perfekt. Diese beiden Songs klingen auch rhythmisch sehr nahe an alten Glanztaten und trotzdem schafft die Band aus San Francisco hier den Spagat ins 2015 mühelos. Nimmt man dazu noch sich selbst hinters Licht führende Popnummern wie „Sunny Side Up“ oder „Rise of the Fall“ mit in die Rechnung, mag man das Ergebnis. „Matador“ hätte jedoch der krönende Schluss bilden sollen. „From the Dead“ schliesst das Album ähnlich blass wie der Titeltrack es eröffnet. Album des Jahres? Nicht ganz – auch wenn es der spukende Zeitgeist mangels Auswahl an neuer Innovation gerne hätte.

Ab 15.05.2015 im Handel erhältlich.