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Elvis Costello live with The Metropole Orkest – My Flame Burns Blue (2006)
Elvis Costello live with The Metropole Orkest – My Flame Burns Blue (2006)

Elvis Costello live with The Metropole Orkest – My Flame Burns Blue (2006)

9.0

Genre: ,
Label: Deutsche Grammophon

Erstellt am: 27.03.2006
Autor:
Erstellt am: 27.03.2006   Autor:

Neuerscheinungen

Das Gefühl bekommen, angelangt zu sein

Elvis Costello macht einmal mehr
alles richtig: Eine dramatisch-romantische Reise in die endgültige
Glückseligkeit, hervorragend unterstützt vom Metropole Orkest.

„This record may eyplain what I’ve been doing the
last twelve years when I haven’t had an electric guitar in my hands…“
Und nicht nur das: “My Flame Burns Blue” liefert einen fabelhaften
Querschnitt über die Arbeit Costellos der letzten paar Dekaden. Live
aufgenommen am North Sea Jazz Festival 2004.
Und ich verrat euch was: Diese Musik brennt! Nicht nur das Piano, das ganze
Metropole Orkest unterstützt Costello hervorragend; egal ob bei
tieftraurigen Schlummerstücken, rassigem Samba oder exzellentem
Free-Jazz-Rock wie “Hora Decubitus”, welches dieses Spektakel fulminant
eröffnet.
Inklusive traumhaft schöner Schlusszeile:
„I’ve Said It Before/ I Can’t Say It Much More/ Life Is A Beautiful Thing.“
Elvis Costello ist ein Multitalent, wie die fast angstmachende Bonus-CD
anschaulich beweist. Aber alleine schon auf „My Flame Burns Blue“ ist
alles dabei; es ist diese Musik, die man einfach im Blut hat, es sind
die selbstverständlichen Gefühle und Reaktionen darauf. Niemand
überlegt, bei „Favourite Hour“ zu schluchzen, es passiert einfach!
Genauso selbstverständlich wie „That’s How You Got Killed Before“
glücklich macht, und ganz nach „Take It Easy“ – Schema die Sorgen
wegbläst. Und natürlich schrieb dieser Song nicht Costello, viel zu
klassisch. Costellos Songs sind nämlich nebst präsentem Feuer von einer
leicht alternativen Melodieführung und mindestens einem kreativen Input
gekennzeichnet. Das Parade-Beispiel für diese spezielle Melodien ist
mit „Upon A Veil Of Midnight Blue“ schnell gefunden.
„You Pluck Up The Courage To Tell Her How You Feel“
Das singt er wieder gerne, 99% todernst, 1% augenzwinkernd und
Berufsmotivator. Das Lied – so langsam, dass es sich fast selbst stoppt
– endet in butterweichen Bläsern, natürlich nicht ohne Disharmonie.
Dann: Der erste Applaus. Das Durchschnaufen. Die Frage: Was möchte ich
jetzt gerne hören? Und während man am Anfang von „Clubland“ noch am
studieren ist, wird spätestens nach dem dezenten
Hintergrundflüstern-Anzählen und dem Wüsten-Walzer klar, was man
wollte. Dann abrupt der Wechsel, und Trompeten- und Trombonen-Wirbel
verkünden:
„The Boys Next Door/ The Mums And Dads/ New Weds And Nearly Deads/ Have You Ever Been Had?/ In Clubland”

Und wieder wird klar: Costello hat ein so wertvolles Talent und Gespür
für die optimale Umsetzung seiner Songs – das ist kaum zu glauben. Wie
kein zweiter, ist er darauf bedacht, die Flammen und Strukturen
umeinander spielen-, nie aber loszulassen. Costello ist so nahe dran
wie kein Zweiter. Und „Almost Blue“ wird mir da nicht wiedersprechen.
Hat es doch Costellos Frau Diana Krall auf ihrem starken „The Girl In
The Other Room“ so traumhaft umgesetzt, hören wir hier wieder den
Meister höchstpersönlich. Ein Hit. Ein Klassiker. Ein Meilenstein.
Und sein Lieblingswort wird wieder benutzt: Nach dem Dogma-Drama „Speak
Darkly My Angel“ kommt mit „Almost Ideal Eyes“ der Ausflug nach
Südamerika: Heisse Rhythmen, ein atemberaubender Übergang mit
Verzerrung und prächtigem Bogen und wieder ganz viel blaues Feuer.
Was würden wir nur ohne Elvis Costello tun, wir hätten eine
Musikrichtung weniger. Während sich andere hüten würden vor solchem
Halb-Samba, baut er ihn spielerisch ein, und macht doch tatsächlich
nahtlos mit „Can You Be True?“ weiter. Einer von unzähligen
Liebes-Pralinen (umhüllt von pechschwarzer Schokolade) aus „North“.
Costello, der früher nur zum Piano von Steve Nieve gesungen hatte, wird
hier wunderbar zart von ganzen Orchester begleitet und unterstützt.

Die dramatische Reise findet seine Fortsetzung in verbotenen Spielsachen:
„In Time As Beauty Dissolves Into Glamour/ It Slips From Your Heart, It Falls Under The Hammer/ Put Away Forbidden Playthings.”
Eine beruhigende und zugleich verunsichernde Anweisung. Ein Wechselbad
der Farben und Formen. So ist „Episode Of Blonde“ ein sechsminütiger
Tornado, ein Rhythmus-Augenrollen und Schnellträumerei gleichzeitig.
Aber was wichtig ist: Immer brennt die blaue Flamme; „Even Though My
Flame Burns Blue“. Der jazzig grösser werdende Titeltrack stammt vom
gemeinsamen „For The Stars“ mit Anne Sophie von Otter. Eigentlicher
Star auf diesem Song ist aber klar Johnny Hodges’ Saxophon.
Abgerundet wird der prächtige Reigen vom städtischen „Watching The
Detectives“, dem ältesten Stücks dieses Repertoires, und ganz zum
Schluss verkündet Costello noch „God Give Me Strength“.
Und abschliessend verkünde ich noch, dass „My Flame Burns Blue“ ein fabelhaftes Costello-Kaleidoskop ist:
Prächtig verziert, opulent bemustert und überwältigend schön.

Seit 6. März 2006 im Handel.

Anspieltipps: Elvis Costello
Trackliste: 1) Hora Decubitus; 2) Favourite Hour; 3) That’s How
You Got Killed Before; 4) Upon A Veil Of Midnight Blue; 5) Clubland; 6)
Almost Blue; 7) Speak Darkly, My Angel; 8) Almost Ideal Eyes; 9) Can
You Be True?; 10) Put Away Forbidden Playthings; 11) Episode Of Blonde;
12) My Flame Burns Blue (Blood Count); 13) Watching The Detectives; 14)
God Give Me Strength
BONUS CD: “Il Sogno” Suite: 1) Prelude; 2) Overture; 3) Puck 1; 4) The
Court; 5) Worker’s Playtime; 6)Oberon And Titania; 7)The Conspiracy Of
Oberon And Puck; 8) Puck 2; 9) The Identity Parade; 10) The Face Of
Bottom; 11) The Spark Of Love; 12) Tormentress; 13) Oberon Humbled; 14)
Twisted – Entancled; 15) The Fairy And The Ass; 16) Sleep; 17) The
Play; 18) The Wedding
similar artists: Jein

 

Bio:
Elvis Costello heißt eigentlich Declan Patrick MacManus. Am 25. August
1954 in London geboren und in Liverpool aufgewachsen gehörte er zu den
frühen Antihelden der britischen Popmusik. Seit er 1976 mit einem
Demo-Tape und einer Gitarre unter dem Arm die Manager des
Alternative-Labels Stiff Records derart nervte, dass sie ihm einen
Plattenvertrag gaben, entwickelte er sich zu einer Art künstlerischem
Gewissen der Punk-Ära. Unter dem Künstlernamen Elvis Costello und mit
damals anarchisch konventionellem Outfit – Hornbrille,
Spießerhaarschnitt, grauer Anzug mit Hochwasserhosen – kreierte er eine
Form von musikalischer Gegenkultur, die dem Trash der lärmenden
Revoluzzer die Qualität sarkastischer Texte und clever arrangierten
Rock’n’Rolls entgegensetzte. Mit dem Abflauen der provokativen
musikalischen Gesten wandte er sich in den Achtziger der New Yorker
Avantgarde zu und veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Alben, die
mal mit angejazztem Funk, mal mit quasi-klassischen Suiten oder
süßlichen Popballaden die Musikwelt überraschten. Mehr als 300 Songs
hat er im Laufe der Jahre geschrieben, als Produzent Bands wie The
Specials, Squeeze und The Pogues auf den Weg gebracht und selbst mit so
unterschiedlichen Künstlern wie der Mingus Big Band und Joni Mitchell,
Bob Dylan und den Chieftains, Neil Young, Burt Bacharach und seiner
Ehefrau, der Jazz-Pianistin Diana Krall gearbeitet. Mit dem Brodsky
Quartett entstand 1992 zunächst das Album „The Juliet Letters“, es
folgte eine erfolgreiche Welttournee. 1996 trat Costello in Stockholm
dann erstmals mit Anne Sofie von Otter und dem Symphonie-Orchester des
schwedischen Rundfunks auf die Bühne und beschloss das Jahr mit der
Uraufführung von der Komposition „Three Distracted Women“, die er für
Anne Sofie von Otter und das Brodsky Quartet geschrieben hatte. Bis zu
der ersten gemeinsamen CD-Produktion allerdings gingen noch vier Jahre
ins Land.
Ein weiterer Grenzgang entstand in den Jahren 2000-2004. Die Gruppe
Aterballetto aus der Reggio Emilia hatte 2000 bei Costello angefragt,
ob er ihr ein Ballett schreiben würde. Das Ergebnis „Il Sogno“ war
ebenso bunt wie stilübergreifend. Sein letztes Studioalbum, das
lärmig-schräge „The Delivery Men“ erschien 2004, zwei Jahre später
folgt nun mit „My Flame Burns Blue“ ein hervorragender
Live-Zusammenschnitt.

Elvis Costello

Diskographie:
> My Aim Is True (1977)
> This Years Model (1978)
> Armed Forces (1979)
> Get Happy!! (1980)
> Trust (1981)
> Almost Blue (1981)
> Imperial Bedroom (1982)
> Punch The Clock (1983)
> Goodbye Cruel World (194)
> King Of America (1986)
> Blood And Chocolate (1986)
> Spike (1988)
> Mighty Like A Rose (1991)
> The Juliet Letters (1993)
> Brutal Youth (1994)
> Kojak Variety (1995)
> All This Useless Beauty (1996)
> Terror + Magnificence (1997)
> Painted From Memory (1998)
> Anne Sofie von Otter Meets Elvis Costello (2001)
> When I Was Cruel (2001)
> North (2002)
> The Delivery Man (2004)
> Il Sogno (2004)
> My Flame Burns Blue (2006)