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Earl Sweatshirt – „I don’t like shit, I don’t go outside“
Earl Sweatshirt – „I don’t like shit, I don’t go outside“

Earl Sweatshirt – „I don’t like shit, I don’t go outside“

7.0

Genre: ,
Label: Sony Music

Erstellt am: 09.05.2015
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Erstellt am: 09.05.2015   Autor:

Rezensionen

Was Earl Sweatshirt hier präsentiert, hat nur wenig mit dem oben ohne mit Strohhut posierenden Jungen zu tun, der damals aus der Besserungsanstalt in Samoa zurückgekehrt ist. Wie Titel und Cover schon zeigen: Es wird noch schwärzer als auf „Doris“.

Earl ist vor wenigen Monaten zwanzig geworden, wollte eigentlich nur eine Single veröffentlichen aber sein Label Sony hat sein Album mal eben versehentlich auf Itunes verfügbar gemacht.

Wenige Wochen später machte der extrem wütende Earl das Beste daraus und veröffentlichte sein neues Werk kurzerhand offiziell.

Musikalisch zieht er nun deutlich die Handbremse an. Die Beats auf „I don’t like shit…“ sind langsamer, reduzierter und noch nebliger geworden. Es gibt kaum Features. Kein RZA, kein Tyler, kein Frank Ocean. Allein die knapp 30 Minuten Spielzeit sind eine klare Antithese zu den Gepflogenheiten von Odd Future. Zugegeben, Earls Erklärung dazu ist ganz er selbst: „When you’re done listening to it, then listen to it again. That’s why it’s 30 minutes!“

Letzte musikalische Zeichen einer bunten Vergangenheit sind die zaghaft in den Hintergrund verbannten Synthie-Schrillheiten im Intro von „Mantra“. Die Schwärze wird lediglich konterkariert von einigen Orgel-Parts, die wie in „Huey“ eine leicht schräge Ironie transportieren.

Unterhaltsame Eskapaden weichen einer gechillten und ernsthaft analytischen Atmosphäre. Höhepunkt dieser Entwicklung ist die besonders verzerrte Single „Grief“. Earl klingt hier (wie auf dem ganzen Album) weniger niedergeschlagen als dezent aggressiv, wenn er sich mit den Folgen seines Erfolgs auseinandersetzt. „Good Grief, I been reaping what I sowed / Nigga I ain’t been outside in a minute / I been living what I wrote“ – so klingt die ambivalente Beziehung zur Karriere im Hause Sweatshirt.

Freilich gibt es trotz vieler guter Tracks keinen echten Hit zu verzeichnen, kein „Chum“ oder „Molasses“. Und das lässt „I don’t like shit“ durchaus wie eine Zwischenstation erscheinen. Dabei hat das Album aber einen unverwechselbar eigenen Charakter. Es klingt wie eine Sammlung von Tracks, die Earl Sweatshirt vor allem für sich gemacht hat, nicht für seine Fans. Und das macht die Persönlichkeit des blutjungen Rappers umso interessanter.