Exit Music
Disco Drive – Things To Do Today
Disco Drive – Things To Do Today

Disco Drive – Things To Do Today

9.0

Genre: ,
Label: Unhiprecords

Erstellt am: 01.11.2007
Autor:
Erstellt am: 01.11.2007   Autor:

Neuerscheinungen

Spaghettis könnens besser

Italien, da denkt man hierzulande an Mafia, Pizza, Mode, überfüllte Strände und Eros Ramazotti. Disco Drive zeigen den Nordeuropäern eindrucksvoll wo der Bartli den Most bzw. die Tanzschuhe holt: natürlich in Italien.

Die drei Turiner von Disco Drive sorgten schon mit ihrem Debutalbum ’What’s Wrong With You, People?’ europaweit für Furore. Das Zweitwerk übertrifft den Vorgänger sogar. Disco Drive entstauben das Image der italienischen Musikszene (welche ich ehrlich gesagt etwa gleich gut kenne wie die usbekische) gewaltig. Wir verbinden Italien vor allem mit schnulzig klebriger Schleimmusik oder Popgrössen wie Eros dem Womanizer und Zucchero. Disco Drive hingegen kombinieren ausgeklügelt trockene und gleichzeitig wuchtige Tanzbeats mit frechen, teils mehrstimmigen Melodien, schrägen Gitarrenriffs, packenden Bassläufen, einer Spur Pop und einer gehörigen Portion Wahnsinn. Ja, hier muss das Modewort ’catchy’ fallen. Und tatsächlich könnte man die vollständige Platte an einschlägigen Tanzanlässen laufen lassen. Das Ganze ist nicht nur englisch gesungen, sondern tönt auch so und wird beim Publikum wahrscheinlich entsprechend ankommen. Die Italiener fügen dem mittlerweile gängigen Retro-Britrock-Spassding eine kreative, eventuell drogenindizierte, jedenfalls abgefahrene Portion Wahnsinn bei, welche sich vor allem im skurrilen Gitarrenspiel, dem genial getimten Umgang mit Bass und Schlagzeug und dem eigenwilligen Einsatz von Synthiegeräuschen und Stimmakrobatik äussert. Was mir daran besonders gefällt ist die Fähigkeit Disco Drives, einzelne Stücke bei ewig gleich bleibendem Beat in die Länge zu ziehen, Störgeräusche einzubauen, die Instrumente zu malträtieren und somit die im Genre gewohnte 3-4 Minuten Partyliedergrenze zu durchbrechen. Man kann sich somit bestens vorstellen, dass die Band live ziemlich deftig die Sau rauslassen kann. Die Stücke bauen sich herrlich auf, beginnen teilweise nur mit eiskalter Basslinie und Gesang, werden mit der Zeit durch präzise Drums, scheppernde Gitarren und elektronisches Gequietsche unterstützt und neigen gegen Ende zum Ausrasten. Das Stück ’Things To Do Today’ sticht besonders heraus und kann stellvertretend für die ganze Platte zeigen, wie Disco Drive komponieren bzw. den Bär zum Steppen bringen. Ein deftiger, beinahe militärisch anmutender Beat

verhindert Stillsitzen von Beginn weg. Die dazukommende quietschendeGitarre sowie die den Refrain (uiuiuiuiuiu….) verstärkende, hämmernde Basslinie machen das Stück zu einem absoluten Partykracher. Nach einem kurzen, ruhig-psychedelischen Zwischenstück setzt der Höllenbeat mit doppelter Wucht wieder ein, der uiuiuiui…Refrain läuft konstant im
Hintergrund, darüber rhythmischer Gesang und ich hüpfe mittlerweile wie vom Ochsen gestochen durch mein Zimmer. Mit ’Cholsey’ schliesst das Album psychedelisch-schräg-zerrissen-krank und die Playtaste wird sofort nochmals gedrückt. Bezüglich Taktgefühl, Kreativität und Spielfreude guckt die nordeuropäische Konkurrenz jedenfalls gewaltig
in die Röhre. Ja, dieses Album sollte man sich zwingend antun.

Ab 2. November 2007 im Handel